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Bürgermeister Christoph Landscheidt
Kamp-Lintfort gründet 2016 die Laga-GmbH

Moers. Christoph Landscheidt setzt auf das große Engagement der Bürger. Ihre Aktivitäten werden unter dem Dach eines Fördervereins gebündelt.

Kamp-Lintfort wird 2020 die Landesgartenschau ausrichten. In einem nächsten Schritt steht die Gründung einer Laga-GmbH an. Warum muss die Stadt sozusagen "ein Unternehmen" gründen und wer sind die Partner in einer GmbH?

Landscheidt Ein wichtiger Partner der Stadt Kamp-Lintfort für die Ausrichtung der Landesgartenschau 2020 ist die Landesarbeitsgemeinschaft Gartenbau und Landespflege Nordrhein-Westfalen (LAGL NW), in der Landschaftsarchitekten, Gärtner aller Fachrichtungen aus dem Profi- und Hobbybereich sowie Floristen zusammen arbeiten. Es ist üblich und langjährige erfolgreiche Praxis, dass die ausrichtende Stadt und die LAGL in einer gemeinsamen Gesellschaft die Landesgartenschau planen und durchführen.

Wie werden die Gremien der GmbH besetzt sein?

Landscheidt Gesellschafter der GmbH werden zu zwei Dritteln die Stadt, zu einem Drittel die LAGL NW sein. Die beiden Geschäftsführer werden jeweils von der Stadt und von der LAGL NW gestellt. Im Aufsichtsrat, dem der Bürgermeister vorsitzt, werden alle im Rat vertretenen Fraktionen, Vertreter der LAGL und der Landesministerien sowie weitere Fachberater vertreten sein. Darüber hinaus gibt es Fachbeiräte für spezielle Aufgaben. Auch unsere wichtige Partnerin RAG MI wird da sicherlich mitarbeiten.

Bis zur Ausrichtung der Landesgartenschau gehen noch mehr als vier Jahre ins Land. Was wollen Sie tun, damit die Begeisterung der Kamp-Lintforter nicht abebbt und sich die Menschen weiter so enthusiastisch wie 2015 engagieren?

Landscheidt Da mache ich mir keine Sorgen. Die Aktivitäten vieler Ehrenamtlicher sind auch nach dem Zuschlag Anfang November weitergegangen. Jetzt werden wir diese im Förderverein bündeln und in enger Zusammenarbeit zwischen Stadt, GmbH und Verein die einzelnen Aktivitäten koordinieren. Es soll die Landesgartenschau der Bürger sein. Ihre Ideen und Pläne sollen sich darin wiederfinden. Deshalb werden wir alle Planungs- und Umsetzungsschritte mit den Kamp-Lintfortern diskutieren und möglichst konsensfähig machen. Das ist unsere Herausforderung.

Der Tag der offenen Gärten war im Sommer ein großer Erfolg. Planen Sie auch 2016 und in den folgenden Jahren Aktionen, an denen sich die Bürger beteiligen können? Wenn ja, welche?

Landscheidt Das ist schon passiert! Den Tag der offenen Gärten wird es auch im Sommer 2016 wieder geben, hoffentlich wieder bei so tollem Wetter wie beim ersten Mal. Viele waren von der Bereitschaft und der Offenheit beeindruckt, mit der die Kamp-Lintforter Gartenfreunde stolz ihre "Schmuckstücke" öffentlich gezeigt haben. Da konnten wir nicht umhin, dies zu wiederholen. Im Übrigen vertraue ich voll und ganz auf den Ideenreichtum und das Engagement derer, die sich bisher im Förderkreis engagiert haben. Denen wird sicher noch so manche Aktion einfallen, die die Menschen mitreißt. Eine Landesgartenschau richtet man schließlich nicht alle Tage aus.

Welche Aufgaben soll der Förderverein übernehmen, der Anfang des Jahres gegründet wird? Haben die 350 Mitglieder schon signalisiert, weiter mitzumachen? Benötigt der Verein noch mehr Mitglieder?

