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Kamp-Lintfort
Eine skurrile Begegnung mit dem Tod

Kamp-Lintfort: Eine skurrile Begegnung mit dem Tod
Die Schauspieler des N.N.Theaters brachten das Stück "Brandner Kasper" vor klösterlicher Kulisse auf die Bühne. Das Publikum spendete großen Beifall. FOTO: siwe
Kamp-Lintfort. Das N.N.-Theater disponierte um: Da die Metropolis-Hauptdarstellerin einen Unfall hatte, brachte das Kölner Theater zum Abschluss der Kamper Freilichtspiele das Stück "Brandner Kasper auf die Bühne. Von Ulrike Rauhut

Das Finale des Kamper Freilichttheaters begann am Samstagabend mit einer Überraschung. Angekündigt war das Kölner N.N.-Theater mit dem Stück "Metropolis". Doch aufgrund eines Unfalls der Hauptdarstellerin am Vorabend musste kurzfristig umdisponiert werden. Organisatorin Ilona Haje vom Kamp-Lintforter Kulturamt hatte selbst erst am Mittag von der Planänderung erfahren. Viel zu spät, um sie an die Karteninhaber weiterzugeben. Überaus erleichtert zeigte sie sich deshalb darüber, dass die Truppe ein anderes Stück anbieten konnte und dass die Zuschauer trotz der ersten Irritation erwartungsvoll sitzen blieben.

Und so verwandelte sich die Bühne auf dem Kamper Berg in eine bayerische Berghütte. "Der Brandner Kaspar" basiert auf einer Kurzgeschichte von Franz Kobell aus dem Jahr 1871. Unter der Regie von Ute Kossmann verwandelt das Ensemble die Geschichte mit nur drei Darstellern in ein heiter-skurriles Schauspiel mit ernstem Unterton. Der 72-jährige Kaspar, gespielt von Michl Thorbecke, hat eine unheimliche Begegnung mit dem Tod (Gregor Höppner), im Dialekt Boanlkramer (Gebeinehändler) genannt.

Doch er will noch nicht mitgehen, macht den Tod mit Kirschschnaps besoffen und ergaunert sich schließlich beim Kartenspiel 18 weitere Lebensjahre. Der Boanlkramer wandelt sich von der unheimlichen zur lächerlichen und schließlich zur fürsorglichen Gestalt, als er wiederkommt, um den armen vom Leben gebeutelten Kaspar doch noch ins Paradies zu holen. Die beiden großartigen Hauptdarsteller, die in insgesamt fünf Rollen schlüpfen, ziehen das Kamper Publikum sofort mit ihrem ausdrucksvollen Spiel in ihren Bann.

Dazu kommt die effektvolle Begleitung durch Geräusche und Musik von Bernd Kaftan am Keybord und am Akkordeon. Zusätzlich schlüpft er in die Rolle der Liesel, die den illegalen Handel im Himmel verrät. Ein weißes Zelt, dessen vorderer Teil aufgeklappt wird, um den Blick auf eine Tür in der Mitte freizugeben, dient als Kulisse. Geschickt wird die zweite Ebene, die oben auf der Tür entsteht, genutzt: Hier taucht der Heilige Petrus auf, den Thorbecke als durchaus irdisch gesinnte Figur spielt, der ein Auge auf die schöne Liesel geworfen hat.

Im Bereich hinter der Tür vollziehen die Darsteller ihre Rollenwechsel. Die offene Tür ermöglicht aber auch die Illusion eines weiteren Raumes, von dem man nur einen Ausschnitt zu sehen bekommt. Herrlich, wie die beiden Brandner-Söhne beim Dorftanz ihre Madln, die aus Kleiderbügel mit Dirndl bestehen, über den imaginären Tanzboden wirbeln. Auf bekannt kreative und geniale Weise werden ganz wenige Requisiten auf vielfältige Weise genutzt. Ein metallener Öltrichter wird zum Defibrillator, Bierkrug, Megafon und Fernrohr. Die besondere Kulisse mit dem Glockenschlag der Klosterkirche und dem fernen Gewittergrollen an passender Stelle erschuf eine überaus passende Atmosphäre.

Das Publikum belohnte die hervorragende Leistung der Kölner Truppe mit großem Beifall. Bei Speisen und Getränken von lokalen Anbietern ließen viele den Sommerabend noch stilvoll auf dem Abteiplatz vor dem Kloster Kamp ausklingen.

Quelle: RP
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