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Kamp-Lintfort
Gericht: Mann missbraucht seine Stieftochter

Kamp-Lintfort. Wegen Missbrauchs seiner Stieftochter sollte sich gestern ein Mann aus Kamp-Lintfort verantworten. Weil er ein Geständnis im Sinne der Anklage angekündigt hatte, hatte das Gericht die Schülerin nicht geladen. Nach zweistündiger Verhandlung stellte sich aber heraus, dass das Mädchen doch gehört werden muss.

Der 44-Jährige hatte keinesfalls uneingeschränkt seine Schuld eingeräumt, sondern machte das Mädchen, das zu Beginn der Taten erst elf Jahre alt war, mitverantwortlich. Das sorgte für Unmut auf der Richterbank. Aufgrund von Terminproblemen kann die Verhandlung frühestens im Sommer stattfinden. Das ist besonders für das Opfer belastend. Dem Kamp-Lintforter werden 13 Fälle des sexuellen und des schweren sexuellen Missbrauchs vorgeworfen.

Dass es diese Taten gab, räumte er ein. Anlass sei aber gewesen, dass sich die damals Elfjährige ihm in sexueller Absicht genähert habe, sagte der Mann. Dann sei es immer wieder zu ähnlichen Handlungen gekommen, meist wenn seine Ehefrau bei der Arbeit oder bei einer Freundin war. Erst nach mehreren Jahren, im Januar 2015, waren die Übergriffe in der Familie bekannt geworden. Danach erstattete der Kamp-Lintforter Selbstanzeige. Er habe nicht darüber nachgedacht, dass er dem Kind schaden könnte, sagte er. Als Grund nannte er eine eheliche Krise, außerdem habe er sich zu dem Mädchen hingezogen gefühlt. "Ich wollte das auch verhindern, aber irgendwie ging das nicht", sagte er.

Eine Abwehrhaltung des Mädchens will er nicht bemerkt haben. Zu den Übergriffen sei es zum Teil, aber nicht immer, unter Alkoholeinfluss gekommen. Möglicherweise droht dem 44-Jährigen die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt oder der Psychiatrie. Dazu muss ein Gutachter sich äußern.

(BL)
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