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Kamp-Lintfort
Hochschule zieht in Zechendenkmal ein

Kamp-Lintfort: Hochschule zieht in Zechendenkmal ein
Gestern war Schlüsselübergabe: Bürgermeister Christoph Landscheidt und Dieter Tenhaef übergaben das Gebäude an die Hochschule. FOTO: kdi
Kamp-Lintfort. Die Starterzentrum Dieprahm GmbH ließ das Industriegebäude für die Hochschule Rhein-Waal umbauen. Gestern war Schlüsselübergabe. Von Anja Katzke

Dort, wo bis vor vier Jahren das "kleine Schraubenlager" des Bergwerks West war, studieren heute junge Menschen. Vor einem Jahr hatte die Starterzentrum Dieprahm GmbH, eine Tochter der Stadt Kamp-Lintfort, das ehemalige Magazingebäude von der RAG Montan Immobilien gekauft und es in nur neun Monaten zum Hochschulgebäude mit hellen Büro- und Seminarräumen umgebaut. Gestern erhielt Präsidentin Heide Naderer die Schlüssel zum Haus. Die Hochschule hat das Gebäude an der Friedrich-Heinrich-Allee gemietet. Mit Kauf und Umbau des 100 Jahre alten Industriegebäudes hat die Stadt ein wichtiges Zeichen für die weitere Entwicklung des 40 Hektar großen Zechenareals im Herzen Kamp-Lintforts gesetzt: Es ist das erste von elf denkmalgeschützten Gebäuden, das eine neue Nutzung erfährt.

Der Sanierungsaufwand belief sich auf 2,63 Millionen Euro. "Es war niemand bereit, das finanzielle Risiko auf sich zu nehmen", erklärte gestern Bürgermeister Christoph Landscheidt, warum die Stadt für das Millionen-Projekt gebürgt hatte. Dieter Tenhaef, Geschäftsführer des Starterzentrums Dieprahm, gab gestern gerne zu, dass ihm die Herausforderung in den vergangenen Monaten zuweilen die Schweißperlen auf die Stirn getrieben habe. Im Magazin-Gebäude war vom Boden bis zum Dachstuhl jede Menge Stahl verbaut worden. "Und wenn Bergleute vom kleinen Schraubenlager reden, dann ist ,klein' ein wenig untertrieben. Die Schrauben, die hier gelagert wurden, waren richtig groß." Das Magazingebäude wurde 1912 als Lager- und Produktionsgebäude erbaut. Es ist dreigeschossig, 29 Meter lang und 23 Meter breit.

Eine historische Aufnahme des Magazingebäudes. FOTO: Stadt

"Es war eine Art Gemischtwarenladen, in dem die Bergleute vom Handschuh bis zum Werkzeug alles erhielten", berichtete Tenhaef. Die Handwerker mussten das komplette Gebäude kernsanieren. 80 Prozent aller Aufträge gingen übrigens an Unternehmen aus Kamp-Lintfort und der der Region. Projektleiter war Thomas Krüger, der mit seinem Kompagnon die alte Maschinenhalle gleich nebenan erworben hatte (RP berichtete). Die Handwerker sanierten das Gebäude energetisch, brandschutztechnisch und barrierefrei. Es ist voll klimatisiert. Die historische und denkmalgeschützte Fassade wurde erhalten und schonend gereinigt. Erhalten blieben der alte Lastenaufzug und das Treppenhaus mit seinen gelblichen Kachelwänden. Auch im Dachgeschoss finden sich Reminiszenzen an die industrielle Zeit. Dort lugen nach der Sanierung noch die alten Stahlträger aus dem Gebälk.

Der stark wachsenden Fakultät Kommunikation und Umwelt stehen an der Friedrich-Heinrich-Allee insgesamt 1850 Quadratmeter zur Verfügung, die auf drei Ebenen verteilt sind. Der Standort befindet sich in Campus-Nähe. Ein Hingucker ist neben den großen Fenstern und der transparenten Gestaltung eine begrünte Wand im Eingangsbereich. Noch blicken die Studenten auf der straßenabgewandten Seite auf Zechenruinen. Das soll sich bis spätestens 2020 geändert haben. Dann findet auf dem Gelände die Landesgartenschau statt.

Quelle: RP
 
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