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Kamp-Lintfort
Jürgen Buhre abstrahiert den Menschen

Kamp-Lintfort: Jürgen Buhre abstrahiert den Menschen
Auf Einladung der Galerie Schürmann stellt Jürgen Buhre ab Samstag im Gewölbekeller des Klosters aus. FOTO: Klaus Dieker
Kamp-Lintfort. Die Kamp-Lintforter Galerie Schürmann präsentiert ab Samstag im Gewölbekeller des Klosters Kamp die Arbeiten des Gelsenkirchener Künstlers Jürgen Buhre. Der Titel "Kopf, Kreatur, Ich" spiegelt Buhres künstlerische Philosophie wider. Von Anja Katzke

Wenn Jürgen Buhre über die Figuren in seinen Bildern spricht, nennt er sie "Buhre-Menschen" - weil sie halt ganz Buhre sind. Seine Menschen sind abstrahiert, manchmal nur eine schmale Linie ohne Arme und Beine, die in die Leinwand gekratzt ist. Und doch gibt er diesen schemenhaften Kreaturen eine Funktion, eine Emotion oder eine Haltung wie zum Beispiel die kleine Unterwerfung. Diese Reduktion des Menschen bis auf die Linie steht aber im deutlichen Kontrast zur fast schon opulenten Farbgebung. Jürgen Buhre schwelgt in Rot, Grün und Gelb, setzt die Farben großflächig ein. "Ich mag nur kein Blau", sagt er während der Besichtigung seiner Ausstellung im Gewölbekeller des Klosters, die durch die bewährte Kooperation von Galerie Schürmann und Zentrum Kloster Kamp ermöglicht wird.

Ausgestellt sind Arbeiten aus den vergangenen zehn Jahren. "Einige sind noch ganz frisch", betont Jürgen Buhre. Andreas Verfürth, Inhaber der Galerie Schürmann, entdeckte die Arbeiten Buhres erstmals vor 13 Jahren auf einer Kunstmesse in Neukirchen-Vluyn. Zu einer ersten Zusammenarbeit kam es aber erst mit der aktuellen Ausstellung im Gewölbekeller, die am Samstag, 23. Januar, 18.30 Uhr, mit dem Titel "Kopf, Kreatur, Ich" eröffnet wird.

Buhre, der ursprünglich von der Grafik kommt und damit die Vorliebe für die Linie erklärt, mag die warmen Farben. Schwarz und Weiß stehen für ihn nicht dazu im Widerspruch. Denn klug eingesetzt, gibt das Schwarz seiner Bildidee das Besondere. "Es umhüllt die Farben wie eine Aura", sagt der Maler. Er lässt sich von Erlebnissen und Themen zu seinen Arbeiten inspirieren. "Ich entdecke ständig etwas: Reaktionen oder Szenerien, die ich in meinen Bildern aufgreifen." Das Schachspiel ist ebenso Inspirationsquelle für seine klugen Köpfe, die Geisteskinder wie er sie nennt, wie auch besuchte Ausstellungen, die ihn auf die Idee bringen, abstrahierte und zugleich ausladende Frauenkostüme à la Venetia auf die Leinwand zu bringen. Sein Bildgrund ist aber niemals glatt, hat viel Struktur. Er legt Zellulose-Schichten auf die Leinwand, bevor er die Farbe mal stärker, mal schwächer aufträgt.

Die Ausstellung zeigt aber nicht nur Bilder, sondern auch Objekte aus Stahl. "Ich wollte die Linie vom Zweidimensionalen ins Dreidimensionale bringen", erzählt Buhre und zeigt seine Linien, die er in einem Stück aus Stahl gebogen hat. Auch diesen Objekten gibt der Gelsenkirchener eine angedeutete Haltung, eine Verbeugung zum Beispiel. Die ungewöhnlichsten Arbeiten in dieser Ausstellung befinden sich allerdings hinter Plexiglas: Sie zeigen abstrahierte Balletttänzer aus alten Mallappen, die Buhre in Acrylfarben getränkt hatte. Die Stoffe nehmen in Verbindung mit der Farbe neue, fast zerklüftete Formen an. Der Besuch in der Pariser Oper hatte ihn zu diesen originellen Objektbildern inspiriert, in denen Farbe und Stofflichkeit Neues entstehen lassen. "Und das Plexiglas gibt diesen Arbeiten einen Raum", erklärt Buhre den durchsichtigen Schutz.

Die Ausstellung wird am Samstag, 23. Januar, 18.30 Uhr im Gewölbekeller des Klosters Kamp eröffnet. Die Arbeiten sind bis zum 2. April zu sehen, werktags von 11 bis 17 Uhr, samstags, 14 bis 17 Uhr, sonntags 11 bis 17 Uhr.

Quelle: RP
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