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Kamp-Lintfort
Flüchtlingshelfer gründen neuen Verein

Kamp-Lintfort: Flüchtlingshelfer gründen neuen Verein
Im multimedialen Lernzentrum, das die Vereinsgründer Jennifer und Reiner Klotz im Haus der Vereine an der Vinnstraße eingerichtet haben, finden regelmäßig Deutschkurse statt. Sie werden von ehrenamtlichen Helfern geleitet. FOTO: Klaus Dieker
Kamp-Lintfort. Jennifer und Reiner Klotz haben vor zwei Jahren den Verein "Integration Flüchtlinge Kamp-Lintfort" ins Leben gerufen. Jetzt wollen sie die Hilfsangebote mit CEC-Connect noch breiter aufstellen. Der Verein ist Mitglied im Paritätischen. Von Anja Katzke

Als vor zwei Jahren die Zahl der ankommenden Flüchtlinge auch in Kamp-Lintfort anstieg, war für Jennifer und Reiner Klotz klar, dass sie helfen wollen. Was sich aus ihrem ersten Engagement bis heute entwickelt hat, hätten sich die Sozialpädagogin und der Fachinformatiker 2015 aber nicht träumen lassen: Sie gründeten den Verein Integration Flüchtlinge Kamp-Lintfort, richteten im Haus der Vereine (Diesterwegforum) ein multimediales Lernzentrum ein und boten Kurse an. Mitte 2016 bekam ihre Initiative für Geflüchtete einen weiteren Schub. Das Ehepaar Klotz gründete den Verein CEC-Connect.

"Mit unserem ersten Verein helfen wir Flüchtlingen zwar konkret. Wir haben aber festgestellt, dass wir uns breiter aufstellen müssen, um besser agieren zu können", erläutert Reiner Klotz den Hintergrund. Zwar kommen heute nicht mehr so viele Flüchtlinge in Deutschland an. "Wir müssen den Menschen, die hier leben, helfen, Perspektiven zu entwickeln." CEC steht für Communication, Education und Consulting.

"Es geht um die soziale und berufliche Hilfe und Beratung - wobei wir nicht auf eine einzelne Zielgruppe festgelegt sind", fügt Jennifer Klotz hinzu. Der Verein hat in den ersten Monaten seit Gründung unter anderem Ausflüge organisiert, die den Teilnehmern helfen sollten, die neue Heimat besser kennenzulernen. "Wir waren unter anderem zum Eislaufen in Grefrath, an Halloween im Moviepark.

Auch der Besuch eines Martinzugs stand auf dem Programm." Darüber hinaus biete der neue Verein diverse Beratungsangebote. "Wir vermitteln Existenzgründern Kontakte zu Unternehmensberatern und weiteren Experten", erläutert Jennifer Klotz. Sie kennt einige Menschen mit Migrationshintergrund, die beispielsweise gerne eigene Unternehmen gründen wollen. In diesem Fall gibt es auch das Angebot, Businesspläne zu erstellen.

"Manchmal müssen wir den Leuten auch den Zahn ziehen, dass die Idee nicht so umzusetzen ist. Hier gilt es zu sensibilisieren und zu beraten." Für Donnerstag, 7. Dezember, 10 Uhr, ist ein erstes Gründerfrühstück in den Räumen des Vereins im Diesterwegforum an der Vinnstraße geplant.

Jennifer und Reiner Klotz sind mit ihrem Verein CEC-Connect inzwischen Mitglied im Paritätischen Wohlfahrtsverband. "Unser Ziel ist es, auch anerkannter Träger in der Jugendhilfe zu werden", berichtet die Sozialpädagogin. Auch räumlich hat man sich im Haus der Vereine vergrößert. "Neben unserem Lernzentrum haben wir noch zwei weitere Räume angemietet, die wir als Büro und Beratungsraum nutzen wollen", sagt Jennifer Klotz. Die Vereinsgründer werden nicht müde, zur Finanzierung ihrer Ideen und Vorhaben in Kreis, Land und Bund immer neue Fördertöpfe aufzutun.

"Als Verein finanzieren wir uns aus Spenden und solchen Projektmitteln. Anders könnten wir die Arbeit nicht leisten." Nebenher geht das Engagement im multimedialen Lernzentrum weiter. Aktuell laufen dort Alphabetisierungskurse, die geflüchtete Menschen freiwillig besuchen können. "Bis sie einen Integrationskurs offiziell besuchen dürfen, können sie bei uns erste Kenntnisse erwerben. Mit solchen Angeboten versuchen wir, die Lücken bei den Integrationsbemühungen zu füllen."

Im Lernzentrum können Interessierte auch die Rechner nutzen - bei der Jobsuche oder für Bewerbungsschreiben. Das Zentrum ist täglich von 12 bis 18 Uhr geöffnet. Jennifer und Reiner Klotz sorgen sich jedoch, ob dies ab März weiter möglich ist, wenn die Förderung neu beantragt werden muss. "Wir finanzieren zwei Kräfte aus Mitteln der "Flüchtling Integrationsmaßnahmen, kurz FIM. Die Stadt muss dafür Antragsteller sein."

Darüber hinaus haben das Ehepaar Klotz und ihre Mitstreiter zwei Projekte angestoßen und erfolgreich umgesetzt. Zusammen mit der Europaschule fand ein Religionsrundgang mit den Schülern zu Moscheen und Synagogen statt. "Wir haben uns damit beschäftigt, was uns in allen Religionen eint." Daraus entstand auch eine Mädchengruppe, die sich regelmäßig zum Basteln und Backen trifft. "Außerdem haben wir das Projekt 'Antirassismus in Vereinen' angestoßen", erzählt Reiner Klotz.

Ein neues Projekt ist bereits ins Visier genommen: Seit einiger Zeit steht im Haus der Vereine die alte Hausmeister-Wohnung leer: "Wir würden dort gerne ein Stadtteil-Café einrichten, um Sozialberatung und Projekte für Jugendliche anzubieten." Seitens der Stadt gibt es laut Klotz positive Signale. "Allerdings müssen wir die komplette Sanierung finanzieren."

Quelle: RP
 
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