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Kamp-Lintfort
Kunst auf Messers Schneide

Kamp-Lintfort: Kunst auf Messers Schneide
Anne Schary hat Bernhard Schedalke in ihr Atelier eingeladen. Die Weihnachtsausstellung öffnet am Samstag um 12 Uhr. FOTO: kdi
Kamp-Lintfort. Künstlerin und Goldschmiedin Anne Schary hat Messermacher Bernhard Schedalke eingeladen, gemeinsam in ihrem Atelier am Abteiplatz 22 in Kamp-Lintfort auszustellen. "Erzähltes Licht" heißt die neue Weihnachtsausstellung. Von Anja Katzke

Das kleinste Messer, das Bernhard Schedalke jemals gefertigt hat, ist nur 3,8 Millimeter lang. Erst der Blick durch die Lupe offenbart den Betrachtern wahres Handwerk. Dem Messermacher aus Tönisvorst ist es gelungen, ohne maschinelle Hilfe ein kleines Kunstwerk mit Klinge und Griff zu schaffen. "Dafür braucht man eine ruhige Hand. Und die habe ich", freut sich Schedalke, der seit 1983 zig Messer gefertigt hat. Und jedes ist einfach zu schade, um es ganz profan beispielsweise als Brotmesser zu verwenden. In der Gemeinschaftsausstellung im Atelier von Anne Schary finden sich Messer als Armbandanhänger, mit Rubinen verziert, Brieföffner, Jagd- und Sammlermesser, und eine kleine Skulptur aus Silber, die einem bekannten Motiv der Artus-Sage nachempfunden ist. In ihrer Weihnachtsausstellung möchte Anne Schary einen Mehrwert bieten. Die Künstlerin und Goldschmiedin mag es besonders gerne, Handwerk und Kunst miteinander zu verbinden. Das liegt natürlich darin begründet, dass sie selbst zwei Gewerke vereint: Schmuck und Malerei. Wie dies mit der haarscharfen Kunst von Bernhard Schedalke zusammenpasst, erfahren Interessierte ab Samstag, 9. Dezember, in ihrem Atelier auf dem Abteiplatz.

Schary bleibt dem Titel ihrer Ausstellung treu: "Erzähltes Licht". "Ich mag ihn gerne, und er symbolisiert ja meine Gewerke." Das Atelier, das sich ein wenig versteckt neben dem Museum Kloster Kamp befindet, ist ein Hort der Kreativität. Hier lebt die Künstlerin ihre Ideen aus. Bei ihr gibt es "Kunst am laufenden Meter", die Kunstfreunde sich Kästchen für Kästchen selbst zusammenstellen können. "Es ist wie ein Baukasten. Und Kunst für kleines Geld", erzählt sie lächelnd. Eine Wand hängt voller kleiner Bilder. Es ist eine Serie, die den Titel "Gefährten" trägt. Hier hängen Könige, Engel und Bäume nebeneinander. Die Bäume, die sich in vielen Arbeiten Scharys finden, neigen sich liebevoll einander zu. "Oder der ein König, der sich die Sonne auf den Buckel scheinen lässt. Ich kann auf einem kleinen Bild viel erzählen. Das ist schon toll." Daneben präsentiert die Künstlerin auch ihre großformatigen Arbeiten und viele, viele handgefertigte Schmuckstücke, die in ihrem Atelier in liebevoller Detailarbeit entstanden sind. Für sie sind beide Gewerke kein Widerspruch. "Gold und Silber sind meine Farben, und die Suche nach den Edelsteinen ist wie die Suche nach einem Motiv in der Kunst." Der Kontakt zu Bernhard Schedalke kam über eine gemeinsame Bekannte zustande. Der Tönisvorster hat sich das Fertigen von Messern selbst beigebracht. Wann das begann? "Ja, daran erinnere ich mich noch sehr genau. Das war 1983. Wir haben in meiner Firma aus abgebrochenen Sägeblättern Teppichmesser geschnitten. Meine sahen wie echte Messer aus. Ich habe es einfach weiter ausprobiert." Jedes Messer ist handgemacht. Schedalke verwendet Stahl-Meterware. "Ich zeichne mir eine Form auf den Stahl, diese wird ausgesägt und geschliffen." Sie werden nur zum Härten verschickt. Das ist das einzige, das ich nicht selber mache", erzählt der Messermacher. Für die Griffe ist Schedalke nicht auf ein Material festgelegt. Manche bestehen schlicht aus Holz, andere hingegen aus Walross-Zähnen oder aus Hirschgeweih. Gravuren und Schnitzarbeiten machen das Messer zum Unikat. Für gewöhnlich arbeitet der Tönisvorster an 30 bis 40 Messern gleichzeitig. "Es hat mich gepackt", sagt er.

Die Weihnachtsausstellung läuft bis zum 17. Dezember. Sie ist samstags und sonntags von 12 bis 18 Uhr geöffnet. Auch werktags hat Anne Schary in dieser Woche geöffnet. Ab dem 16. Januar stellt sie im Kreishaus in Wesel aus. Dort sind ihre Arbeiten bis 22. Februar zu sehen.

Quelle: RP
 
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