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Kamp-Lintfort
Marionetten erzählen biblische Geschichte

Kamp-Lintfort: Marionetten erzählen biblische Geschichte
Viele Stunden Arbeit stecken in den Marionetten von Kalibima. Nun hatte das Marionettentheater wieder eine Vorstellung in Kamp-Lintfort. FOTO: Dieker
Kamp-Lintfort. Die Gruppe Kalibima hat zu einer Benefiz-Vorstellung ins Josef-Jeurgens-Haus eingeladen. Erlös kommt der Flüchtlingshilfe zugute. Von Peter Gottschlich

Zwei Jahre dauerte die Pause in Kamp-Lintfort. Jetzt ist sie beendet. Endlich. Das Kamp-Lintforter Biblische Marionettentheater, kurz Kalibima, hat wieder eine Vorstellung in der Hochschulstadt gegeben. Es zeigte im Josef-Jeurgens-Haus das Stück "Das Buch Esther". Dazu luden die Kalibima-Mitglieder auch Flüchtlinge ein.

Schließlich geht es in Esther um die Verschiedenheit der Menschen, wobei am Ende die Fremdenfeindlichkeit überwunden werden kann. Das letzte Mal war Kalibima im März 2013 in Kamp-Lintfort zu sehen gewesen, als es gleich dreimal das Stück "Wundersame Begegnung - ein Stammtisch zwischen Emmaus und Nazareth" zeigte. Damals spielte noch Pfarrer Thomas Schulz mit, der im März 2014 die Pfarrei St. Gudula im westfälischen Rhede übernahm. Er war neben Herbert Schmitz der einzige Mann in der zwölfköpfigen Gruppe von Kalibima gewesen und hatte Jesus an Fäden bewegt.

Da bei diesem "Männermangel" Frauen die männlichen Marionetten führen, aber nicht sprechen können, nimmt Kalibima die Dialoge in einem Tonstudio auf, um sie während des Marionettenspiels ablaufen zu lassen.

"Männer sprechen die Dialoge der Männer", erzählt Leiterin Marion Kempken. "Frauen die der Frauen." Außerdem werden im Tonstudio die Stücke mit Musik hinterlegt. Vier davon hat Marionettentheater im Angebot, das auf eine Idee von Pfarrer Markus Dördelmann aus dem Jahr 1999 zurückgeht, um die Geschichten der Bibel lebendig werden zu lassen. Drei erzählen Ereignisse aus dem Alten Testament: Tobit, Esther und Josef. Dazu kommt eines aus dem Neuen Testament: "Wundersame Begegnung - ein Stammtisch zwischen Emmaus und Nazareth". Alle Stücke sind Rahmenerzählungen, in denen Gruppen aus dem Heute in die Zeit in der Bibel "gebeamt" werden.

Bei Esther berührt beispielsweise Lisa in einem Museum einen Siegelring, um mit ihren Freunden in die Zeit des Perserkönigs Artaxerxes vor zweieinhalb Jahrtausenden zu reisen. "Durch den Rahmen können die Figuren Dinge erklären, die dem heutigen Zuschauer nicht mehr verständlich sind", sagt Marion Kempken, die die Drehbücher schreibt.

Die Marionetten bauen die Kalibima-Mitglieder selber, angeleitet von Christa Deckers, die auch Regie führt. "Die Gesichter werden mit einer Holzmasse modelliert", berichtet sie.

"Die Gewänder werden selbst genäht. Das dauert 80 bis 100 Stunden je Marionette." Bei komplizierten Marionetten mit vielen Fäden sind es auch mehr Stunden, zum Beispiel beim Pferd, das in Esther zu sehen ist. Es wird von gleich zwei Personen geführt, die wie alle schwarz gekleidet sind, um dadurch fast unsichtbar zu sein.

Vor den Auftritten üben die Marionettenspieler einmal in der Woche. Sie waren auch in den zwei Jahren aktiv, als sie nicht in Kamp-Lintfort zu sehen waren. Denn da gastierten sie auswärtig, beispielsweise in einer Krebsklinik in Essen, in einer Kirchengemeinde in Bonn-Bad Godesberg oder im Kulturzentrum in Burgsteinfurt, wo Gründer Markus Dördelmann heute Pfarrer ist. "Wir spielen auf Anfrage", sagt Marion Kempken.

Die Einnahmen, die durch Eintrittsgelder und Spenden bei den Kalibima-Aufführungen zusammen kommen, fließen immer einem karitativen Zweck zu. Am vergangenen Freitag waren es zum Beispiel fast 1000 Euro, als 80 Zuschauer die Aufführung von Tobit verfolgten. Sie kommen der Flüchtlingshilfe zugute.

Quelle: RP
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