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Kamp-Lintfort
Magier der Töne verzaubert Zuhörer in St. Josef

Kamp-Lintfort. In der katholischen Kirche gastierte der Klezmer-Klarinettist Giora Feidman vor einem großen Publikum. Von Petra Riederer-Sitte

Er gilt als einer der bekanntesten Instrumentalisten unserer Zeit und gastiert in den bedeutendsten Konzerthallen der Welt - doch darauf kommt es Giora Feidman gar nicht an. Der "King of Klezmer" will einfach Klarinette spielen und seine Gefühle teilen. Und das nicht nur in den Weltmetropolen, sondern auch in kleineren Städten wie Kamp-Lintfort. 2014 war Giora Feidman schon einmal in St. Josef zu Gast, und auch diesmal durfte Dechant Karl Rieger sich über rege Resonanz freuen: "Die Kirche ist voll, wir sind mit den Sitzkapazitäten an unsere Grenzen gestoßen." An ausverkaufte Konzerte hat sich der inzwischen 81-jährige Feidman längst gewöhnt, trotzdem ist sein Auftreten angenehm bescheiden und zurückhaltend geblieben. Geduldig wartet er während der Begrüßungsrede auf seinen Auftritt, und dann geht es los: Mit einer signalähnlichen Fanfare kündigt sich der "Brückenbauer zwischen den Kulturen" bei seinem erwartungsvollen Publikum an, ist plötzlich präsent, gut gelaunt und verblüffend vital. Nur einen Augenblick später schmeichelt sich der warme Klang der Klarinette hauchzart und wunderbar melancholisch in die Ohren. Höchste Präzision, feurige Virtuosität, hauchzarte Töne - schon in wenigen Takten entfaltet der musikalische Botschafter die Markenzeichen seines Spiels.

Es dauert keine zwei Minuten, bis erster Jubelbeifall durch die vollbesetzte Kirche tost. Feidman genießt die Begeisterung sichtlich. "Guten Abend und Shalom! It's something very special", begrüßt er das Publikum in seinem charmanten deutsch-englischen Sprachmix. Wie eine Familie sei das Publikum in der Kirche, "an example of Menschheit, of peace in the world". Und weil es so schön passt, spielt er dazu Louis Armstrongs Song "What a wonderful world".

Begleitet wird Giora Feidman von den Gitanes Blondes, einem virtuosen Münchner Quartett, bestehend aus dem Geiger Mario Korunic, dem Akkordeonisten Konstantin Ischenko, dem Gitarristen Christoph Peters und dem Bassisten Simon Ackermann. Gemeinsam mit dem Klezmer-Meister zaubern sie ein Programm, das "so vielfältig ist wie der Stand des Gewürzhändlers auf dem Basar". Eine spannende und immer wieder überraschende Mischung, die mal zum Träumen und mal zum Lachen einlädt. So wird ein Bogen gespannt von jüdischem Liedgut über ein Nationalhymnen-Medley bis zu Rossinis Figaro als rasantes Akkordeon-Solo und Piazzollas Tango.

Immer wieder sucht Feidman den Kontakt zum Publikum, ermuntert es zum Mitsingen, um dann zu loben: "Jedes Mal, wenn ich komme, singt ihr besser." Natürlich sind das Schmeicheleien, die er in all seinen Konzerten erzählt, und doch erzeugen sie eine angenehme Wohlfühlatmosphäre, die beim Publikum für beste Stimmung sorgt.

Quelle: RP
 
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