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Kamp-Lintfort
Ein Weinberg im Dornröschenschlaf

Kamp-Lintfort. Sechs Gartenfreunde hegen und pflegen die Rebstöcke am Kloster Kamp. In einigen Jahren könnten sie Wein produzieren. Sie scheuen allerdings den Trubel, den das erzeugen könnte. Von Peter Gottschlich

Der Kamper Wein soll immer mit süffigen Reizen gegeizt haben. "Der Kamper Wein bereitet am Tisch nur Pein" - also Schmerzen - sollen schon die Mönche gedichtet haben, bevor die Zisterzienserabtei 1802 aufgelöst wurde. Oder in Latein: "Vinum Campense non facit gaudia mense." Über zwei Jahrhunderte gab es keinen Kamper Wein. Doch in einigen Jahren könnte wieder gegorener Traubensaft kredenzt werden, wenn auch nur wenige Flaschen.

"Der Kamper Wein war als Essig bekannt", sagt Michael Davids lächelnd. Seit zwei Jahren pflegt er die Kamper Rebstöcke zusammen mit fünf weiteren Gartenfreunden: Uwe Treeter, Jörg Schröder, Rüdiger Voß, Jörg Kamps und Thomas Kölbl. Angelegt wurde der Weinberg zum 875. Geburtstag des Klosters im Jahr 1998. Seitdem stehen 300 Rebstöcke auf einer Fläche, die südöstlich des Kräutergartens und des Rokokosaales liegt.

Schon kurz nach der Pflanzung verwilderte der Weinberg. Er lag im Dornröschenschlaf, bis er im Juni 2013 von Jugendlichen unter Pfarrer Thomas Schulz in einer 72-Stunden-Aktion vom Unkraut befreit wurde. Seitdem kümmern sich die sechs Gartenfreunde um den Weinberg. Sie halten ihn frei von Unkraut, schneiden im Sommer und Winter die Stöcke. "Es ist ein Fitnessprogramm zum Ausspannen", berichtet Jörg Schröder schmunzelnd. Wie die anderen Gartenfreunde ist er alle zwei Wochen im Weinberg und im Apfelgarten, der daneben liegt, um die Arbeiten zu erledigen, die "saisonbedingt" anfallen, zurzeit die Apfelernte.

Alle lieben die Ruhe, die zwischen Weinstöcken und Apfelbäumen herrscht. "Ein Dornröschenschlaf hat auch etwas Schönes", erzählt Michael Davids. "Es wäre schade, wenn die Ruhe weg wäre. " Bislang herrscht diese Ruhe, da im Kamper Weinberg kaum Trauben wachsen. Es sind zu wenige, um damit auch nur einige Flaschen Kamper Wein zu produzieren. Dieser könnte am gesamten Niederrhein Aufsehen und damit die Ruhe im Weinberg beenden.

"Wir spritzen nicht", erklärt Michael Davids den geringen Ertrag. "Viele Rebstöcke sind von Mehltau befallen. Dazu holen die Vögel die Trauben. Was übrig bleibt, essen wir." Um mehr zu ernten, ersetzen die Gartenfreunde in diesen Wochen 45 Rebstöcke. "Wir pflanzen eine mehltauresistente Sorte", berichtet Rüdiger Voß. "Es ist eine Tafeltraube, die sich nicht zum Keltern eignet." Im dritten Jahr, also 2018, erwarten die Gartenfreunde die erste Ernte der neuen Trauben. Sollte das Experiment gut verlaufen, wollen sie weitere mehltauresistente Rebstöcke setzen. Wenn sie sich für Trauben zum Keltern entscheiden sollten, könnten sie erstmals 2021 ernten und einige Flaschen Wein erzeugen lassen.

"Ob es soweit kommt, ist offen", sagt Michael Davids. "Wir wollen die Ruhe nicht aufs Spiel setzen." Lieber als Wein zu produzieren, denkt er darüber nach, einen Apfelbrand herzustellen. "Da Calvados ein geschützter Begriff ist, würden wir ihn Kampados nennen", sagt er.

Quelle: RP
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