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Kamp-Lintfort
Kamp-Lintforter lachen nicht über Gutmenschen

Kamp-Lintfort. Die Komödie mit dem Untertitel "Jeder rettet einen Afrikaner" kommt nicht an. Zuschauer verlassen vorzeitig Theater. Von Peter Gottschlich

In anderen Städten kam die Komödie "Benefiz - Jeder rettet einen Afrikaner", die das Landestheater Burghofbühne im Programm hat, bestens an. Doch während in Dinslaken oder Dormagen alle Zuschauer lange applaudiert hatten, nachdem der letzte Vorhang gefallen war, konnten sie das in Kamp-Lintfort nicht mehr. Denn geschätzte 200 der 600 Zuschauer hatten die Pause genutzt, um die Stadthalle vorzeitig zu verlassen, weil die Komödie bei ihnen nicht ankam. Einige waren sogar schon während des ersten Aktes gegangen, was in der Stadthalle nur sehr selten zu sehen ist.

Die Komödie von Ingrid Lausund beleuchtet den schmalen Grat der politischen Korrektheit, auf dem sich Mitteleuropäer bewegen, wenn sie über Afrikaner sprechen und ein Hilfsprojekt für sie ins Leben rufen. Konkret wollen fünf Personen einen Benefizabend veranstalten, um für eine Schule in Guinea-Bissau zu sammeln, einem Land mit 1,7 Millionen Einwohnern, das im Westen Afrikas zwischen Senegal und Guinea liegt.

Im Stück spielen sie die Generalprobe zu dieser Veranstaltung durch, bei der sich ihre unterschiedlichen Charaktere und Beweggründe zeigen. Christine, gespielt von Christiane Wilke, will sich karitativ engagieren, um in der Gesellschaft gut dazustehen. Deshalb erwartet sie von den anderen am Benefizabend ein "Mindestmaß an Professionalität", wie sie mit pathetischem Ton sagt. Eva, alias Lara Schmidt, will ihren Idealismus ausleben, um Hilfsbedürftigen zu helfen und andere klare Verhaltensregeln vorzuschreiben zu können.

Leonard, alias Benedikt Thönes, will den Benefizabend nutzen, um sich selbst und seine Lässigkeit zu präsentieren. Rainer, alias Mirko Schombart, ist nur dabei, weil er gerne organisiert, beispielsweise für den Kaffee sorgt und die entsprechende Kasse führt. Weil er selbst chaotisch ist, hat er vor allem die Ordnung und Sauberkeit im Sinn. So verhaspelt er sich immer wieder: "Für niemanden in der Welt sind alle Menschen gleich." Eckhard, alias Christoph Bahr, ist religiöser Eiferer, der die anderen überzeugen will. "Vulgäres geht immer", behauptet er in seinem Schlussplädoyer für die Barmherzigkeit. "Aber es darf bloß niemand das Wort Nächstenliebe in den Mund nehmen."

Diese Charaktere, die von den Schauspielern gut verkörpert wurden, reichten den Zuschauern offensichtlich nicht für eine gute Komödie. Ihnen fehlten Wortspiele oder Gags, wobei die vorgetragenen Gags für viele keine waren, beispielsweise das lange Herumspielen der männlichen Personen an einem Diaprojektor, der dann doch nicht funktionierte.

Nachdem das letzte Stück der Saison bei den Zuschauern durchgefallen war, schauten nicht wenige auf die neue. Diese startet mit der Musicalshow "The Buddy Holy Story" am 30. September. Der Verkauf von Abonnements und Einzelkarten beginnt am 11. Juli im Kulturbüro im Kamp-Lintforter Rathaus.

Quelle: RP
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