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Kamp-Lintfort
Eine Kammermusikalische Morgenstern-Stunde

Kamp-Lintfort. Klaviertrio begeisterte mit klassisch-romantischem Programm im Rokokosaal des Klosters Kamp.

Nach dem erfolgreichen Kammermusikfest Kloster Kamp ist jetzt die Reihe der Kammerkonzerte der Stadt Kamp-Lintfort und der Sparkasse Duisburg in ihre dritte Staffel gestartet. Wie stets, war der Rokoko-Saal im Kloster Kamp restlos ausverkauft. Zu Gast war das Morgenstern-Trio mit der Pianistin Catherine Klipfel, dem Geiger Stefan Hempel und dem Cellisten Emanuel Wehse. Das mit höchsten Preisen ausgezeichnete Ensemble, dessen nach eigener Aussage "lange gereiften Interpretationen" in der Ausarbeitung feinster Nuancen faszinieren, wird für seinen hohen kammermusikalischen und technischen Anspruch gefeiert. Mit seiner unüberhörbaren Lust am gemeinsamen Ausdruck, der immer spürbaren Neugier und der Unmittelbarkeit der Spielfreude vermag es, die Zuhörer zu bannen.

Auch im Kamper Konzert machte das Trio seinem Namen alle Ehre und bescherte den Besuchern eine Sternstunde, die alle Erwartungen an hochkarätige Kammermusik erfüllte. Den Auftakt des klassischen-romantischen Programms bildete Joseph Haydns letztes Klaviertrio es-Moll, an dessen Entstehung sich eine Anekdote knüpft, die Cellist Emanuel Wehse erzählte. So lernte Haydn in London einen deutschen Musikliebhaber kennen, der sich auf der Geige eine an Virtuosität grenzende Fertigkeit erworben hatte, aber die ungute Gewohnheit pflegte, sich immer in den höchsten Tönen in die Nähe des Stegs zu versteigen. Haydn nahm sich vor, ihm ein Gefühl für solides Spiel beizubringen, und spickte das Werk, das als einfache Sonate eines anonymen Komponisten konzipiert war, mit etlichen Passagen in höchsten Höhen. Anders als der eitle Dilettant, verstand Stefan Hempel diese geigerischen Hürden mit Leichtigkeit zu nehmen und der Interpretation in harmonischstem Zusammenspiel mit seinen Musikerkollegen souveränen Glanz zu verleihen, der fernab kompositorischer Gepflogenheiten der Entstehungszeit klar Haydns Tonsprache zur Geltung kommen ließ.

"Mit Energie und Leidenschaft" leitete das Trio über in Robert Schumanns Klaviertrio Nr. 1, in dem, so Wehse, "schon die Geister, die der Komponist später in seinem Kopf zu spüren meinte", eine wundersam mystische Sphäre im Saal zauberten. Die Idee, das Programm mit Chaussons Klaviertrio op. 3 enden zu lassen, erwies sich dramaturgisch als unbedingt richtig, denn der im Konzertsaal leider viel zu selten vertretene Franzose sorgte für ein fulminantes Finale. In der Zugabe kehrte das Trio noch einmal zu Schumann zurück und schloss damit "innig" den Programmbogen eines rundum geglückten Konzerts.

(prs)
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