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Kamp-Lintfort
Göttliche Inszenierung und himmlisches Vergnügen

Kamp-Lintfort: Göttliche Inszenierung und himmlisches Vergnügen
Turbulent ging es bei "Jesus liebt mich" in der Kamp-Lintforter Stadthalle zu. FOTO: kdi
Kamp-Lintfort. Das Westfälische Landestheater Castrop-Rauxel gastierte mit "Jesus liebt mich" in Kamp-Lintfort.

Turbulent sollte es mit "Jesus liebt mich" in der Kamp-Lintforter Stadthalle zugehen. Der Stoff stammt aus der Feder von David Safier ("Mieses Karma"). Aus der Buchvorlage "Jesus liebt mich" machte Urs Alexander Schleiff ein Theaterstück, mit dem das Westfälische Landestheater Castrop-Rauxel seit Dezember tourt.

Auf nette Weise und mit grotesk-absurden Szenen wird das Christentum auf die Schippe genommen. Dabei erweisen sich Bibelkenntnisse, zumindest über den Inhalt der Bergpredigt, als Vorteil. Ob Gott nun gütig oder allmächtig ist, oder einfach nur zu beschäftigt mit den Welten ist, diese Antwort muss das Publikum für sich finden. Die achtköpfige Truppe des Westfälischen Landestheaters schlüpft dabei in 20 verschiedene Rollen. Emil Schwarz als singender Satan spielt zugleich auch den enttäuschte Bräutigam Sven. Xenia Wolfgramm spielt die Biene. Mike Kühne ist beispielsweise als Engel Gabriel, Michael, als Obdachloser, Kumpel wie als Apokalyptischer Reiter zu erleben. Dabei geht es um allzu Menschliches, wie die Liebe, an deren Redlichkeit die quirlige wie schnippisch-freche Marie (Samira Hempel) genau vor dem Traualtar zweifelt. Sven (Emil Schwarz) bekommt einen Korb. Maries Vater (Burghard Braun) ist zwar entsetzt, aber mit ganz anderen Dingen beschäftigt, nämlich mit der 25-jährigen Svetlana (Franziska Ferrari) aus Weißrussland.

Ihr Stoßgebet gen Himmel "Gib mir ein Zeichen" erfüllt sich umgehend. Peng, Zimmermann Joshua (Maximilian von Ulardt) aus Palästina erscheint, um das defekte Dach zu reparieren. Marie verliebt sich spontan und kann nur noch "Habba-babba-habba" stammeln. Samira Hempel glänzt als Marie, die eine Weile braucht, bis sie merkt, wer der Zimmermann ist, wenngleich seine Wundmale an Händen und Füßen offensichtlich sind.

Joshua hat allerdings nach über 2000 Jahren Probleme, Pizza, den Salsa-Tanz oder aber Dessous als neuzeitliche Errungenschaften zu akzeptieren. Er staunt nicht schlecht über sogenannte Familien im Brennpunkt, wie er sie bei Marie findet. Es wird noch verzwickter, denn Maries Mutter (Vesna Buljevic) liebt den ehemaligen Erzengel Gabriel, der als Pastor sein irdisches Leben fristet. Am Ende wird alles gut. Der Satan ist sauer, das jüngste Gericht wird abgeblasen, der freie Wille siegt. Applaus.

Quelle: RP
 
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