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Kamp-Lintfort
Funktechnologie aus Kamp-Lintfort

Kamp-Lintfort: Funktechnologie aus Kamp-Lintfort
25 Jahre IMST, v.l.: Prof. Dr. Ingo Wolff, René Schneider, Dr. Martin Paplewski, Prof. Dr. Peter Waldow, zeigen eine Antenne für Navigationsanwendungen und Breitbanddatenübertragung. FOTO: Dieker
Kamp-Lintfort. Die Firma IMST ist an einem von der Euregio geförderten Projekt zur Entwicklung von RFID-Produkten beteiligt. Von Anja Katzke

Vor 25 Jahren wurde das Institut für Mobil- und Satellitenfunktechnik (IMST) in Kamp-Lintfort gegründet. "Noch unter der Mithilfe von Ministerpräsident Johannes Rau", erinnerte Geschäftsführer Professor Ingo Wolff, gestern beim Besuch des Landtagsabgeordneten René Schneider (SPD) an der Carl-Friedrich-Gauß-Straße. Heute, 25 Jahre später, ist IMST ein europaweit wohlbekanntes Unternehmen und Systemhaus, das sich mit Forschung und Entwicklung rund um die Funktechnologien befasst. Aktuell verfolgt IMST ein großes Ziel: Es will "das" Kompetenzzentrum in Europa für die Satellitenfunktechnik werden. Hintergrund sei unter anderem "ein Hype", so Wolff, in den USA um diese eigentlich alte Technik. "In den USA versucht man, mit Hilfe von Satelliten ein globales Internet aufzubauen, das bis zum Nordpol und in die Wüste Afrikas reicht. Der Druck auf die Entwickler ist groß", berichtete der IMST-Mitgründer. Diese Entwicklung habe die Europäer kalt erwischt.

Vorangetrieben werde sie von der Firma "Oneweb". Es will die Satelliten in einen niedrigen Erdorbit befördern. "Das wird jedoch nur dann realistisch, wenn die Satelliten billiger werden", erläuterte Ingo Wolff den Besuchern. Er sieht hier für das IMST, das sich seit Jahren mit dieser Technologie befasst, Potenzial als europäisches Kompetenzzentrum. Noch ist dies aber Zukunftsmusik. "Es handelt sich um ein Invest, das das IMST nicht alleine tragen kann." Wolff geht von einer Größenordnung von 20 Millionen Euro aus. "Dafür brauchen wir Partner." In einem weiteren großangelegten und grenzüberschreitenden Projekt hat das IMST bereits Partner gefunden: Die Euregio fördert die Entwicklung von neuen RFID-Produktion mit 3,9 Millionen Euro. Neben dem IMST sitzen noch eine weitere Kamp-Lintforter Firma, die Intelli Labs Deutschland, zwei niederländische Partner sowie die Universität Twente in Enschede mit im Boot.

RFID steht für Radio Frequency Identification. Die Technologie findet heute schon vielfachen Einsatz, zum Beispiel in Bibliotheken bei der Ausleihe und Rückgabe von Büchern. Auch bei industriellen Anwendungen nehme der Bedarf zu, die Technologie auch in Umgebungen mit sehr hohen und sehr tiefen Temperaturen einsetzen zu können.

Ziel des im Rahmen des Interreg-Programmes von der Europäischen Union geförderten Vorhabens sei es, einen RFID-Tag für solch extreme Bedingungen zu entwickeln, um damit neue Applikationen zu erschließen. Das berichteten gestern Siegfried Schulze, Projektleiter beim IMST, und Martin Paplewski von Intelli Labs mit Sitz in Kamp-Lintfort. Beide befassen sich schon seit längerem mit dieser Idee. "2015 haben wir sie wieder aufgegriffen und erste Projektskizzen entwickelt. Wir stehen aber noch am Anfang."

In dem Projekt wollen sie die Temperaturbeständigkeit des TAGs auf einen Bereich von -196 Grad bis + 450 Grad erweitern, ohne dabei Schaden zu nehmen. Es gelte durch geschickte Materialauswahl von Substrat, Antenne und Chipkontakten die physikalischen Parameter wie zum Beispiel den Koeffizienten der Wärmeausdehnung miteinander abzugleichen und anschließend die komplette Struktur in einem keramischen Werkstoff zu verkapseln. Schulze und Paplewski gehen davon aus, 2019 erste Prototypen vorzulegen. 2020 soll das grenzüberschreitende, auf drei Jahre ausgelegte Projekt abgeschlossen werden.

Quelle: RP
 
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