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Kamp-Lintfort
Hier müssen flotte Radler auf die Straßenfahrbahn

Kamp-Lintfort: Hier müssen flotte Radler auf die Straßenfahrbahn
Das neue Schild an der Ebertstraße zeigt einen Vorrang für Fußgänger an und lässt Radfahrern die Wahl, auf die Straße zu wechseln. FOTO: Christoph Reichwein
Kamp-Lintfort. Die Stadt schildert einige ehemalige kombinierte Fuß- und Radwege neu aus. Radler dürfen dort nur noch Schritt fahren. Von Peter Gottschlich

Der Radfahrer hatte alles richtig gemacht. Da er recht flott unterwegs war, benutzte er an der Ebertstraße in Richtung Markt die normale Fahrbahn, statt den daneben liegenden Weg. Dieser ist neuerdings nämlich als Fußweg mit dem Zusatzschild "Radfahrer frei" ausgeschildert. Für Radler bedeutet dies: Auf dem Fußweg sollten sie nur Schritttempo fahren. Wer schneller vorankommen will, muss auf die Fahrbahn ausweichen.

Ein Kleinbusfahrer schien allerdings der Meinung zu sein, dass der Radler auf der Straße nicht zu suchen habe. Der Kleinbus soll recht nah an den Radler gekommen sein, so dass sich dieser bedrängt fühlte. Angeblich habe der Autofahrer ihm zugerufen haben, er solle die Fahrbahn räumen. Doch das machte der Radfahrer nicht, der Abstand zu parkenden Autos gehalten haben und deshalb nicht ganz am rechten Rand der Fahrbahn unterwegs gewesen sein soll.

Kurz und schlecht: Im Bereich der Einmündung der Johannstraße kam es zum Unfall. Der Radfahrer flog über den Lenker seines Rades und verletzte sich. In der Notaufnahme des St.-Bernhard-Hospitals wurden schwere Prellungen und Schürfwunden festgestellt. Helm, Handschuhe sowie sein Lederrucksack, auf den er glücklicherweise fiel, verhinderten Schlimmeres.

"Auch wenn es einige Autofahrern nicht wissen: Ein schneller Radfahrer muss an der Ebertstraße auf der Fahrbahn fahren", betont Ralph Grützmacher, Sprecher des Allgemeinen Deutschen Fahrclubs in Kamp-Lintfort. "Auf dem Fußweg mit Zusatzschild ,Radfahrer frei' dürfen sie nur Schrittgeschwindigkeit fahren, wie in einem verkehrsberuhigten Bereich, in dem spielende Kinder auftauchen können." Der verunglückte Fahrradfahrer sei wohl erheblich schneller unterwegs gewesen. "Ich denke mindestens mit Tempo 25."

Bis zum Herbst 2015 hätte der Radler noch nicht auf der Fahrbahn unterwegs sein dürfen. Die Streifen links und rechts der Fahrbahn waren kombinierte Fuß- und Radwege gewesen. "Sie besaßen aber nicht die Mindestbreite von jeweils 2,50 Meter", berichtet Ralph Grützmacher. "Die Streifen sind knapp zwei Meter breit. An einigen Stellen sind sie noch schmaler, da Baumscheiben, Bushaltestellen und parkende Autos hereinragen." Deshalb schilderte die Stadt die Streifen Ende 2015 um.

"Im Sommer 2015 gab es eine große Fahrradtour mit allen Beteiligten", berichtet Dezernent Martin Notthoff. "Wir haben uns die Radwege angesehen." Bei dieser Tour fuhren Vertreter der Polizei, der Stadtverwaltung und des städtischen Eigenbetriebes ASK mit. Auf Grundlage dieser Tour entstand ein Konzept zum Radverkehr. Darin sind unter anderem einige bisherige kombinierte Fuß- und Radwege vermerkt, die zu Fußwegen mit Radfahrerlaubnis umgewandelt werden. Dies ist schon an der Rundstraße, der Sudermannstraße im Gestfeld oder eben auch an der Ebertstraße passiert. Die meisten kombinierten Fuß- und Radwege bleiben allerdings bestehen. Neben diesen Neubeschilderungen gebe es "etliche Maßnahmen", um die Bedingungen für den Fahrradverkehr zu verbessern, betont Martin Notthoff.

Quelle: RP
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