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Kamp-Lintfort
Kirche wird zum Kolumbarium

Kamp-Lintfort: Kirche wird zum Kolumbarium
Ein Blick von der Empore Richtung Chorraum. Noch sind die Bauarbeiten nicht ganz abgeschlossen. Bei der Einweihung soll das alte Barbara-Kreuz wieder im Chor hängen. FOTO: Marcus Koopmann
Kamp-Lintfort. Die Bauarbeiten in der ehemaligen Pfarrkirche St. Barbara sind fast abgeschlossen. Einweihung ist am 19. November. Von Josef Pogorzalek

Kolumbarien - Wände mit Fächern für Urnen - sind auf Friedhöfen immer häufiger zu sehen. Ein Kolumbarium in einem geschlossenen Kirchenraum, das gibt es in der Region aber nur in Kamp-Lintfort. In zweijähriger Bauzeit ist es in der ehemaligen katholischen Pfarrkirche St. Barbara an der Mittelstraße entstanden. Am 19. November (15 Uhr) weiht die Großgemeinde St. Josef es ein, im Rahmen der Feier finden die ersten zwei Beisetzungen statt. Weitere Urnennischen sind reserviert. "Das Interesse sei groß", sagte gestern Pfarrer Karl Josef Rieger. "Wir haben auch Anfragen aus der benachbarten evangelischen Gemeinde, aus Moers und Neukirchen-Vluyn."

Im Herbst 2014 wurde die Kirche (deren Grundstein 1959 gelegt worden war) entweiht. Vorangegangen waren Diskussionen über die Finanzen der Gemeinde. "Wir hatten zu viele Kirchen für zu wenige Kirchgänger", sagte Rieger. Die Pläne, die Kirche in Kolumbarium umzugestalten, reichten ins Jahr 2012 zurück. Das Konzept entwarfen die Architekten Hannes Hermann und Susanne Klösges in Abstimmung mit einem Arbeitskreis der Gemeinde. "Wir wollten die Struktur der Kirche möglichst beibehalten", sagte Hermanns. Das ist gelungen.

Im Kirchenschiff stehen nun sechs Wände mit Fächern für Urnen. Insgesamt 576 Fächer stehen bereit, bislang ist die Hälfte so vorbereitet, dass Beisetzungen stattfinden können. In späteren Jahren können auf schon angelegten Fundamenten weitere Urnenwände eingezogen und die Kapazität auf 1044 Urnen erweitert werden.

Das Kolumbarium verfügt über zwei Abschiedsräume für die Aufbahrung von Urnen und Särgen - auch vor Erdbestattungen. Und im ehemaligen Chorraum können die Angehörigen Verstorbener künftig Trauergottesdienste feiern, musikalisch untermalt von der alten Kirchenorgel, die, frisch gestimmt und gereinigt, nach wie vor auf der Empore steht. Die Empore ist neuerdings jedoch durchbrochen, wodurch die Darstellung des gekreuzigten Jesus auf der Glasfenster-Stirnwand besser zur Geltung kommt als früher. Wer die Barbara-Kirche früher kannte, wird im Kolumbarium bekannte Elemente wiederfinden: Das Barbara-Kreuz, das erneut im Chor angebracht wird, das Johannes-Nepomuk-Kreuz oder auch Figuren der Heiligen Barbara und Maria.

Architekten und Arbeitsgruppe der Gemeinde hatten in der Planungsphase Kolumbarien in Aachen Viersen und Dortmund besucht. Diese hätten teils wie Schließfächer auf Bahnhöfen gewirkt, sagte Hannes Hermanns. Den Fehler wollte man in Kamp-Lintfort vermeiden. Dort sind die einzelnen Urnenfächer mit 40 Zentimetern Breite und 50 Zentimetern Höhe vergleichsweise groß, es gibt auch Doppelfächer für die Urnen von Eheleuten. Der Preis von 1800 Euro pro Einzelfach (auf 15 Jahre, mit Verlängerungsoption) sei eher niedrig, andernorts würden bis zu 8000 Euro fällig. Wer ein Urnenfach in der ehemaligen Barbara-Kirche reservieren möchte, zahlt eine Gebühr in Höhe von 100 Euro jährlich. Verschlossen werden die Fächer mit Natursteinplatten. Der Stil der Schriftzüge darauf (Name, Geburts- und Todesdatum) ist vorgegeben. Auch Ornamente erlaubt. "Christliche Symbole, kein Schalke 04", sagte Pfarrer Rieger.

Es sei ein Wunsch des Bistums gewesen, den Preis für die Urnenfächer nicht zu hoch zu gestalten. Das Bistum habe sich an den Investitionskosten - insgesamt 725.000 Euro - beteiligt. Den größten Teil der Summe muss aber die Gemeinde stemmen. "Wir haben Kredite aufgenommen", sagte Pfarrer Rieger. Eine Kosten-Nutzen-Analyse habe gezeigt, dass die Gemeinde ihr Kolumbarium bei 30 bis 35 Bestattungen pro Jahr auskömmlich betreiben könne. Ein Viertel der Katholiken wünsche mittlerweile eine Urnenbestattung, und fast drei Viertel der evangelischen Christen. Die Gemeinde wolle ihr Kolumbarium allen Konfessionen öffnen, die dem Arbeitskreis christlicher Kirchen organisiert sind.

Es wäre falsch, das Kolumbarium ausschließlich unter finanziellen Aspekten zu betrachten. "Es ist Teil unserer Trauerpastoral", unterstrich Pfarrer Rieger. Es geht darum, Trauernden Beistand und Unterstützung zu gewähren. Während der Öffnungszeiten (donnerstags 15 bis 17, samstags 10 bis 12 Uhr) werden Menschen aus der Gemeinde da sein, an die sich Trauernde mit ihrem Kummer wenden können. Wer das Kolumbarium außerhalb dieser Zeiten besuchen möchte, erhält im benachbarten Pfarrheim den Schlüssel gegen ein Pfand.

Quelle: RP
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