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Kamp-Lintfort
Kleine Reparaturen sorgen für große Freude

Kamp-Lintfort: Kleine Reparaturen sorgen für große Freude
Friedhelm Mund und Werner Brugmann reparieren im Cari-Treff gemeinsam eine Lampe. FOTO: Klaus Dieker
Kamp-Lintfort. Der Ansturm beim zweiten Reparatur-Café im Cari-Treff war groß. Besucher brachten nicht nur kleine Elektrogeräte wie Lampen oder Wecker vorbei, sondern sogar große Fernsehbildschirme. Von Tanja Karrasch

Drei ehrenamtliche Helfer reparieren das Fahrrad von Herta Born. Die Rentnerin guckt dabei zu und freut sich, dass sie problemlos an die Reihe kam. "Sonst hätte ich ja einen Monat warten müssen und ohne Fahrrad geht es nicht", sagt sie. Der Dynamo wollte nicht mehr anspringen, und auch mit den Bremsen war etwas nicht in Ordnung. Dreißig Minuten später schiebt sie das Damenrad zufrieden aus dem Cari-Treff. "Gute Fahrt!" wünscht Norbert Schulte vom Caritasverband, der für die Organisation des Reparatur-Cafés zuständig ist. "Die Idee kommt aus Holland und ist dort sehr beliebt. Dann hat in Moers ein Café eröffnet, in Rheinberg und dann haben wir uns gedacht: Jetzt aber schnell!", erzählt der Krankenpfleger.

Angelika Löhrer hat ein defektes Navigationsgerät und eine Lampe mitgebracht: "Leider war da nichts mehr zu retten", sagt sie. Die gelernte Schneiderin ist als ehrenamtliche Helferin zum zweiten Mal dabei. Sie kürzt Gardinen, flickt Löcher oder näht neue Reißverschlüsse in Jacken. "Letztes Mal hatte ich meine eigene Nähmaschine dabei. In der Zwischenzeit wurden drei Maschinen, Garn und ein Bügeleisen gespendet. Das ist natürlich toll", findet sie.

Manche gucken interessiert bei den Reparaturen zu. Auch das ist Sinn und Zweck von Reparatur-Cafés: "Beim nächsten Mal können sie das Problem dann vielleicht auch selber lösen", erklärt Schulte. Hilfe zur Selbsthilfe nennt er das. "Es geht natürlich auch um Nachhaltigkeit. Viele Dinge lassen sich einfach reparieren." Das Angebot soll eine Alternative zu teuren Reparaturen darstellen. Lediglich eine Spende wird erbeten.

Flüchtling Johannes (75) aus Afrika freut sich, dass sein MP3-Player repariert werden konnte. Dadurch wurden 650 Kirchenlieder gerettet. "Die sind gut für die Seele", sagt der 75-Jährige auf Englisch. Nächsten Monat möchte er mit zwei Hosen wiederkommen, die noch zu lang sind.

Für Liesel Jesse (64), die Sachspendenverwalterin der Flüchtlingshilfe "Welcome" hat das Reparatur-Café eine wichtige Aufgabe: Sie kann Spenden, die kleinere Mängel aufweisen, aufarbeiten lassen. "Letzte Woche habe ich zwei Fahrräder geschenkt gekommen, jetzt laufen sie wieder. Ich bin sicher, dass ich morgen ganz schnell zwei Menschen finde, die sich sehr über die Räder freuen werden."

Heribert Tefert (64) ist eigentlich gelernter Konditormeister. Heute hilft der Rentner in der Fahrradabteilung. Defektes zu reparieren ist sein Hobby. "Beim letzten Mal war nicht so viel los, aber wir haben gesagt wir geben nicht auf und sind optimistisch, dass es angenommen wird."

Zu Recht: Es ist richtig voll im Cari-Treff Vor den Reparaturtischen hat sich eine Schlange gebildet, trotzdem ist es gemütlich Die einen tüfteln, die anderen erzählen bei Kaffee und Kuchen. Und manche längst abgeschriebenen Geräte funktionieren plötzlich wieder.

Quelle: RP
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