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Kamp-Lintfort
Lintforter zeigen Gesicht gegen Rechts

Kamp-Lintfort: Lintforter zeigen Gesicht gegen Rechts
Sie ließen sich zu zweit von Bettina Engel-Albustin fotografien. Für die Moerser Fotografin ist "Dein Gesicht gegen Rechts" ein Herzensprojekt. Liesel Jesse, links im Bild, war klar, dass sie sich beteiligt: "Die Rechts-Bewegung in unserem Land ist schrecklich." FOTO: Christoph Reichwein
Kamp-Lintfort. Die Moerser Fotografin Bettina Engel-Albustin hat im "Kaliko", der Begegnungsstätte am Rathausvorplatz, ein mobiles Fotostudio aufgebaut. Das nächste Fotoshooting ist am 28. Juli. Das Projekt mündet in eine Ausstellung. Von Anja Katzke

Licht und Reflektor sind schon aufgestellt, die Kamera liegt griffbereit auf dem Tisch. Hier und dort sitzen Männer und Frauen und sind in Gesprächen vertieft. Wie viele Kamp-Lintforter an diesem Morgen ins "Kaliko" kommen werden, um "Gesicht gegen Rechts" zu zeigen, weiß Bettina Engel-Albustin nicht. Die Fotografin lässt sich überraschen - von der Begegnung mit den Menschen im mobilen Fotostudio, dem ersten Kontakt und den Gesprächen, die in der Situation entstehen. Im "Kaliko", einer Begegnungsstätte am Rathausvorplatz, findet das von ihr initiierte Projekt "Dein Gesicht gegen Rechts - Ein Porträt für den Frieden" seine Fortsetzung. "Der städtische Integrationsbeauftragte hatte mich gefragt, ob ich Interesse hätte, die Aktion auch in Kamp-Lintfort zu realisieren. Das hat mich sehr gefreut", sagt Bettina Engel-Albustin.

Das Projekt ist ihre Herzensangelegenheit. "Das Thema beschäftigt mich schon lange. Ich wollte etwas realisieren, das eine Position gegen Rechts bezieht. Weil ich aber niemand bin, der große Reden hält, lasse ich die Bilder sprechen", erzählt die Fotografin aus Moers. Im Rahmen des Meerbecker Kulturfrühlings ergab sich für sie die Gelegenheit, ihre Idee in die Tat umzusetzen. In der Barbaraschule forderte sie die Moerser auf, ihr Gesicht gegen Rechts zu zeigen. Und es kamen viele Menschen, die sich porträtieren ließen: Deutsche und Flüchtlinge, Jugendliche und Senioren, Prominente und Nicht-Prominente. In der Barbaraschule in Meerbeck entstanden mehr als 50 Schwarz-weiß-Porträts. Jedem Bild ist ein persönliches Zitat des Porträtierten beigefügt. "Die Aktion hatte sich schnell herum gesprochen. Es kamen viele Leute, die ich gar nicht kannte", erinnert sich Bettina Engel-Albustin.

Die Zitate versteht die Fotografin als Denkanstöße. "Sie helfen auch den Betrachtern, miteinander ins Gespräch zu kommen", betont sie. In der Ausstellung ihrer Porträtreihe bekam sie beispielsweise mit, dass über ein Saint-Exupéry-Zitat, das jemand zu seinem Bild stellen ließ, lange diskutiert wurde: "Sieht man wirklich nur mit dem Herzen gut?" Gerne erinnert sie sich an eine Seniorin, die ihr als Zitat folgendes hinterließ: "Man muss lernen, Leute zu akzeptieren, nur dann kann man auch selbst glücklich sein." Die Fotografin ist überzeugt: "Das hat die Frau nicht einfach so gesagt, das lebt sie wirklich." So unterschiedlich die Aussagen sind, alle sprechen sich für Toleranz, Frieden und Demokratie aus. "Leider wird das Thema jeden Tag aktueller", betont die Fotografin mit Blick auf die Nachrichten. Zum Glück fand sie gestern auch in Kamp-Lintfort Unterstützung. Liesel Jesse gehört mit zu den ersten Kamp-Lintfortern, die sich im "Kaliko" von Bettina Engel-Albustin fotografieren ließen. Freundlich blickte sie in die Kamera. Später erklärte sie im Gespräch mit unserer Zeitung: "Ich findet die Rechts-Bewegung in unserem Land schrecklich. Wir haben alles in Deutschland. Es geht uns gut." Liesel Jesse engagiert sich in der Kamp-Lintforter Flüchtlingshilfe. Wer das gestrige Fotoshooting verpasst hat, hat am Donnerstag, 28. Juli, von 16 bis 19 Uhr die Chance, sein Gesicht gegen Rechts zu zeigen. Die dazu gehörende Ausstellung wird Rahmen einer Interkulturellen Woche zu sehen sein, an der sich auch der "Runde Tisch für Flüchtlinge Kamp-Lintfort" vom 25. September bis 1. Oktober beteiligen wird. Während dieser Woche sind dann auch täglich Aktionen zur Situation der Flüchtlinge und die Hilfen zur Integration in Kamp-Lintfort geplant.

Quelle: RP
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