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Kamp-Lintfort
Geordneter Zufall inspiriert diese Kunstwerke

Kamp-Lintfort. Der Moerser Ivica Matijevic zeigt in der Kamp-Lintforter Galerie Schürmann seine spirituell-magischen Arbeiten. Von Peter Gottschlich

Ivica Matijevic trennt Licht und Finsternis, Wasser und Himmel, Land und Meer, wenn er seine Kunstwerke entstehen lässt. "Es ist ein Schöpfungsprozess", sagt der 48-jährige Moerser. "Ideen brauchen nur Anfänge." Dabei scheinen die Ideen ein Eigenleben zu entwickeln, wenn er das Chaos kreativ formt. Zum Teil überleben sie nur in der Struktur, die der Künstler zu Anfang mit abgesägten Buntstiften festhält. Manchmal bilden sie einzelne Punkte, manchmal Linien und manchmal Flächen, so wie bei den 30 Werken, die seit Freitag in der Kamp-Lintforter Galerie Schürmann zu sehen sind.

"Unsere Tochter Marin hat mich auf die Idee mit den Buntstiften gebracht", sagt Ivica Matijevic. "Das ist 16 oder 17 Jahre her. Heute ist sie 20." Der Absolvent der Akademie der Bildenden Künste in Sarajevo nahm diese Idee auf. Seitdem zersägt er Buntstifte in kurze Stücke. Dann bohrt er Löcher in Bretter, die die Basis seiner Kunstwerke sind. "Ich habe schon immer mit Holz gearbeitet", sagt der Künstler. "Es ist ein sehr warmes Material." Wenn die Buntstifte nicht rund sind, sondern drei- oder sechseckig, füllt er den Rest mit Kleber und Farbe auf.

Dann geht der Schöpfungsprozess weiter. "Geordneter Zufall bildet eine Grundlage seiner Arbeit", sagt Dr. Christine Vogt, die Direktorin der Galerie Ludwig im Schloss Oberhausen ist und die Rede bei der Vernissage am Freitagabend hielt. Er trägt immer wieder Farbschichten auf, um sie trocknen zu lassen, zu schleifen oder teilweise wieder zu entfernen. "Ich grabe, ich suche etwas in meinen Bildern", sagt der Künstler. "Bewusstes und Unbewusstes wird dadurch sichtbar."

Manchmal setzt er noch Schriftzeichen dazu. "In der spätmittelalterlichen Tafelmalerei war die Technik ähnlich, verschiedene Farbschichten aufzutragen", unterstreicht Christine Vogt. Der Künstler selbst sieht sich in dieser Tradition, auch wenn er abstrakt arbeitet. So sind viele Kunstwerke spirituell geprägt. Sie erzählen von Licht, Sternenhimmeln und Horizonten. Deshalb hat der Künstler schon mehrfach für Kirchen gearbeitet, zum Beispiel für die Marienkirche in Duisburg oder die Quirinuskirche in Neukirchen-Vluyn. Schließlich bewegen sich jene Werke, die er in den vergangenen drei Jahren geschaffen hat, an der Grenze von Bild, Relief und Plastik, wie spätmittelalterliche Altäre. Außerdem erzeugen sie Atmosphäre, zum Beispiel das runde Relief "Hoffnung", das verheißungsvoll grün schimmert, gleichzeitig aber viele verschiedene Farbtupfer vereinigt. "Die Bilder geben viel Raum für Assoziation", sagt Galerist Andreas Verfürth.

Die Galerie Schürmann, Moerser Straße 252 (Fußgängerbereich am Busbahnhof), ist mittwochs bis freitags von 9.30 bis 13 Uhr und von 15 bis 18.30 Uhr, sowie samstags von 10 bis 14 Uhr geöffnet.

Quelle: RP
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