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Kamp-Lintfort
Erfolg mit Weinen aus dem Libanon

Kamp-Lintfort: Erfolg mit Weinen aus dem Libanon
Feine Tropfen bis unters Dach Thilo Rick in seinem Depot auf einem Hof in Saalhoff. FOTO: Reichwein
Kamp-Lintfort. Ars Gustandi lagert und handelt seltene Weine, besonders aus dem Nahen Osten. In Saalhoff hat die Weinhandlung von Thilo Rick ihr Depot, im Düsseldorfer Stadtteil Flingern ihren Schauraum. Von Peter Gottschlich

Für Thilo Rick hat jeder Wein seine eigene Geschichte, wie jedes Weingut. "Die Weinbauern haben enthusiastisch zu sein", sagt der Geschäftsführer der Ars Gustandi GmbH & Co KG. Deshalb liebt er Weine von Erzeugern, die noch selber im Weinberg stehen, beispielsweise im Libanon. Die dortigen Weine hält er für die besten der Welt, besonders aus dem Hochtal Bekaa, wie ein Château Musar von 1981. "Er ist fruchtig und trocken", erzählt er im Kamp-Lintforter Weindepot von Ars Gustandi. "Er wurde im Holzfass gelagert. Er schmeckt intensiv und hat Körper."

Dieser Wein gehört zu den wenigen, die im libanesischen Bürgerkrieg gekeltert wurden. Von 1975 bis 1990 hatte dieser Krieg das Land in Schutt und Asche gelegt, das nördlich von Israel zwischen dem östlichen Mittelmeer und Syrien liegt. Als er vorüber war, begannen die Libanesen in den frühen 90er Jahren, wieder verstärkt Wein anzubauen. Die Weinbauern lagerten ihre edlen Stoffe oft über Jahre in Holzfässern, bevor sie diese abfüllten und verkauften.

Für die kleinen Mengen, die sie produzierten, suchten sie in Europa kleine Importeure mit Wagemut abseits des Mainstreams, die sie zum Beispiel in Detlef Rick fanden, der sich als Weinsammler und Sommelier 1992 unter dem Namen Ars Gustandi selbstständig gemacht hatte, um vor allem chilenische und südafrikanische Weine zu handeln. "Ein Château Qanafar wird in manchen Jahren nur in 7000 Flaschen abgefüllt. Das sind weniger als zehn Paletten", erzählt Thilo Rick, der 2013 bei Ars Gustandi einstieg, als sein Bruder mit 56 Jahren starb.

Der libanesische Wein sorgte für Aufsehen, als es ihn ab Ende der 90er Jahre in Europa zu kaufen gab. "Der Château Musar wurde schon zuvor zur Berühmtheit", blickt Thilo Rick zurück. "Die Sommeliers und Kritiker haben sich nach einer blinden Weinverkostung, in der er im Vergleich zu den besten französischen Weinen größtes Aufsehen erregte, überschlagen." Er erklärt die Qualität mit den Naturgegebenheiten im Hochtal Bekaa, das mit 6000 Jahren als ältestes Weinanbaugebiet der Welt gilt. "Die Weinreben liegen zwischen 800 und 1400 Metern hoch", berichtet er. "Im Winter ist es kalt und es kann Schnee fallen, jedoch gemäßigt nivelliert durch die östlichen Wüstenwinde. Im Sommer dominiert das Klima aus östlich gelegenen Wüste. Es gibt eine natürliche Bewässerung, denn das Tal verfügt über einen großen See und gut speichernden Kalksandsteingrund. Zugleich gibt es ein mediterranes Klima durch den Küstenwind vom westlich gelegenen Mittelmeer. Im Höhenklima halten sich keine Insekten und kein Unkraut. So können die Winzer den Wein biologisch herstellen - unter optimalen klimatischen Bedingungen."

So entstehen besondere Weine, die bei einem Château Musar zum Beispiel die Trauben Merlot, Cabernet Sauvignon, Cinsault, Carignan und Syrah enthalten. Diese präsentiert Thilo Rick zweimal in der Woche im "Das Weinprinzip", der an der Ackerstraße 148 im Düsseldorfer Stadtteil Flingern liegt, die sich in den letzten Jahren zur Szenemeile für Designer und hochwertige Produkte entwickelt hat. "Der Schauraum ist gut einen Kilometer vom Hauptbahnhof entfernt", erzählt der promovierte Arzt, der hauptberuflich als Arbeitsmediziner in Neuss arbeitet. "Die Weinliebhaber können nach der Weinprobe zum Hauptbahnhof laufen und mit dem Zug nach Hause fahren."

Abrufen können Weinliebhaber die libanesischen, aber auch jordanischen, südafrikanischen oder andere besondere Weine, über einen Telefonanruf oder das Internet. Dort finden sie eine Liste mit den Weinen, in der Château und Jahrgang vermerkt sind, beispielsweise eine Flasche des seltenen Spitzenweins Corpus Christi der Karam Winery von 2012. "Preise erhalten die Interessenten auf Anfrage", sagt Erika Rick, die Frau von Thilo Rick, die das Sekretariat führt. "Auch bei so seltenen Weinen verändern sie sich ständig." Zum Beispiel versendet Ars Gustandi die 1,5-Liter-Flasche Château Musar von 198 zurzeit für 320 Euro. "Wir verkaufen aber auch Weine für 10 oder 20 Euro", erzählt Erika Rick. Sie und ihr Mann versenden rund 10 000 Flaschen Wein in Deutschland, rund die Hälfte davon aus dem Libanon.

Kontakt: Telefon 02842 42877 oder www.ars-gustandi.de

Quelle: RP
 
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