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Kamp-Lintfort
Mitarbeiter sind bei IMST Miteigentümer

Kamp-Lintfort: Mitarbeiter sind bei IMST Miteigentümer
Peter Waldow zeigt Arnd Neborg und Birthe Jungbluth eine elektronisch steuerbare Antenne für die Schifffahrt. Die beiden wollen Anteile kaufen. FOTO: Dieker
Kamp-Lintfort. Seit zwei Jahren gehört den Mitarbeitern ein wesentlicher Teil der IMST GmbH. Sie sind dadurch fester mit "ihrem" Unternehmen verbunden, das mit seiner Antennentechnik für Satelliten weltweit bekannt ist. Von Peter Gottschlich

Birthe Jungbluth ist noch nicht an der IMST GmbH beteiligt. "Ich will aber Anteile kaufen", sagt die 31-jährige Marketingreferentin des Unternehmens, das sein Kürzel bei Gründung 1992 noch mit Institut für Mobil- und Satellitenfunktechnik auflöste. Mit dem Kauf wäre sie Miteigentümerin der IMST, wie bereits 86 von 165 Mitarbeitern.

Im November 2014 begann das Unternehmen seine Eigentumsverhältnisse zu ändern. "IMST-Gründer Professor Dr. Ingo Wolff wollte, dass sein Unternehmen, sein Kind, langfristig auf stabilem Fundament steht", sagt Geschäftsführer Peter Waldow. "Er war damals 75. Obwohl man ihm bis heute dieses Alter nicht anmerkt, wollte er frühzeitig den Übergang regeln. Deshalb hatte er die Idee, die Mitarbeiter zu beteiligen. Sie sind sie mit ihrem Wissen das Kapital des Unternehmens."

Deutschlandweit gibt es nur wenige größere Unternehmen, die bislang diesen Schritt gewagt haben. "Das bekannteste ist der Spiegel", erzählt der 59-jährige Diplom-Ingenieur für Elektrotechnik. "Gründer Rudolf Augstein ist langsam ausgestiegen. Dafür sind die Redakteure eingestiegen."

Am Niederrhein ist das Modell weitgehend unbekannt. "Das haben wir noch nie gehabt", bekam Arnd Neborg von der zuständigen Mitarbeiterin des Finanzamtes Moers zu hören, als er dort das erste Mal vorsprach. Der 49-jährige IMST-Prokurist kann sich noch erinnern, dass zunächst nur ungeeignete Formulare vorhanden waren, um 86 Kommanditisten einzutragen.

Die Mitarbeiter konnten Anteile kaufen, die vorher dem IMST-Gründer Ingo Wolff gehörten. "Sie können sich in verschiedenen Stückelungen beteiligen, die zwischen 1000 und 40.000 Euro liegen", sagt Arnd Neborg. "Wenn die IMST GmbH Gewinn macht, sind sie daran beteiligt. Das ist besser, als Geld bei Banken und Sparkassen anzulegen, wo die Zinsen unter 1,0 Prozent liegen." Der Diplom-Kaufmann sieht gleichzeitig einen Vorteil für die GmbH: "Die Mitarbeiter fühlen sich stärker mit dem Unternehmen verbunden. Sie denken und handeln unternehmerischer."

Das ist für ein Unternehmen wichtig. Es ist nicht nur auf der ganzen Welt aktiv, sondern auch im All. Beispielsweise entwickelt es Antennenkomponenten für Satelliten, die dann 37.000 Kilometer hoch im geostationären Orbit stehen oder die Erde auf Umlaufbahnen umrunden. Dafür ist IMST in Amerika oder Australien bekannter als am Niederrhein, wo Amerikaner und Australier oft nachfragen, ob "Kamp" übersetzt Militärlager heiße.

"Bei der Fußballweltmeisterschaft 2010 in Südafrika ist die deutsche Mannschaft gerade mit einem Airbus 380 über Zentralafrika nach Hause geflogen, als das Endspiel zwischen Spanien und den Niederlanden lief", erzählt Peter Waldow. "Obwohl das Flugzeug modernste Technik pur war, konnten Michael Ballack, Philipp Lahm und Bastian Schweinsteiger während des Fluges nicht das Ergebnis erfahren, weil die Satellitenfunktechnik noch nicht so weit war. Sie haben wohl erst nach der Landung das Ergebnis, zwei zu eins für Spanien, gehört. Heute hätten sie Empfang - mit einem Stück Kamp-Lintfort aus dem All."

Dabei kommt die Satellitenfunktechnik nicht nur im All zum Einsatz, sondern auch auf der Erde. Ein Beispiel ist eine elektronisch steuerbare Schiffsantenne, die IMST in Kooperation mit dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrttechnik in Bonn entwickelt hat. "Einige Bauteile stellen wir auch selbst her", sagt Peter Waldow.

Quelle: RP
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