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Kamp-Lintfort
Eine Reise auf der Suche nach Inhalten

Kamp-Lintfort: Eine Reise auf der Suche nach Inhalten
Rainer Junghanns steht inmitten seiner Installation, die er ins Museum Kloster Kamp eingerichtet hat. FOTO: C. Reichwein
Kamp-Lintfort. Konzeptkünstler Rainer Junghanns präsentiert im Museum Kloster Kamp seine Rauminstallation "Khun Load". Sie ist spirituell, spannend und durchdacht. Die Besucher werden Teil dieses ungewöhnlichen Kunstprojekts. Von Anja Katzke

Am Anfang war die Form: eine freischwebende Skulptur aus 91 unterschiedlichen Schubladen. Jede dieser Laden ist anders, mal breit, mal schmal. Und sie sind aus selten genutzten Hölzern gefertigt. Die Suche nach den Inhalten führte den Düsseldorfer Künstler Rainer Junghanns auf eine mehrmonatige Reise nach Thailand. "Eigentlich wollte ich nach Bangkok", erzählt er. Doch dort bot sich nichts, was er seinen Schubladen als Inhalt hätte beifügen wollen. Seine Reise ging weiter und brachte ihn schließlich zum Kloster Watphadarabhirom. "An den Bäumen hingen Schilder", sagt er. "Und als ich nach dem Warum fragte, erfuhr ich: Bäume erteilen Weisheiten." Junghanns war am Ziel angekommen. Er machte im Tempelgarten 91 Fotos, so viele wie seine freischwebende Skulptur Schubladen hat. Dann fotografierte er das Kloster mit seinen Mönchen, dann die Umgebung. Die jeweils zusammengehörenden Bilder fügte er wie eine Collage auf drei Bannern zu einem Triptychon zusammen. Jedes Bild korrespondiert mit der passenden Lade aus Holz an der Wand.

"Khun Load" ist der Titel der ungewöhnlichen und sehr durchdachten Ausstellung, die ab Samstag, 30. April im Museum Kloster Kamp zu sehen ist. "Khun ist eine Höflichkeitsform und heißt so viel wie Herr. Load heißt Lade", erklärt der Düsseldorfer Künstler, der für seine Installation auf dem Kamper Berg den perfekten Ort gefunden hat. "Garten, Kloster und Umgebung", sagt und zieht den Vergleich mit dem thailändischen Kloster, das er besucht hatte. Auch für ihn sei dieses Projekt einzigartig. "Ich gehe normalerweise vom Inhalt aus und erschaffe dann die Form. Dieses Mal war es andersherum."

Ausgangspunkt für Junghanns' Kunst sind Reisen. Zwischen 2007 und 2010 unternahm er beispielsweise mehrere Schiffsreisen, die sich am Ende zur Länge einer Erdumrundung addiert hatten. Die Anzahl der Reisetage passt ebenfalls zur neuen Installation. Es waren 91. Doch Junghanns möchte mehr: Er fordert die Besucher auf, ein Teil seines Kunstprojekts zu werden. Sie können eines der Bilder aus der Schublade herausnehmen. Dafür müssen sie jedoch im Gegenzug ein neues hineinlegen: "In der Lade liegt ein leeres Blatt, das mit Bildern und Textbeiträgen bemalt und beschriftet werden kann", erklärt der Künstler seine Idee. Aus diesen Bildern will er am Ende ein viertes Banner gestalten, so dass die Installation in einem Spannungsfeld von Bild und Wort steht.

Peter Hahnen, Leiter des Geistlichen und Kulturellen Zentrums Kloster Kamp, freut sich darüber, diese Arbeit in Kamp-Lintfort zeigen zu können. Die Düsseldorfer Galerie Weithorn, mit der Hahnen bereits für eine andere Ausstellung kooperiert hatte, stellte den Kontakt zum Rainer Junghanns her. Zur Installation im Raum gehört auch eine Tafel, auf der die Übersetzungen der 91 Baumweisheiten zu finden sind. Und es gibt eine siebenminütige Videoaufnahme eines betenden Mönches. Flüchtig betrachtet, glaubt man, es handle sich um ein Foto. Doch wer genauer hinschaut, sieht, dass die Kerzen flackern. Einzig der Mönch bewegt sich nicht.

Das Museum Kloster Kamp darf sich übrigens über ein Geschenk des Künstlers freuen: Eine der Ausstellungswände, die Junghanns gebaut hat, darf es behalten. Es ist die vor der Vitrine.

Quelle: RP
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