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Kamp-Lintfort
Ein zeitloses Stück über Frauen im Krieg

Kamp-Lintfort. Das Turmalin-Theater präsentierte anlässlich des Weltfrauentags im Kamp-Lintforter Diesterwegforum das Ein-Frauen-Stück "Kassandra", ein Theaterstück nach Christa Wolf. Es spielte Cornelia Gutermann-Bauer. Von Jutta Langhoff

Die Seherin Kassandra ist die Lieblingstochter des trojanischen Königs Priamos, doch das ändert sich bald. Denn als ihr Bruder Paris die schöne Helena, Gattin des Sparta-Königs Menelaos entführt und damit einen Krieg der griechischen Fürsten gegen Troja anzettelt, prophezeit Kassandra den Trojanern eine vernichtende Niederlage, von der ihr machtgieriger Vater jedoch nichts wissen möchte.

Er will diesen Krieg und erklärt seine Tochter kurzerhand für wahnsinnig, lässt sie fortan von seinen Soldaten bewachen und später sogar einkerkern. Kassandras Schicksal war das Thema eines spannendenden, von der Kamp-Lintforter Gleichstellungsstelle im Rahmen des Weltfrauentags veranstalteten Theaterabends im VHS-Forum an der Vinnstraße 40. In einer zweimal 45-minütigen Aufführung präsentierte die aus Bochum gebürtige Schauspielerin Cornelia Gutermann-Bauer die Theaterfassung der 1983 von Christa Wolf verfassten Erzählung "Kassandra". Das Turmalin-Theater aus Weingarts in Franken inszenierte das Stück für die Schauspielerin. Gutermann-Bauer stammt gebürtig aus Bochum und studierte Theaterwissenschaft in Erlangen. Sie nahm Schauspiel und Sprechunterricht.

"Kassandra" ist ein zeitlos-aktuelles Stück über die Entdeckung der eigenen Kraft, der Freiheit im Widerstand gegen Blendung und Betrug. Die Schauspielerin des Turmalin-Theaters fesselte ihr knapp 40-köpfiges, fast ausschließlich weibliches Publikum von der ersten bis zu letzten Sekunde.

Dabei entführte die Schauspielerin mal laut schreiend, dann wieder ängstlich wispernd oder voll zärtlicher Melancholie ihre Zuhörerschaft mit einer gekonnten Mischung aus Stimme, Gestik und Mimik nur vordergründig in die Sagenwelt des alten Griechenland, in der selbst Königinnen und deren Töchter nichts weiter als Beuteobjekte in männlich beherrschten, kriegerischen Machtkämpfen waren.

Ein Schicksal, dem Frauen in Kriegsgebieten heute nach wie vor schutzlos ausgesetzt sind. Als Kassandra in Christa Wolfs Theaterstück erkennt, dass ihr geliebter Vater in dem großen Spiel um Macht und Gier nicht nur seine Kinder, sondern sein gesamtes Volk hintergeht, wird sie zur Oppositionellen. Doch da ist sie nach der Niederlage Trojas schon selbst als Beute des siegreichen griechischen Königs Agamemnon auf dem Weg in dessen Königreich Mykene, wo sie bei ihrer Ankunft schließlich der sichere Tod erwartet.

"Kein leichtes Stück zum Weltfrauentag", wie die Kamp-Lintforter Gleichstellungsbeauftragte Petra Niemöller bereits zu Anfang in ihrer Begrüßungsansprache angekündigt hatte. Die überragende schauspielerische Leistung von Cornelia Gutermann-Bauer machte es jedoch nicht nur sehenswert, sondern zu einem eindrucksvollen Theatererlebnis. Das Publikum spendete der Schauspielerin langanhaltenden Applaus.

Quelle: RP
 
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