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Kamp-Lintfort
Gewölbekeller: Malerin arbeitet vor Publikum

Kamp-Lintfort: Gewölbekeller: Malerin arbeitet vor Publikum
Ulrike Int-Veen, die derzeit ihre Arbeiten im Gewölbekeller des Klosters Kamp ausstellt, hat gestern vor Ort gearbeitet. FOTO: Klaus Dieker
Kamp-Lintfort. Die Malerin Ulrike Int-Veen hat gestern den Gewölbekeller des Klosters Kamp zum Atelier gemacht und inmitten ihrer Ausstellung gearbeitet. Von Anja Katzke

Eine mit Farben gesprenkelte Plane bedeckt den Boden im Gewölbekeller. Eine Staffelei ist mitten im Ausstellungsraum aufgestellt. Auf dem Tisch sind zahllose Töpfchen mit Pigmentfarben nebeneinander aufgereiht, Pinsel, Bindemittel und Schalen zum Anrühren stehen parat. Das Zentrum Kloster Kamp hat Ulrike Int-Veen eingeladen, inmitten ihrer aktuellen Ausstellung "Die unerkannte Frucht" künstlerisch aktiv zu werden. Int-Veen nahm die Möglichkeit gerne wahr und zog für einen Tag aus ihrem Atelier im Dinslakener Kreativquartier aus und richtete sich im Gewölbekeller ein. "Ich mag die Atmosphäre in diesem Raum. Es ist ein ganz besonderer Ort. Ich finde es spannend, über das Leben nachzudenken, das vor uns hier war."

Es ist nicht das erste Mal, dass die Künstlerin das eigene Atelier gegen einen anderen Ort tauscht, um dort kreativ und künstlerisch aktiv zu werden. "Ich habe auf dem Bergwerk West untertage gemalt", berichtet Int-Veen, deren Ausstellung im Gewölbekeller Ende Juni eröffnet wurde. "Ich bin damals mehrfach eingefahren. Dafür musste ich schon meinen ganzen Mut aufbringen", erzählt sie. Dass sie ihre Staffelei nun im Gewölbekeller aufgestellt hat, war so eigentlich nicht geplant. Ursprünglich wollte sie unter den Ahornbäumen im Kräutergarten des Klosters ein neues Bild kreieren. "Ich hatte mich schon so darauf gefreut, bei Sonnenschein hier unter den Bäumen zu sitzen." Das regnerische Wetter machte jedoch einen Strich durch die Rechnung.

Schon mehr als 1000 Kunstinteressierte haben seit Eröffnung Ende Juni die Ausstellung "Eine unerkannte Frucht" bereits besucht. Eine Frucht hat sie in der Tat zu einer Serie von großformatigen Bildern inspiriert: der Granatapfel mit seinen Kernen. Natürlich sei der Prozess vor Publikum zu malen, ein völlig anderer als im Atelier: "Dort nehme ich eine ganz andere innere Haltung ein", erklärt die Künstlerin, während sie in einem der Schälchen mit Pigmenten rote Farbe anrührt. Im Dinslakener Kreativquartier, das sich auf dem Gelände der ehemaligen Zeche Lohberg befindet, habe sie bereits öffentlich gearbeitet. Das sei eine wertvolle Erfahrung, sagt sie. Ulrike Int-Veen mischt ihre Farben selbst an. "Pigmente sind viel besser als fertig hergestellte Acrylfarbe. Meine Farben haben eine stärkere Leuchtkraft. Die Brillanz der Farbe ist einmalig." Die Künstlerin arbeitet aber nicht nur mit Farben, sondern mit unterschiedlichen Materialien. Zwei Leinwände hat sie bereits vorbereitet - mit Schellack. Sie nutzt aber auch gerne Sand, Kreide, Kohlenstaub, Teer, und Marmorstaub. Das gibt Struktur.

Bevor Ulrike Int-Veen die ersten leichten, fast transparenten Linien auf die Leinwand zieht, blickt sie mit einigem Abstand auf das zukünftige Bild. "Ich brauche den Überblick. Das ist wichtig für die Komposition, die Verteilung der Farben und die Tiefe im Bild", erklärt sie den Besuchern. Die Ersten steigen schon am Vormittag in den Gewölbekeller hinab. Als erstes greift die Künstlerin zur Tusche. So entsteht ein Hell-Dunkel-Kontrast. Wenn sie ein Bild beginnt, hat sie kein inneres Bild vor Augen, kein Gerüst und keinen fertigen Plan. "Ich beziehe mich auf das, was bereits vorhanden ist, und überlege, worauf ich mich einlassen kann." Manchmal ist es der Zufall, der sie weiter bringt: Farbe zum Beispiel, die auf dem bereits angebrachten Schellack anders verläuft als sonst. "Je fortgeschrittener ein Bild ist, umso behutsamer muss man damit umgehen. Man befindet sich in einem steten Dialog", erklärt Ulrike Int-Veen. 2009 hat sie ihr Studio für Malerei "Magenta" eröffnet. Dort gibt sie Workshops und Kurse für Interessierte.

Quelle: RP
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