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Tierherberge in Kamp-Lintfort
Gechippt, nicht registriert und ausgesetzt

Tierherberge in Kamp-Lintfort: Gechippt, nicht registriert und ausgesetzt
Im 40 Quadratmeter großen Außengehege können die Katzen sich austoben. Das Blockhaus im Hintergrund, 25 Quadratmeter groß, steht ebenfalls zur freien Verfügung. Tierpflegerin Vivien Schmidt kümmert sich um die Vierbeiner. FOTO: Klaus Dieker
Kamp-Lintfort. Nach den Feiertagen nahm die Tierherberge nur zwei Fundtiere auf. Die Einrichtung warnt vor einer vorschnellen Anschaffung. Von Jana Marquardt

Das braune Minischwein, circa 40 Kilogramm schwer, männlich und unternehmungslustig, wurde schon einige Male an der Leucht gesehen, bevor es am 28. Dezember an der Weseler Straße/Ecke Waldweg eingefangen und in der Tierherberge am Drehmannshof in Kamp-Lintfort abgegeben werden konnte. Stubenrein ist es, Menschen mag es allerdings nicht so gerne. "Das ist nicht ungewöhnlich für Schweine", erklärte Beate Mühlenberg, die das Tierheim seit 2007 leitet. "Sie brauchen Gesellschaft von ihren Artgenossen, viel Zeit, um sich im Schlamm zu suhlen. Sie wollen draußen sein." Leider gäbe es mittlerweile den Trend, Schweine im Haus zu halten.

"Sobald die Minipig-Babys dann aber ausgewachsen sind, 40 bis 50 Kilogramm auf die Waage bringen und ungemütlich werden, weil sie in die Pubertät kommen und sich im Haus nicht wohlfühlen, sind die meisten Schweinebesitzer überfordert und neigen dazu, die Tiere auszusetzen", erklärt Nadine Förster, die stellvertretende Leiterin der Tierherberge. In den vergangenen Jahren hat das 15-köpfige Team aus Tierpflegern, Auszubildenden und Minijobbern häufiger die Erfahrung gemacht, dass Fundschweine nicht zurückvermittelt werden konnten.

Schwierig war dies auch bei Katzen ohne Chip. "Wer Katzen hält, sollte sie in jedem Fall kastrieren beziehungsweise sterilisieren und während dieser Operation auch chippen lassen", empfiehlt Mühlenberg. "Viele wissen auch gar nicht, dass die Tiere aufgrund ihres Paarungswillens weglaufen. Durch die Kastration wird das verhindert."

Förster nickt: "Ganz wichtig: Auch Kater im Alter von wenigen Monaten können Babys zeugen." Das zweite Fundtier, ein schneeweißer Kater, wurde zwar kastriert und gechippt, aber nicht registriert. Am Vormittag des 30. Dezembers wurde er in einer Transportbox auf dem Tierheimgelände gefunden.

Seitdem läuft die Suche nach dem Besitzer des circa sieben bis acht Jahre alten Vierbeiners mit den bernsteinfarbenen Augen und dem großrahmigen und massigen Körper. "Zeitweise ist er sehr verschmust", sagt Mühlenberg.

Zwei Wochen lang versuchen die Mitarbeiter des Tierheims, die Besitzer der Fundtiere ausfindig zu machen - die Fotos und Beschreibungen der Tiere werden auf der Facebookseite und der Homepage der Herberge veröffentlicht. Meldet sich in diesem Zeitraum niemand, können der Kater und das Minischwein weiter vermittelt werden. Schließlich soll die Tierherberge für jeden Vierbeiner nur eine Zwischenstation sein - bis ein neuer, geeigneter Besitzer das Tier bei sich aufnimmt. Nur vom 20. Dezember bis zum 2. Januar gibt es jedes Jahr einen Vermittlungsstopp. "Damit wollen wir verhindern, dass die Tiere als Geschenke unter dem Weihnachtsbaum landen", erklärt Förster.

"Das wollen wir auf keinen Fall unterstützen." Mühlenberg nickt: "Wir wollen die Vierbeiner nur an Menschen weitervermitteln, die wir kennengelernt haben." Bei einem persönlichen Gespräch wird ein Fragebogen abgearbeitet, der herausstellen soll, ob das gewünschte Tier für den Interessenten geeignet ist. Manchmal käme es vor, dass eine artgerechte Haltung nicht mit dem Lebensstil übereinstimme. "Dann überlegen wir gemeinsam: Ist es für den potenziellen Besitzer möglich, sich an das Tier anzupassen? Oder will er einen anderen Vierbeiner aufnehmen, der besser zu seinen Lebensumständen passt?", führt Förster aus. Außerdem weisen die Pfleger immer darauf hin, dass mit einem Tier auch viele Kosten anfallen. Das Finanzielle werde häufig unterschätzt.

Dass Vierbeiner an Weihnachten häufiger ausgesetzt werden, konnten die beiden Tierpflegerinnen bislang nicht feststellen. "Ich denke, das Aussetzen geschieht meistens erst ein halbes Jahr später, wenn die Haustiere groß werden. Es gibt aber keine Zeit im Jahr, auch nicht die Sommerferien, in denen wir überdurchschnittlich viele Fundtiere haben", sagt Förster.

Hinweise bitte an: 02842 9283213.

Quelle: RP
 
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