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Kamp-Lintfort
Gesichter erzählen von Gewalt und Frieden

Kamp-Lintfort. Anja Weinberg stellt in der Kamp-Lintforter Galerie Schürmann unter dem Titel "Peace" Skulpturen und Bilder aus. Von Peter Gottschlich

Anja Weinberg blickt unter die Oberfläche. Sie fragt, was unter der Haut steckt. Denn sie ist dem Bewusstsein auf der Spur, das den Menschen ausmacht. Dieses verortet sie vor allem im Dreieck, das Augen, Nase und Mund bilden. "Gesichter sind mir besonders wichtig", sagt die Künstlerin aus Wesel. Deshalb stehen bei ihren Skulpturen und Bildern Menschen mit ihren Köpfen im Mittelpunkt. 50 davon sind ab heute in der Galerie Schürmann an der Moerser Straße zu sehen. "Peace" - Frieden - heißt die Ausstellung, die um 19 Uhr eröffnet wird.

Den Ausstellungsnamen hat die 46-jährige Autodidaktin, die seit fast zwei Jahrzehnten künstlerisch arbeitet, gewählt, weil sie in vielen ihrer Skulpturen Angst, Gewalt und Frieden thematisiert. Ein Beispiel dafür bildet eine Doppelskulptur: Ein junger Mann mit weißer Weste zeigt mit dem Zeigefinger seiner rechten schwarzen Hand auf einen anderen jungen Mann, der mit einem schwarzen Baseballschläger ausholt. Beide verbindet die Angst, die in ihren Gesichtern geschrieben steht.

"Niemand wird als Täter auf die Welt geschmissen", sagt die Künstlerin. "Man wird in einem Kreislauf zum Täter. Man kann ihn durchbrechen, sonst wiederholt er sich." Sich mit Skulpturen und Bildern auseinander zu setzen, in ihnen die menschlichen Unzulänglichen zu erkennen und zu akzeptieren, ist für sie ein Weg, diesen Kreislauf zu durchbrechen. "Das Brüchige und Fragile macht den Menschen aus", sagt sie.

Deshalb sind die Skulpturen von Anja Weinberg, die sie in ihrer Werkstatt am Südring in Wesel aus Baumstämmen sägt und haut, nicht glatt, sondern wirken roh. Sie sind für sie "Leinwände", die sie bemalt, ebenso wie sie Leinwände in ihrem Atelier in der Weseler Zitadelle mit Acrylfarbe bemalt. "Es ist Malerei auf Skulpturen", sagt Anja Weinberg, die unter anderem 2011 den dritten Platz beim Kubo-Kunstpreis in Herne holte.

Auch die Skulptur eines jungen Mädchens, das auf einer blauen Kugel steht und eine Taube in der Hand hält, ist nicht glatt. "Sehnen wir uns nicht alle nach Frieden?", fragt die Künstlerin, die diese Skulptur aus einem Mammutbaum geschnitten hat. Betrachter können diese rhetorische Frage nur mit ja beantworten.

Die Galerie Schürmann liegt an der Moerser Straße 252 im Bereich der Fußgängerzone. Sie ist mittwochs, donnerstags und freitags von 9.30 bis 13 Uhr und 15 bis 18.30 Uhr geöffnet, samstags von 10 bis 14 Uhr. Die Ausstellung Peace wird heute um 19 Uhr eröffnet, sie endet am 15. Oktober.

Quelle: RP
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