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Kamp-Lintfort
Experiment: Gymnasiasten als Lehrer

Kamp-Lintfort: Experiment: Gymnasiasten als Lehrer
Die Zehntklässler Jan Schrage und Alexander Kuttla (von links) vom Georg-Forster-Gymnasium unterrichten Grundschüler im Chemielabor. Die Grundschüler hören konzentriert zu. FOTO: Klaus Dieker
Kamp-Lintfort. Neun Georg-Forster-Schüler erproben sich im Rahmen des regulären Betriebspraktikums, ob sie für den Lehrerberuf geeignet sind. Sie unterrichten in diesen Tagen insgesamt 300 Grundschüler in Sport und Naturwissenschaften. Von Anja Katzke

Fünf Grundschüler stehen neugierig vor dem Pult. Sie tragen weiße Kittel und Schutzbrillen - genau wie Jan Schrage, ihr Lehrer an diesem Tag. Mit seinen Schulkollegen hat der Schüler, der die zehnte Klasse des Georg-Forster-Gymnasiums besucht, für diese Stunde spannende Experimente vorbereitet. Es geht zum Beispiel um verschiedene Gerüche, denen die Kinder auf die Spur kommen sollen. "GuG" heißt das Projekt am Georg-Forster-Gymnasium in Kamp-Lintfort: Gymnasiasten unterrichten Grundschüler.

Das Projekt findet jährlich im Rahmen des regulären Betriebspraktikums statt. "Schüler, die sich vorstellen können, den Lehrerberuf zu ergreifen, erhalten die Möglichkeit zum Praxistest", erläutert Organisatorin Renate Seidel, die das Konzept vor einigen Jahren passgenau für das Kamp-Lintforter Gymnasium entwickelt hat.

"Die Idee basiert auf dem Projekt Teutolab der Universität Bielefeld, das bis vor zehn Jahren hier angeboten wurde", sagt Seidel. Als G8 eingeführt wurde, stellte sich jedoch bald heraus, dass immer weniger Gymnasiasten Zeit für das Projekt fanden. Das Projekt "GuG", das speziell auf das Georg-Forster-Gymnasium zugeschnitten ist, bietet Schülern die Möglichkeit, im Rahmen des zweiwöchigen Betriebspraktikums sich als Lehrer zu erproben. "Die Schüler sollen für sich herausfinden, ob sie eine Lehrerpersönlichkeit sind", erläutert Schulleiter Alexander Winzen.

Das Projekt ist so aufgebaut, dass die Zehntklässler zunächst eine Woche lang in den vierten Klassen der Kamp-Lintforter Grundschulen hospitieren. In der zweiten Praktikumswoche wechseln sie in die Rolle des Lehrers und unterrichten die jüngeren Schüler - und zwar in Naturwissenschaften und Sport. Die Kooperation mit den Grundschulen läuft sehr gut. In diesem Jahr nehmen 300 Viertklässler teil und profitieren von dem Angebot, erstmals das naturwissenschaftliche Experimentieren und kooperatives Spielen am Gymnasium kennenzulernen. "Die Kleinen sind mit Begeisterung dabei. Wenn sie als Fünftklässler an unsere Schule wechseln, dann zeigen sie sich zumeist mehr von GuG beeindruckt als vom Tag der offenen Tür", erzählt der Schulleiter. Er freut sich darüber, dass seine Schule in diesem Jahr Unterstützung erhalten hat: Die Sparda-Bank hat einen Obolus gegeben, so dass die Teilnahme für die Grundschüler kostenfrei ist. "Außerdem konnten wir einige Anschaffungen tätigen", berichtet Organisatorin Renate Seidel.

Jan Schrage und Julia Wald sind zwei der neun Zehntklässler, die an dem Projekt teilnehmen. Sie können es sich gut vorstellen, nach dem Abitur auf Lehramt zu studieren und anschließend den Lehrerberuf zu ergreifen. "Es ist interessant, den Grundschülern etwas fürs Leben beizubringen. Und Chemie ist für sie ja Neuland, das wird noch nicht an der Grundschule unterrichtet", weiß dem Schüler und bereitet mit seinem Schulkollegen gleich das nächste Experiment vor. Dazu bedarf es nur einer Apfelsine und eines brennenden Teelichts. "Passt mal auf, was passiert, wenn wir die Flüssigkeit der Frucht in die Flamme spritzen", erklären die Gymnasiasten. Derweil zeigt Julia Wald einer anderen Schülergruppe, wie mithilfe von Zitronensaft eine Zauberschrift entstehen kann. In einer weiteren Gruppe geht um den Schall. Dort produzieren die Kinder mit gefüllten Wassergläsern Musik und erfahren, warum das so ist. Nach dem Unterricht ist für die Zehntklässler der Tag noch nicht vorbei. "Dann reflektieren wir gemeinsam den Tag", betont Renate Seidel.

Im Februar erhalten alle Teilnehmer für ihren Einsatz als Lehrer ein Diplom.

Quelle: RP
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