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Kamp-Lintfort
Hauchdünne Mehrheit für René Schneider

Kamp-Lintfort. Mit einem Vorsprung von nur 1012 Stimmen hat René Schneider den Wiedereinzug als SPD-Abgeordneter in den Landtag geschafft. Der 40-Jährige erlebte eine Zitterpartie. Von Anja Katzke und Dirk Möwius

René Schneider kickert gegen die Nervosität. "Ich will nicht hauchdünn verlieren", feuert er seinen Mitspieler an. Gemeint ist das Spiel gegen zwei seiner Parteikollegen. Dieser Ausruf könnte aber auch für den Wahlabend stehen, der für den erfolgsverwöhnten Landtagskandidaten der SPD im Jugendkulturzentrum Kaliber zur Zitterpartie wird. Schneiders Vorsprung vor seinem CDU-Gegenkandidaten Rainer Groß ist den ganzen Abend über hauchdünn. Gerade einmal zwei/drei Prozentpunkte liegt der Kamp-Lintforter vorne. Vor fünf Jahren war er im Wahlkreis 57 (Wesel II) noch mit einer deutlichen Mehrheit (43,2 Prozent) in den Düsseldorfer Landtag eingezogen. Als er um 19.45 Uhr ins Alte Rathaus zur Wahlparty seiner Partei stößt, steht ihm die Aufregung ins Gesicht geschrieben. "Ich habe gewusst, dass es eng werden kann", sagt er.

Am Ende eines langen Landtagswahlabends hat es für René Schneider doch gereicht - mit 1012 Stimmen Vorsprung vor dem Christdemokraten Rainer Groß aus Xanten. René Schneider kann 38,46 Prozent der abgegebenen Stimmen auf sich verbuchen. Auf Rainer Groß fallen 36,77 Prozent. Die Wahlparty, zu der die SPD ins Ka-Liber-Café eingeladen hatte, nimmt trotz Schneiders Erfolg nur schwer Fahrt auf. Das landesweite Ergebnis, das die SPD eingefahren hat, löst auch bei den Sozialdemokraten in Kamp-Lintfort Schockstarre aus. "Es ist eine krachende Niederlage", sagt René Schneider. "Es war ja zu erwarten, aber dass es so schlimm kommt, damit habe ich nicht gerechnet", betonte auch Bürgermeister Christoph Landscheidt, der mit den beiden Dezernenten Christoph Müllmann und Martin Notthoff ins Alte Rathaus gekommen war.

Schon bei den ersten Hochrechnungen herrschte dort ungläubiges Schweigen. "Das darf nicht wahr sein", sagt SPD-Ratsmitglied Norbert Thiele und schaut konsterniert auf sein Smartphone. "Ich bekomme schon Kopf-hoch-Mails", sagt er mit Blick aufs Handy. Wolfgang Roth, ehemaliger Landtagsabgeordneter der SPD, geht es nicht anders als seinen Parteigenossen. "Man hat es in den Städten schon gespürt. Die Leute waren verhalten und sind gar nicht so euphorisch auf uns zugekommen", erzählt Roth.

Der Nervenkrimi um Schneiders Einzug in den neuen Landtag erinnert ihn an den Wahlabend 2005, als für ihn mit der Auszählung der letzten Stimmbezirke das Ergebnis gekippt war. Für René Schneider hat Roth nur Lob. "Er hat einen modernen Wahlkampf geführt." Schneider hat den Wahltag mit seiner Frau und den beiden Söhnen verbracht. "Es ist ja schließlich auch Muttertag", erzählt der 40-Jährige immer mit Blick auf die Ergebnisse der Auszählung, die mit einem Projektor an die Wand geworfen werden. "Wir haben einen töften Wahlkampf gemacht und viele Inhalte vermitteln können." In Xanten ist die Stimmung ähnlich. Die CDU im Land liegt zwar vorn, doch bei der Wahlparty für den CDU-Kandidaten Rainer Groß in den Xantener Stuben jubelt niemand. Es ist nämlich keiner da. Groß hat kurzfristig beschlossen, seine eigene Veranstaltung zunächst zu schwänzen und mit seinem Wahlkampf-Team einen Abstecher ins Kreishaus zu machen. Auch kein anderer Christdemokrat ist zunächst seiner Einladung gefolgt. Als er dann in der Gaststätte eintrifft, schaut kaum jemand auf den Fernseher mit den Entwicklungen in Düsseldorf. Tablet und Smartphone werden ins WLAN eingeloggt.

Was machen die Ergebnisse im Wahlkreis? Rainer Groß bleibt realistisch. Schnell hat René Schneider gut 1000 Stimmen Vorsprung. So gute Zahlen werden die fehlenden ländlichen Bezirke nicht bringen. "Da hilft kein Schönreden, es hat nicht gereicht", sagt Groß und sorgt sich mehr um das Gemüt seiner jungen Wahlhelfer als um sich selbst. "Ich habe mir nichts vorzuwerfen", zieht er Bilanz. Zurückhaltender die Reaktion auf die Frage, ob die Unterstützung aus den eigenen Reihen denn wirklich groß genug war. "Es ist nicht alles rund gelaufen", lautet die Antwort. Am Ende sei es nicht gelungen, genug Menschen zu überzeugen und den Trend auch für den Wahlkreis umzusetzen.

Quelle: RP
 
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