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Kamp-Lintfort
Mutiger Zeuge verfolgt Vergewaltiger

Kamp-Lintfort: Mutiger Zeuge verfolgt Vergewaltiger
Klaus Deuter am Tatort in der Kamp-Lintforter Innenstadt. Hier hat er die Verfolgung des Täters aufgenommen. FOTO: KLaus Dieker
Kamp-Lintfort. In der Kamp-Lintforter Innenstadt ist am Donnerstag eine Frau überfallen worden. Dass die Polizei den Täter gefasst hat, ist dem Einschreiten von zwei Männern zu verdanken. Andere Zeugen scheinen tatenlos zugesehen zu haben. Von Josef Pogorzalek

Eine Frau liegt in einem Gebüsch und schreit verzweifelt, auf ihr liegt ein Mann mit heruntergelassener Hose, mehrere Leute schauen zu, unternehmen aber nichts. Das Bild bietet sich Klaus Deuter (53) und einem Freund, als sie herbeieilen. Es ist Donnerstagabend, Deuter hatte sich mit dem Freund (58) auf ein Bier im City-Treff verabredet, einem Lokal an der Markgrafenstraße in der Kamp-Lintforter Innenstadt. Gegen halb zehn hören die beiden die Schreie der Frau, laufen nach draußen und sehen einige Meter weiter die beschriebene Szene.

Da in der Gruppe der umstehenden Leute jemand mit Hunden ist, nehmen Deuter und sein Kumpel zunächst an, dass die am Boden liegende Frau aus Angst vor den Tieren schreit. "Es wurde schon dunkel, dass jemand auf ihr lag, haben wir zuerst gar nicht gesehen", sagt Deuter später im Gespräch mit unserer Redaktion. Als sie erkennen, dass ein Mann versucht, die Frau zu vergewaltigen, greifen die beiden ein. "Hände weg, runter da!", ruft Deuters Freund. Er versucht, den sich erhebenden und seine Hose hochziehenden Mann festzuhalten. Doch der schüttelt den 58-Jährigen ab und rennt weg. Deuters Freund stürzt. Er erleidet einen mehrfachen Bruch des Arms.

Deuter hat inzwischen per Mobiltelefon die Polizei alarmiert. Mit dem Telefon in der Hand heftet er sich an die Fersen des Flüchtigen. "Hoffentlich kriegen wir den" ist sein einziger Gedanke. Als der Flüchtige erkennt, dass er verfolgt wird, läuft er immer schneller. Aber Deuter bleibt dran, hält einige Meter Sicherheitsabstand, "er hätte ja ein Messer dabeihaben können". Während der Verfolgungsjagd hält der Kamp-Lintforter per Telefon Kontakt zur Polizei, gibt immer wieder seine Position durch. Als nach ein paar Hundert Metern Verfolgungsjagd durch die Innenstadt Streifenwagen auftauchen, legt der Flüchtige noch einen Zahn zu. Doch den Polizeibeamten gelingt es, ihn an der Markgrafenstraße in Nähe des Awo-Heims zu ergreifen. Deuter ist außer Atem, aber froh.

Wie die Polizei gestern mitteilte, handelt es sich bei dem festgenommenen Mann um einen 22 Jahre alten Duisburger. Sein Opfer war eine 31-jährige Frau, die kurz vorher ihren Arbeitsplatz verlassen hatte und sich auf dem Heimweg befand. Die Frau bemerkte, wie der Mann von hinten auf sie zukam, dann packte er sie, schubste sie ins Gebüsch und setzte sich auf sie. Da die Kamp-Lintforterin um Hilfe rief, versuchte der Täter, ihr den Mund zuzuhalten. Der 22-Jährige, der schon wegen Ladendiebstählen aufgefallen ist, soll dem Haftrichter vorgeführt werden. Nach Angaben einer Zeugin, die sich gestern bei der Polizei gemeldet hat, soll er kurz vor dem Überfall Frauen am Prinzenplatz in Kamp-Lintfort belästigt haben.

Wie Klaus Deuter berichtet, hat der Wirt des City-Treffs seinen verletzten Freund noch am Donnerstagabend ins St.-Bernhard-Hospital gebracht. "Der gebrochene Arm muss wohl operiert werden." Was Deuter aber vor allem durch den Kopf geht, ist das Verhalten der Leute, die er am Tatort gesehen hat. "Ich hab kein Verständnis dafür, dass die anderen nicht eingegriffen haben", sagt der ehemalige Reviersteiger. "Es waren sieben oder acht Leute, da waren kräftige junge Kerle dabei." Auch als der Täter weglief, habe niemand sonst Anstalten gemacht, dem Mann zu folgen. Nicht nur Deuter und sein Freund haben die Situation so erlebt. "Die Geschädigte hat das Gleiche erzählt", sagt Polizeisprecherin Andrea Margraf.

Zeugen werden gebeten, sich mit der Polizei in Kamp-Lintfort, 02842 934-0, in Verbindung zu setzen.

Quelle: RP