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Kamp-Lintfort
Frauen lernen, sich selbst zu verteidigen

Kamp-Lintfort: Frauen lernen, sich selbst zu verteidigen
Hans Simon erklärt zwei Teilnehmerinnen, wie sie die Hebeltechniken richtig einsetzen. FOTO: Stoffel
Kamp-Lintfort. In einem Workshop in Kamp-Lintfort erlernen Frauen einfache Techniken der Selbstverteidigung, um sich im Notfall zu wehren. Trainer Hans Simon setzt auf wirkungsvolle Hebeltechniken gegen den Angreifer. Von Sabine Hannemann

Knapp 20 Teilnehmerinnen haben am Wochenende das neue dreistündige Angebot genutzt, von Trainer Hans Simon in einem Selbstverteidigungskurs ausschließlich für Frauen verschiedene Hebeltechniken kennenzulernen. Blitzschnell, ohne großen Kraftaufwand und mit wenigen Handgriffen wissen sie zum Ende der Veranstaltung, potenzielle Angreifer schachmatt zu setzen. "Ein gutes Gefühl", werden sie nach den Übungen sagen.

Melanie Roth, Übungsleiterin beim Lintforter Turnverein (LTV), hat damit den Nerv der Zeit getroffen. "Das Thema ist sehr aktuell. Das merke ich auch in meinen Tanzkursen, dass sich Frauen über die eigene Sicherheit Sorgen machen", erzählt die 43-Jährige, die mit Hilfe ihrer Tanzkursteilnehmerin Swetlana den kurzen Weg gefunden hatte. Swetlana ist die Frau von Hans Simon, der sowohl erfahrener Karate-Trainer als auch Vizepräsident von World Combat Association ist.

Nicht nur die Kölner Ereignisse am Silvesterabend haben für die Trainingseinheit eine Rolle gespielt. "Aber auch. Ich wollte einfach nicht mehr hilflos sein, nicht Opfer sein, sondern mich wappnen, wenn ich angegriffen werden sollte", sagt Manuela (49). Der Gedanke, sich wehren zu können, sorge bei ihr für ein stärkeres Selbstwert- und Sicherheitsgefühl. Für Trainingspartnerin Bettina (47) ist der Selbstverteidigungskurs ebenfalls ein Gewinn. "Ich kann die Techniken auch beruflich nutzen", sagt sie. Für Teilnehmerin Andrea (47) ist der präventive Gedanken wichtig. Sie will mit Tochter Angelina (13) Techniken kennenlernen, die im Notfall helfen, einen Angreifer zu überraschen und in die Flucht zu schlagen. Positiv, so die 47-Jährige, sei das ortsnahe Angebot im LTV-Gebäude.

Der Workshop dient dazu, Handgriffe mit geringem Kraftaufwand zu trainieren. Gezielt angewandt, überraschen sie den Angreifer und bereiten Schmerzen. Neben einer Abfolge von Griffen im Bereich des Handgelenks, gehören der blitzschnelle Druck auf Muskelpartien, den Daumen, den kleinen Finger oder aber das Aufbringen der Hand auf die Nasenfläche ins Repertoire. So lässt sich im Notfall Zeit gewinnen, um sich in Sicherheit zu bringen, die Polizei zu alarmieren.

Hans Simon: "Der Angreifer hat mit solch einer überraschenden Abwehr nicht gerechnet. Die Handgriffe müssen jedoch immer wieder trainiert werden und abrufbar sein." Knackpunkt bleibt, dass Frauen eine hohe Hemmschwelle haben und oftmals die Gefährlichkeit anders einschätzen oder nach einer körperlichen Attacke keine Polizei zur Hilfe rufen. "Sobald jemand Fremdes in meine Sicherheitszone von etwa zwei Metern eintritt, sollte ich alarmiert sein. Mein Körper signalisiert mir die Gefahr", so sein Tipp. Gleichzeitig warnt er, appelliert an die Verhältnismäßigkeit, erläutert Konsequenzen. "Es kommt immer auf die Situation an. Sich zur Wehr zu setzen, ohne den anderen ernsthaft zu verletzen, ist das Ziel", so sein Rat.

Ganz verschiedene Ebenen spricht das Training an, die Trainer Hans Simon und sein Assistent Tom Markwardt der Gruppe zeigen. Einerseits das Training von maximal vier Handgriffen, andererseits die psychologische Sensibilisierung und Aktivierung der bewussten Körperhaltung und -sprache. "Wenn ich mit gebeugter Haltung über den Parkplatz laufe, signalisiere ich dem Angreifer, ein leichtes Opfer zu sein", sagt Kommissaranwärter Tom, der bei Hans Simon in der Vluyner Schule trainiert. Praktische Tipps nehmen die Teilnehmerinnen mit. Nicht die lauten Hilferufe sorgen für Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit, sondern "Feuer!" Simon: "Das schafft Aufmerksamkeit."

Quelle: RP
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