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Kamp-Lintfort
Erzieher unterstützen den Unterricht

Kamp-Lintfort. Grafschafter Diakonie und Ernst-Reuter-Schule setzen auf den rhythmisierten Ganztag. Lehrer und Erzieher sind an der Grundschule als Tandem unterwegs. Alle vier Jahrgänge sollen schon bald nach dem neuen Konzept betreut werden.

"R" wie "Rotkohl", "A" wie "Apfelsaft". Was die 22 Erstklässler aus der Ernst-Reuter-Schule an der Sudermannstraße in Kamp-Lintfort im Unterricht über die Anlaut-Buchstaben gelernt haben, setzen sie beim gemeinsamen Mittagessen gleich in die Praxis um. Lehrerin Daniela Herlyn-Kern ist nicht, wie im traditionellen "Offenen Ganztag" nur im Unterricht, sondern auch beim Mittagessen in der Mensa oder in den Freizeitphasen mit von der Partie.

Umgekehrt begleitet Erzieherin Julia Pardella von der Grafschafter Diakonie - Diakonisches Werk Kirchenkreis Moers die Schüler nicht nur beim Essen und in den Freizeitphasen, sondern auch im Pflichtunterricht und ist je nach Bedarf als erzieherische Fachkraft zusätzlich zur Lehrerin für die Schüler da. Lehrerin und Diakonie-Erzieherin sind als Tandem unterwegs. An der Grundschule im Kamp-Lintforter Gestfeld können die Schüler den "Rhythmisierten Ganztag" besuchen, ein Pilotprojekt, das die Grafschafter Diakonie gGmbH - Diakonisches Werk Kirchenkreis Moers zusammen mit der Zweigstelle der Ernst-Reuter-Schule gestaltet. Zum neuen Schuljahr ist jetzt der zweite Jahrgang in den rhythmisierten Lernalltag gestartet. "Ziel ist es, alle vier Jahrgänge nach dem neuen Konzept zu betreuen", sagt Doris Paß, die für die Diakonie das Ganztagsangebot am Standort Sudermannstraße koordiniert.

Bei dem Pilotkonzept ist die Trennung zwischen Unterrichtsphase am Vormittag und der Freizeit- oder Lernphase am Nachmittag aufgehoben. In der Betreuungszeit von acht bis 15 Uhr wechseln sich Rechen-, Schreib- und Leseunterricht, Freiarbeit, in der die Erstklässler das Gelernte zum Beispiel in selbst gestalteten Lernheften vertiefen, mit lern- und erlebnispädagogischen Angeboten wie der Wald-AG, der Kochgruppe, der Bewegungsbaustelle "Flinke Füße", der Kampfsport-AG sowie Erholungspausen ab. "Das schafft eine Balance zwischen Entspannung und Spannung, die besser zum Bio- und Lernrhythmus der Kinder passt", erklärt Doris Paß den dahinterstehenden Gedanken.

Die bisherigen Erfahrungen sind gut: "Im Unterricht habe ich jetzt weniger damit zu tun, beispielsweise für eine ruhige Lernatmosphäre zu sorgen oder mich um erzieherische Dinge zu kümmern", sagt Lehrerin Veronika Arts. Die Diakonie-Erzieherinnen berichten von spürbaren Fortschritten im sozialen Lernen. "Die Kinder achten mehr aufeinander", sagt Doris Paß. Durch die enge erzieherische Begleitung gelinge es zudem, soziale Kompetenzen zu fördern und "ganz nebenbei" Lebenspraktisches zu vermitteln. Zum Beispiel Mittagessen: Tischkultur pflegen, darauf achten, dass jeder genug bekommt, dass alle zusammen mit dem Essen beginnen und es gemeinsam beendet wird oder auch, dass es für die Gesundheit gut ist, Obst und Gemüse zu essen. "Unsere Kinder essen inzwischen alle Salat und die Butterbrotdosen von zuhause sind auch schon gesünder geworden" ist die Beobachtung der Erzieherin.

Elke Stüning, die das Projekt als Leiterin der Kamp-Lintforter Diakoniedienststelle begleitet, freut sich über mehr Chancengleichheit für die Schülerinnen und Schüler, die aus dem Ortsteil Gestfeld kommen. Dort müssen viele Elternteile ihre Kinder allein erziehen oder ihren Lebensunterhalt mit wenig Geld bestreiten. "Weil sie den ganzen Tag zusammen verbringen und in dieser Zeit das gleiche lernen und unternehmen können, spielt es keine Rolle, ob die Kinder aus einem engagierten Elternhaus kommen, in dem ihre Bildung gefördert wird, beziehungsweise ob die Eltern gut situiert sind oder finanziell nicht so gut gestellt."

Quelle: RP
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