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Kamp-Lintfort
Hochschüler entwickeln Übersetzungs-App

Kamp-Lintfort. Was macht ein Flüchtling aus Syrien, wenn er einem Arzt erklären will, welches Magenproblem er hat? Am besten wäre es, wenn er einen Dolmetscher dabei hätte. Doch wie kann er kurzfristig einen Übersetzer bekommen, der Arabisch und Deutsch spricht? "Es gibt oft solche kleinen Sprachanlässe, die für Flüchtlinge nicht leicht sind", sagt Angelika Buttgereit, die als Mitarbeiterin des Sozialamtes die ehrenamtliche Flüchtlingshilfe koordiniert. Von Peter Gottschlich

Um das Problem zu lösen, für einige kurze Fragen und Erklärungen einen Übersetzer zu haben, entwickelten Stadt und Hochschule die Idee, eine computergestützte Applikation für Übersetzer aufzubauen, die - wie Telefonjoker in Quizsendungen - zu bestimmten Uhrzeiten mit einem Anruf rechnen können. Kern ist eine Datenbank, in der ehrenamtliche Helfer vermerkt sind, die neben Deutsch, Englisch oder Französisch eine weitere Sprache beherrschen. Diese kann zum Beispiel Arabisch oder Persisch, Albanisch, Russisch oder Serbokroatisch sein. "Wir haben bereits eine Liste mit Personen, die zwei Sprachen sprechen", sagt Beigeordneter Christoph Müllmann. "Oft sind es Menschen mit Migrationshintergrund. Es sollen mehr werden."

Um das zu erreichen, kommt die Stadt Übersetzern entgegen. "Sie können sagen, dass sie nur zu einer bestimmten Uhrzeit angerufen werden wollen, zum Beispiel zwischen 14 und 17 Uhr", erläutert Angelika Buttgereit. Auch freie Wochenende- oder Urlaube können sie anmelden. Um den Datenschutz zu gewähren, ist es Arztpraxen, Apotheken, Ämtern, Schulen und Kindergärten untersagt, Namen und Telefonnummern weiterzureichen.

Mit diesen Vorgaben entwickeln Studenten der Hochschule Rhein-Waal seit Oktober eine Applikation. Es sind 50 des Faches Medien- und Informationsinformatik, die in elf Gruppen arbeiten. "Wir treffen uns jeden Montagnachmittag", berichtet Professor Dr. Thomas Richter. "Im Januar, also am Ende des Semesters, bewerte ich die Programme." Diese sollen die beteiligten Organisationen im Februar erhalten, wobei die Hochschule die Programmpflege übernimmt.

"Dann muss niemand mehr dauernd neue Namenslisten herumschicken und sie öffnen", sagt Patrick Baron, der einer der 50 Studenten ist. Denn das übernimmt das System automatisch. Es zeigt auch jeweils nur die Personen an, die sich für ein Zeitfenster eintragen. "Wenn es mehrere Personen sind, sind sie nicht alphabetisch geordnet", erläutert Thomas Richter.

Damit kann sich ein Übersetzer darauf einstellen, für die Zeiten, die er angegeben hat, angerufen zu werden, wie ein Telefonjoker. Ist keine Person zu einer bestimmten Uhrzeit ansprechbar, würde zum Beispiel in der App stehen: "Ab 14 Uhr ist wieder ein Übersetzer erreichbar." Die Studenten haben alle diese Anforderungen in das Programm einzubauen, wobei sie den Datenschutz zu berücksichtigen haben.

Ansprechpartnerin für Personen, die als kurzfristige Übersetzer mithelfen wollen, ist Angelika Buttgereit. Sie ist im Rathaus erreichbar über Telefon, 02842 912 264, oder per E-Mail: angelika.buttgereit@kamp-lintfort.de.

Quelle: RP
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