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Kamp-Lintfort
Gäste können jetzt im Schäferwagen übernachten

Kamp-Lintfort. Heinz Ermen hat ein Mobilheim gebaut, in dem man unter Apfelbäumen schlafen kann. Und er baut schon einen zweiten Wagen. Von Peter Gottschlich

Das einzige, das am Schäferwagen nicht von Heinz Ermen stammt, ist die Idee. "Elmar Welling hat mich darauf gebracht", erzählt der 66-jährige Altfelder. "Bei einem städtischen Treffen aller, die Zimmer zum Übernachten haben, hat er gesagt, ich könne doch etwas Rustikales anbieten, Schlafen im Heu oder Schlafen im Schäferwagen. Da war die Idee geboren. Schließlich bietet in Kamp-Lintfort noch niemand an, in der Natur in einem hölzernen Schäferwagen zu übernachten."

Jetzt können Naturverbundene in einem Schäferwagen schlafen, während sie den Duft einatmen, der unter Apfelbäumen weht. Denn das hölzerne Mobilheim - 4,80 Meter lang und 2,60 Meter breit - ist fertig und die Aufstellung genehmigt. Im Herbst hatte Heinz Ermen begonnen, es zu bauen. "Ich habe mich vorher mit Udo Reißloh getroffen, der Schäfer im Orsoyer Rheinbogen ist", erzählt der Landwirt, der vor zwei Jahrzehnten Schritt für Schritt seinen Hof in Altfeld aufgab, um dort ein Gästehaus aufzubauen. "Er hat mir viele Tipps gegeben. Außerdem habe ich mir seinen Wagen angesehen."

Beim Bauen griff er oft auf historische Materialien zurück. "Die Achse stammt von einer alten Dreschmaschine", erzählt er. "Die Außenverkleidung ist der hölzerne Fußboden, der früher in der Barbarakirche lag. 1974 standen meine Frau Waltraud und ich auf diesem Boden, um zu heiraten, da die Kamper Abteikirche wegen Renovierung geschlossen war. Das Fichtenholz ist rau und lebendig."

Für die Innenverkleidung verwendete er neues Holz, das unbehandelt ist. "Es ist Natur pur", sagt Marina Hanke, die vor einem Jahr das Gästehaus Ermen von ihren Eltern übernahm. Bei zwei Dingen stimmt das nicht. Hinter einer kleinen Abtrennung steht eine Chemietoilette. Außerdem hat der Schäferwagen Steckdosen. "Im Internetzeitalter können viele erst schlafen, wenn sie ihr iPhone ans Ladegerät angeschlossen haben", sagt Marina Hanke. "Außerdem steckt mit Steckdosen niemand im Wagen Kerzen an. Das ist gefährlich, weil er aus Holz ist." Von April bis Oktober können Gäste den Schäferwagen buchen, der genauso teuer ist wie ein normales Doppelzimmer im Gästehaus Ermen. "Er hat keine Heizung", sagt die 30-jährige Altfelderin. "Im Winter ist es im Wagen zu kalt. Außerdem würde die Bettwäsche klamm werden."

Im nächsten Sommer erhält der Schäferwagen Zuwachs. Denn Heinz Ermen hat begonnen, einen zweiten zu zimmern. "Bei der Landesgartenschau 2020 wird jedes Zimmer in Kamp-Lintfort belegt sein", sagt er. "Natürlich auch die in den Schäferwagen."

Gästehaus Ermen, Altfelder Straße 248, Telefon 02842 42144, E-Mail gaestehaus-ermen@t-online.de

Quelle: RP
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