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Kamp-Lintfort
I love Rock'n'Roll

Kamp-Lintfort: I love Rock'n'Roll
Peter Muthmann und Christoph Müllmann spielen zusammen in zwei Bands: "Buckle up" hat in Kamp-Lintfort schon fast Kultstatus. Gemeinsam gründeten sie jetzt die Formation "Acoustic Lounge". FOTO: Christoph Reichwein
Kamp-Lintfort. Der Erste Beigeordnete von Kamp-Lintfort Christoph Müllmann und Pfarrer Peter Muthmann spielen in der Rockband "Buckle up". Von Josef Pogorzalek

Familie Müllmann wohnte in Brilon und war musikalisch. Der Vater spielte Klavier, ein Onkel Orgel. Der kleine Christoph wurde mit sieben zu einer Nonne gebracht, die Piano-Unterricht gab. "Sie ließ mich mit einem Finger auswendig Lieder spielen." Er hat es wohl ganz gut gemacht. Gemeinsam mit seiner zwei Jahre älteren Schwester ging der Junge fortan die Klavierstunden. Zwischendurch versuchte er sich an Blockflöte, Melodica, Geige, Gitarre. Nichts lag ihm aber so gut wie das Tasteninstrument.

Familie Muthmann wohnte in Aachen und der kleine Peter versuchte sich mit acht zunächst am Klavier. "Aber das war nicht mein Instrument." Zu dem fand er nach der Konfirmation: "Ich habe mir eine Gitarre erspart." Mit einer Klampfe hielt er sich gar nicht erst auf, sondern legte sich gleich eine E-Gitarre zu, übte sich im Selbstunterricht die Finger wund, schaute manches bei Schulfreunden ab. "In meiner Klasse waren einige, die richtig gut waren." Aber Gitarre spielen war für Muthmann nicht genug. "Als ich die ersten drei Akkorde drauf hatte, fing ich an, Songs zu schreiben." Sehr viele wurden es im Laufe der Zeit. Nur das Singen überließ er irgendwann anderen. "Gesang war nicht mein Ding." Viele Jahre später kreuzte sich der Lebensweg der beiden in Kamp-Lintfort. Müllmann, 55, ist heute Erster Beigeordneter der Stadt. Muthmann, 58, ist Pfarrer der evangelischen Gemeinde. Musik machen sie beide immer noch - sogar gemeinsam. Müllmann als Keyboarder, Muthmann als Bassist der Rockband "Buckle up". Seit über zehn Jahren lassen sie mit ihr die Songs von Deep Purple, The Doors, Led Zeppelin, Santana und anderen Helden ihrer Jugend wieder aufleben. Vor einem Jahr taten sich mit anderen außerdem zur Formation "Acoustic Lounge" zusammen. "Da machen wir eher wohnzimmertauglich Musik", sagt Müllmann.

"Buckle up" sei ursprünglich eigentlich ein Nachbarschaftprojekt gewesen, erklären die beiden. Alle Musiker und Sänger wohnen in Niersenbruch. Als sich die ersten Nachbarn zum gemeinsamen Musizieren trafen, holte Müllmann Peter Muthmann dazu, von dessen musikalischen Qualitäten er wusste. Muthmann hatte einige Semester Jazz-Gitarre studiert, war unter anderem Mitglied der Folk- und Liedermacherband "Saitenwaise" und einer ambitionierten Jazz-Band. "Einige Mitglieder sind Profi-Musiker geworden", sagt der Pfarrer. Zu Hause hatte er Stücke produziert, auf denen er alle Instrumente selbst spielte. "Ich war immer auf der Suche nach dem ultimativen Sound. Aber mit lebendigen Menschen zu musizieren ist spannender." Warum er von sechs auf vier Saiten umgestiegen ist? Ganz klar: Gitarristen gebe es wie Sand am Meer. "Aber der Bass fehlt überall." Er sei jetzt nicht mehr die Sahne obendrauf, sondern "der Tortenboden". Aber einer, der es in sich hat. "Er ist mit Abstand der beste Musiker bei uns", lobt Christoph Müllmann.

Er selbst komme aus der "Blues und Boogie-Woogie-Richtung", sagt der Beigeordnete, der aber auch Mozart und Chopin schätzt. In der Weihnachtszeit spielt er auch traditionelle Lieder auf dem Klavier in seinem Wohnzimmer. Das Instrument, aus der Werkstatt Johannes Schiller, Berlin, hat ihn durchs Leben begleitet. "Ich habe es mir als Student gekauft." Den Ehrgeiz, seine Technik noch zu verbessern habe er nicht mehr, sagt der 55-Jährige, und "richtig" zu üben, sei mit einem Aufwand verbunden, den ihm der Beruf eh nicht erlaube. Aber bei der Musik könne er nicht nur entspannen - "und mich zeitweilig abreagieren". Gerade im Zusammenspiel mit anderen gebe es immer wieder ein "Gänsehaut-Gefühl - "auf einmal funktioniert es". Und Muthmann? "Ich brauche den kreativen Output, der nicht am Wort hängt", erklärt dieser seine Leidenschaft für die Musik. "Ich würde auch gerne malen, aber das kann ich nicht."

"I love Rock'n'Roll" (1975) wurde von Jake Hooker sowie Alan Merrill geschrieben und von ihrer Band "Arrows" gespielt.

Quelle: RP
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