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Kamp-Lintfort
Handwerk macht Schülern Lust auf Lehre

Kamp-Lintfort: Handwerk macht Schülern Lust auf Lehre
Auf dem Schulhof hatte das Malerhandwerk einen Stand aufgebaut. Hier informieren Sascha Zielke (Firma Brillux, rechts) und Nick Schimmelpfennig (Azubi bei der Firma Schulmeyer (blaues T-Shirt) die Schüler (v.l.) Tom Angenendt, Lars Dreßler und Marie Blittersdorf. Hinten: Johannes Gerhards, Obermeister der Bäcker-Innung, einer der Organisatoren des Meistertags. FOTO: Marcus Koopmann
Kamp-Lintfort. "Meistertag" an der Unesco-Gesamtschule: Vertreter von Betrieben aus Kamp-Lintfort und Umgebung, sowie Berater der Handwerkskammer und der Arbeitsagentur informierten Zehntklässler über die Vorteile der Berufsausbildung. Von Josef Pogorzalek

Im Raum C 261 der Unesco-Schule kann man regelrecht hören, wie bei dem einen oder anderen Schüler der Groschen fällt: Handwerk, ja, das könnte es sein! Zehntklässler sitzen hier im Kreis zusammen mit dem Kamp-Lintforter Malermeister Dirk Beier und seiner Auszubildenden Isabelle Pfau. Die beiden sprechen mit den Jugendlichen darüber, was es heißt, Handwerker zu sein, wie toll die Karrierechancen sind, wie befriedigend es ist, am Ende des Tages zu sehen, was man geschafft hat. Gut machen die beiden das. "Ich arbeite mich nicht kaputt und komm gut über die Runden", sagt die Azubi im dritten Lehrjahr. "Eine Lehre ist einem Realschulabschluss gleichgesetzt, ein Meister einem Bachelor. Damit könnt ihr ein Masterstudium anfangen", sagt Beier. "Oh", sagt eine überraschte Schülerin.

Es ist "Meistertag" an der Unesco-Schule. Zum elften Mal zeigen Vertreter von Betrieben, aber auch Berater der Handwerkskammer und der Arbeitsagentur, welche beruflichen Chancen das Handwerk bietet. Die meisten der Gesamtschüler werden am Ende des Schuljahres mit einem Hauptschulabschluss abgehen. Viele scheinen bisher kaum ernsthaft über ihre Zukunft nachgedacht zu haben, hängen diffusen Wünschen und Illusionen nach. "Irgendwas mit Programmierer", antwortet ein Schüler auf Dirk Beiers Frage nach seinem Berufswunsch. Ein anderer strebt das Abitur an - dass er sich für die Oberstufe qualifizieren kann, scheint aber fraglich. Sein "Plan B": Autodesigner. Beier spricht Klartext: "Ohne Abi kannst du das in die Tonne hauen!" Ein dritter Schüler will erst den Realschulabschluss machen, um dann vielleicht Elektriker zu werden. "Warum machst du nicht gleich eine Lehre?", entgegnet Beier. "Ist Scheiße, früh aufstehen?"

Isabelle Pfau rät den Jugendlichen, keine Zeit zu verlieren. Sie selbst habe das Fachabi gemacht - "das war Quatsch". Eine Lehre sei gleichwertig mit einem Fachabitur. Eine unbefriedigende Ausbildung zur Bürokauffrau habe sie abgebrochen, dann sei sie in eine Bildungsmaßnahme "reingerutscht". Durch ein Praktikum sei sie dann in den Malerbetrieb gekommen.

Schon bei der Eröffnung des "Meister-Tages" im Foyer der benachbarten Stadthalle hatte Johannes Gerhards, Obermeisters der Bäcker-Innung Kleve-Wesel, den Schülern Lust auf Lehre gemacht. Er sprach von der Möglichkeit, die Fachhochschulreife und Abi parallel zur Ausbildung zu machen, von Studienmöglichkeiten, von einer "familiären Grundstimmung" in den Betrieben. Und: "Ein Meister bekommt mehr als ein Bachelor, der von der Uni kommt."

"Ohne die Handwerkerschaft würdet ihr auf der Wiese sitzen, dann gäbe es das Schulgebäude gar nicht", sagt Dirk Beier den Schülern im Raum C 261. Im Handwerk gebe es 160 Berufe. "Da ist für jeden was dabei, 100 Pro." Er selbst stelle auch Lehrlinge mit Hauptschulabschluss ein. "Aber Deutsch und Mathe sollte schon funktionieren - Grundrechenarten, Dreisatz, Prozentrechnung." Zur Probe fragt der Malermeister ein Mädchen, wie viel zehn Prozent von 100 seien. Die Runde erstarrt. Das Mädchen ist verwirrt. "Äh . . . zehn?" Na bitte, es geht doch.

Quelle: RP
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