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Ostern 2015 Grafschafter Gartenträume
Gottes Garten: Paradies, Zuflucht, Dienst

Ostern 2015 Grafschafter Gartenträume: Gottes Garten: Paradies, Zuflucht, Dienst
Peter Hahnen im Garten vor dem Zentrum Kloster Kamp. Hier, wo auch der Kräutergarten der Anlage untergebracht ist, sieht er eher religiöse Bezüge als im bekannten Terrassengarten, der im 18. Jahrhundert entstand, als das Kloster schon recht verweltlicht war. FOTO: Klaus Dieker
Moers. Peter Hahnen, Leiter des Zentrums Kloster Kamp, ist an seinem Arbeitsplatz von Gärten umgeben. Er hat sich Gedanken gemacht über das religiöse Symbol des Gartens. Und er ist überrascht, wie viele Aspekte dieses Thema haben kann. Von Stefan Gilsbach

Kamp-Lintfort Nur ein paar Schritte braucht Dr. Peter Hahnen aus seinem Büro, dann steht er vor einem Feigenbaum. Vielstämmig wächst er hier aus der Erde, in jenem Teil der Kamper Anlagen, der "Bruder-Konrad-Garten" genannt wird, nach dem Karmelitermönch, der diesen Bereich gepflegt hat. Ein Feigenbaum - wer denkt da nicht an die biblische Geschichte von Adam und Eva? Doch der Garten als spirituelles Symbol birgt noch weitaus mehr Gehalt.

Je mehr man über das Thema Garten und Theologie nachdenke, meint Hahnen, desto mehr falle einem ein. Da sei natürlich der Garten des Paradieses. Hahnen zitiert den französischen Denker Blaise Pascal: "In einem Garten ging das Leben verloren, in einem Garten wurde es wiedergewonnen." Gemeint ist der Brückenschlag vom Garten des Paradieses zum Garten Gethsemane, wo Jesus sich freiwillig dem Leiden unterwarf. "Und auch am Ende der Zeiten, in der Offenbarung, steht das Bild eines Gartens, durchströmt von Lebenswasser."

Überhaupt Jesus: Hat er sich nicht in seiner ersten Erscheinung als Auferstandener in Gestalt eines Gärtners gezeigt? Maria Magdalena, die zum Grab gegangen war, hatte ihn so nicht gleich erkannt. "Hast du meinen Heiland hinweggeschafft", fragt sie den Unbekannten in Johannes 20,15. "Rembrandt hat das ganz anschaulich gemalt, er zeigt Christus in Gärtnerkluft mit einem Spaten", sagt Hahnen. Und er spinnt den Gedanken weiter: "Wie oft haben wir vielleicht mit Jesus in unserem Leben zu tun, ohne ihn zu erkennen?"

Der Leiter des Zentrums Kloster Kamp räumt ein, dass er kein theologischer Experte sei. Doch er ist an seinem Arbeitsplatz von Gärten umgeben: Hinter dem Haus liegt der berühmte Terrassengarten, der allerdings nicht nach religiösen Gestaltungsprinzipien, sondern nach dem barocken Geschmack angelegt wurde.

Näher dran am Thema Theologie scheint Hahnen da schon der Kamper Kräutergarten. Pflanzen heranzuziehen, darin könne ein Gleichnis gesehen werden für den Menschen als "Mitschöpfer Gottes". Da wundert es nicht, dass Jesu Gleichnisse voller Bilder aus dem Bereich der Pflanzen sind: der Weinstock, das Senfkorn, der verdorrte Feigenbaum und so fort. Es waren zugleich Dinge, mit denen seine Zuhörer in ihrer täglichen Arbeit zu tun hatten. Übrigens hatten auch die Zisterzienser auf Kamp einen Weinberg: Den brauchten sie für den Messwein. Ob es ein guter Tropfen war, ist nicht überliefert.

Doch nicht nur in der christlichen Religion ist der Garten ein starkes Bild. Ob im Islam, im Hinduismus oder im Buddhismus, der Garten ist stets ein Ort der Zuflucht, wo die Seele wieder ins Gleichgewicht kommt. Man denke an die berühmten muslimischen Gärten mit ihren sanft tröpfelnden Brunnen, für ein Volk der Wüste der Inbegriff der Erquickung.

Und da schließt sich der Kreis zu den Zisterziensern, die einst das Kloster Kamp gründeten. "Dieser Orden ging ja aus den Benediktinern hervor", berichtet Peter Hahnen. "Sie wollten jedoch wieder von eigener Hände Arbeit leben und zurück zu den Wurzeln des Grundsatzes ,ora et labora'." Denn die Benediktiner waren in ihren Augen zu weltlich, zu besitzend geworden.

Die Zisterzienser zog es in die noch ungezähmte Natur, in einsame Flusstäler beispielsweise, wo sie in der Einsamkeit ihrer Klostergärten und -anlagen Gott näherkommen wollten. "Das war ihr Leitbild: Rückzug aus der Welt."

Das ist heute, wenn die Besucher nach Kamp strömen, sicher nicht so leicht wie vor einigen hundert Jahren. Doch stille Winkel, in denen man der "Rekreation" der Seele Raum geben kann, finden sich dort immer noch.

Quelle: RP
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