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Kamp-Lintfort
Kamp-Lintfort: erfolgreicher Wandel einer alten Zechenstadt

Kamp-Lintfort. Seit Oktober 2015 ist Dennis Radtke Bezirksleiter der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) im Bezirk Moers mit 22 Ortsgruppen. Mit neuen Aktivitäten und Veranstaltungen will er das Profil der IG BCE schärfen und den Bezirk Moers als politischen Akteur in der Region nach vorne schieben. Im Rahmen dieser Kampagne startete unter dem Motto "Moers macht Meinung" in der ehemaligen Zechenstadt Kamp-Lintfort, in der Hochschule Rhein-Waal, die erste Veranstaltung. "Zuerst stirbt die Zeche, dann stirbt die Stadt? Auswirkungen einer Bergwerksstilllegung auf eine ganze Region" lautete der Titel, unter dem Podiumsteilnehmer über die Folgen für den Arbeitsmarkt, die Stadt und ihre zukünftige Weiterentwicklung diskutierten.

In einem kurzen Überblick erinnerte Gewerkschaftssekretär Marvin Kuenen an den historischen Werdegang der Zeche Friedrich Heinrich. 1906 gegründet, arbeiteten zunächst 80 Kumpel dort. Die höchste Zahl an Arbeitsplätzen erreichte das Bergwerk West 1995 mit 8119 Arbeitnehmern. Mit den Beschlüssen zum Kohleausstieg ab 2007 folgte das allmähliche Ende der Zechen-Ära, Schicht im Schacht war Ende 2012. "In der Spitze hatten wir 600 Auszubildende", so Kuenen. Zur sich anbahnenden Stilllegung kam dann das nächste Trauma, die Pleite von BenQ-Siemens. Die Arbeitsplatzsituation nach der Zechenschließung sei, so Michael Müller, Agentur für Arbeit Kreis Wesel, "nicht so dramatisch gewesen, weil Beschäftigte auf andere Zechen verteilt wurden." Generelle Sorge bereiten heute Themen wie Aufstocker, befristete Arbeitsverträge und Probleme der rückläufigen Ausbildungsverträge in handwerklichen Bereichen.

Auf die Frage, wie es gelungen sei, die Stadt voranzubringen, sagte Bürgermeister Landscheidt, Verwaltung und Politik hätten früh alle Hebel in Bewegung gesetzt. Der Weg sei steinig gewesen, habe den langen Atem aller Beteiligten, lange Planungszeiten und den Mut für große Projekte - wie die Hochschule oder das Einkaufszentrums EK3 - erfordert. Voraussetzung sei, mit Plänen das Interesse der Bezirks- und Landesregierung zu wecken, um auch Fördergelder zu bekommen, so der Bürgermeister. Wichtig seien ihm die Bürger gewesen, die früh an den Planungen beteiligt worden seien, sich heute mit "ihrer Stadt" identifizierten und als Multiplikatoren agierten. Kamp-Lintfort als Hochschulstandort ist heute mit weiteren zukunftsweisenden Projekten wie Logport, der Landesgartenschau und der städtebaulichen Entwicklung auf dem Weg.

Von zwei Welten sprach mit Blick auf Hochschule und Zeche Heide Naderer, Präsidentin der Hochschule Rhein-Waal. Die Stadt müsse weiter an ihrer Attraktivität arbeiten. "Wir können nicht die Probleme der Zechenschließung lösen. Als Hochschule sind wir Teil einer Zukunftsperspektive. Ich sehe Kamp-Lintfort auch nicht als Ort mit Arbeitsplätzen für die Industrie." Aufgabe der Hochschule sei, junge Menschen auf internationale Arbeitsplätze vorzubereiten. Landscheidt betonte, die Stadt könne zur Unternehmensansiedlung nur Weichen stellen, habe ausreichend Industrieflächen ausgewiesen. "Wir brauchen die Unternehmen. Die aber verlegen heute eher ihre Produktionen ins Ausland." Dennis Radtke betonte, dass sich die IG BCE stärker als "politischer Player" für die Branchen Energie und Chemie positionieren werde. "Nur wir erleben ein Klima der Industriefeindlichkeit."

(sabi)
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