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Kamp-Lintfort
Experimente rund um die Fußball-EM

Kamp-Lintfort. Die Physikanten zeigten bei der Kinderuni der Hochschule Rhein-Waal mit einer lustigen Experimentierschau, mit welchen physikalischen Tricks die deutsche Mannschaft bei Fußball-EM ganz vorne landen kann. Von Peter Gottschlich

In vier Wochen beginnt die Fußball-Europameisterschaft. Im Eröffnungsspiel treffen am 10. Juni im Stade de France, das nördlich von Paris in Saint-Denis liegt, die Teams von Gastgeber Frankreich und Rumänien aufeinander. Dann dreht sich vier Wochen lang alles um das runde Leder. Dabei gehört auch Deutschland zu den Favoriten, zumindest ins Halbfinale einzuziehen.

Die Physikanten zeigten am Mittwochabend in einer komödiantischen Experimentierschau, welche naturwissenschaftlichen Gesetze die Kicker um Bundestrainer "Jogi" Löw im Hinterkopf haben sollten, um das Finale zu erreichen. Die Truppe aus Witten lockte 100 Kinder ins Audimax der Hochschule in Kamp-Lintfort, die von 50 Müttern und Vätern begleitet wurden.

Um die Kugel unter der Latte einzulochen, haben Marco Reus oder Mario Götze das Flattern zu beachten. "Es kommt durch Luftwirbel zustande", erklärte Sacha Ott, der als Laborant mit weißem Kittel verkleidet war und von Rainer Grünebaum in einem fliederfarbigen Anzug assistiert wurde.

Mit einer Maschine bliesen sie Kringel in das Audimax, wie Zigarrenraucher, nur mit einem Durchmesser von mehr als einem Meter. Diese bewegten sich durch den Raum, während sie von einem Luftpolster unter sich abgefedert wurden, um leicht nach oben und leicht nach unten zu schwingen. Die jungen Zuschauer, von denen die meisten das dritte, vierte oder fünfte Schuljahr besuchen, jubelten und klatschten zum ersten Mal. Wie bei den anderen Experimenten stockten ihnen in dieser "Vorlesung" der Atem, was vielen im Gedächtnis bleiben dürfte.

Für die älteren Zuschauer hatten die beiden Physikanten Filmausschnitte von Fußballspielen mitgebracht, die in die Geschichte eingingen, obwohl sie nicht länger waren als ein Werbespot. Da schimpfte beispielsweise Uli Stein 1988 als Torhüter von Eintracht Frankfurt nach einer Niederlage gegen Bayern München, seine Mannschaft sei eine "Gurkentruppe". Rainer Grünebaum zeigte, wie glänzend Gurken sein können, indem er eine Gewürzgurke unter Spannung leuchten ließ. Bayern-Stürmer Jürgen Klinsmann trat 1997 ein Loch in eine Werbesäule, nachdem er im Spiel gegen den SC Freiburg vorzeitig von Trainer Giovanni Trapattoni vom Platz genommen worden war. Die beiden Physikanten stellten den Tritt an einem blauen 210-Liter-Ölfass nach. Sie füllten dieses Stahlgefäß, das sie nicht mit ihren Füßen demolieren konnten, mit Wasserdampf. Sie drehten es oben zu. Als sich der Dampf abgekühlt hatte, zog sich das Fass unter einem lauten Knall zusammen, weil sein Inneres fast einem Vakuum glich, das dem Luftdruck von außen nicht standhielt.

"Bitte nicht zuhause nachmachen", warnte Rainer Grünebaum die Kinder. Das sagte er auch bei fast allen weiteren Versuchen, etwa als sechs Kinder über ihre Arme einen Stromkreis schlossen, um die Membranen einer Lautsprecherbox schwingen zu lassen. Oder als die Physikanten mit einem Pfeil, der senkrecht auf einen großen Ballon fiel, die Reaktionszeit eines jungen Zuschauers testeten. "Ein Torhüter hat nur die Chance, einen Ball zu halten, wenn er sich vorzeitig für eine Ecke entscheidet", sagte Sascha Ott. "Die Reaktionszeit ist zu lang, um einen platzierten Ball zu erreichen."

Die nächsten beiden Male lädt die Kinderuni nach Kleve ins Audimax ein. Am 1. Juni, 17.15 Uhr, blickt Professor Dirk Reiser auf "Reisen, Nachhaltigkeit und Zukunft". Am 29. Juni, 17.15 Uhr, stellt Professor Alexander Struck die Physik vor: "Sehen, verstehen, erleben." Die Kinderuni ist kostenlos. Eine Anmeldung zu den Veranstaltungen ist nicht erforderlich. Weitere Infos unter www.hochschule-rhein-waal.de

Quelle: RP
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