Landscheidt Zunächst einmal ist der Verein das "Dach", unter dem die ohnehin schon stattfindenden Aktionen gebündelt werden sollen. Als gemeinnützige Körperschaft kann er Spenden entgegennehmen, auf die wir unbedingt angewiesen sein werden, und Spendenbescheinigungen erteilen. Die Landesgartenschau ist keine rein kommerzielle Sache. Ganz im Gegenteil: Die Ehrenamtlichen können und wollen viele Teile des Programms der Gartenschau zum Beispiel im kulturellen und sportlichen Bereich selbst verantworten und organisieren. Die Aufgaben enden nicht mit dem Ende der Landesgartenschau 2020. Unser "Bürgerpark" im östlichen Bereich des Zechengeländes und die Flächen am Rande des Wandelweges etwa sollen auch in den Folgejahren interessant bleiben und "bespielt" werden. Dazu brauchen wir die Ideen und das Engagement der Mitglieder des Fördervereins dauerhaft. Was die Mitgliederzahl angeht, gibt es keine Obergrenze. Wenn sich nur jeder zehnte, der ohnehin in einem Kamp-Lintforter Verein ist, auch im Förderverein engagieren würde, wären wir schon 1000.

Das Land hat mit dem Laga-Zuschlag bereits fünf Millionen Euro zugesagt. Für die Umsetzung aller Ideen werden aber 16 Millionen Euro benötigt. Mit welchen Erwartungen gehen Sie in die Fördermittelgeber-Konferenz, die für 2016 geplant ist? Wie wird Kamp-Lintfort die Finanzierung stemmen?

Landscheidt Die finanzielle Bewältigung der Laga ist sicher die größte Herausforderung. Daraus haben wir nie einen Hehl gemacht. Wesentlicher Teil unserer Bewerbung war ein Investitions- und Kostenplan, in dem wir die mögliche Finanzierung detailliert darstellen mussten. Aber der enthält natürlich Unwägbarkeiten, wenn Sie allein an die zu erwartende Besucherzahl denken, die nicht unwesentlich vom Wetter im Sommer 2020 abhängt. Da schwanken die Einnahmen zwischen etwa vier und 6,5 Millionen Euro. Entsprechende Unsicherheiten gibt es für das erwartete Sponsoring und für Spenden. Sicher bin ich mir, dass wir auf die notwendigen Fördergelder für geplante Stadtentwicklungsmaßnahmen auf dem Zechengelände zurückgreifen können. Das wird Thema der Fördergeber-Konferenz sein. An Projekten mangelt es nicht. Auch bin ich mir sicher, dass sich die RAG als Grundstückseigentümerin diese einmalige Chance der Hebelwirkung für ihre ohnehin erforderlichen Investitionen nicht entgehen lassen wird.

Wenn die Baumaßnahmen möglicherweise europaweit ausgeschrieben werden müssen, wie können örtliche Betriebe und Unternehmen von der Ausrichtung der Landesgartenschau profitieren?

Landscheidt Auf die Einhaltung der gesetzlichen Vergabekriterien legt nicht nur das Land zu Recht großen Wert. Die Ausschreibung und die Vergabe werden eine wichtige Aufgabe der GmbH sein. Die Laga ist keine örtliche, sondern eine regionale, ja landesweite Veranstaltung. Insofern haben unsere zahlreichen, sehr leistungsfähigen örtlichen und regionalen Betriebe - zum Beispiel auch durch Kooperationen - alle Chancen, von der Landesgartenschau zu profitieren.

Für die Landesgartenschau wäre es ja gut, dass Kamp-Lintfort auch einen Bahnanschluss erhält. Haben Sie auf die Resolution, die alle hiesigen Bundes- und Landtagsabgeordneten unterschrieben haben, schon eine Resonanz erhalten?

Landscheidt Oh, ja! Wir haben ca. 50 Briefe/Emails mit der Resolution an die wichtigsten Multiplikatoren und Meinungsbildner aus Politik und Wirtschaft verschickt. Einige haben bereits ihre Unterstützung zugesagt. Besonders wichtig ist mir, dass vor allem die Verbandsvorsteher des Nahverkehrsverbandes Niederrhein, die Landräte der Kreise Wesel Dr. Müller und Kleve Herr Spreen auch als Standortvertreter der Hochschule Rhein-Waal, ihre aktive Unterstützung des Projektes zugesagt haben. Wenn ich dann noch die Aussage des Verkehrsministers hinzunehme, "die Landesgartenschau in Kamp-Lintfort soll erstklassig sein, ohne Bahnanschluss wäre sie zweitklassig", dann bin ich sehr zuversichtlich, dass die Bahn rechtzeitig kommt.

ANJA KATZKE FÜHRTE DAS GESPRÄCH.

Quelle: RP
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