| 00.00 Uhr

Kamp-Lintfort
Noch ein Gedicht: Theaterstück erinnert an Heinz Erhardt

Kamp-Lintfort: Noch ein Gedicht: Theaterstück erinnert an Heinz Erhardt
Ein Szenenfoto aus dem Theaterstück "Der Kleingartenkönig". Die Inszenierung überzeugte das Publikum nicht. FOTO: Markus Koopmann
Kamp-Lintfort. Das Stück "Der Kleingartenkönig" ist eine Hommage an den Schauspieler. Allerdings konnte die Story die Zuschauer nicht überzeugen.

"Jetzt nicht den Sand in den Kopf stecken."- "Flügel hoch." Oder: "Eine Krähe drückt der anderen kein Auge zu." Heinz Erhardt liebte es, mit bekannten Redewendungen zu spielen, sie zu verdrehen. Dazu hatte der Wahl-Hamburger, der 1909 in Riga geboren wurde und 1945 seine Karriere begann, immer "noch ein Gedicht" auf Lager, zum Beispiel "Der Wurm". In den 1960er Jahren schlüpfte er über 500 Mal in die Rolle des Steuerinspektors Willi Winzig, um im Stück von Wilhelm Leuchtenberg "Wem Gott das Amt gibt" von Bühne zu Bühne durch die Bundesrepublik zu tingeln.

Dieses Stück wurde Basis für den Kinofilm "Was ist denn bloß mit Willi los?" aus dem Jahr 1970, dem ein Jahr später der Kinofilm "Unser Willi ist der Beste" folgte, dem Jahr in dem der Alleinunterhalter einen Schlaganfall erlitt und sich von der Bühne zurückzog. Das Stück "Der Kleingartenkönig" von Jan Exler, das am Montagabend in der Stadthalle zu sehen war, knüpft an die Figur Willi Winzig an, der nun Willy Witzmann heißt. Neben dem Namen gibt es einen zweiten Unterschied. Der Steuerinspektor trinkt Nordhäuser Doppelkorn, nicht Doornkaat Doppelkorn, dessen Anfangsbuchstaben sich in Erhardts Spitznamen "Do-Do" wiederfinden. Anders als im Stück "Wem Gott das Amt gibt", in dem der Steuerinspektor armen Menschen schon einmal unbürokratisch die Steuern erlässt und deswegen frühzeitig pensioniert werden soll, kündigt er aus dem gleichen Grund im Stück "Der Kleingartenkönig" in den 1960er Jahren seine sichere Beamtenlaufbahn auf. Gespielt von Patrick Schmitz, kommt er in dem Lustspiel der Braunschweiger Komödie am Altmarkt auf die Bühne, die eine Kleingartenanlage mit zwei Lauben ist. Er ist wie ein Double von Heinz Erhardt.

Er besitzt die gleiche Stirnglatze, das gleiche runde Gesicht, die gleiche Brille mit breitem Gestell und "Glasbausteinen", die gleiche Krawatte und den gleichen Bauch. Er fährt genauso wie er mit seinem Stofftaschentuch über seine Stirn, um sich den Schweiß abzutupfen. Er verneigt sich genauso, wenn er jemanden begrüßt. Und er stottert genauso, wenn er nervös ist, beispielsweise wenn der Junggeselle die junge Gaby Engel, gespielt von Aline Joers, sieht. Dann verdreht er Redewendungen und hat "noch ein Gedicht" auf Lager.

Das waren Szenen, in denen die Zuschauer am Montagabend lachten. 710 waren es vor der Pause in der Stadthalle, die sie bis auf zehn Plätze gefüllt hatten. Die zweite Hälfte schauten sich weniger an, weil mehrere Dutzend zur Pause gingen. Sie vermissten Esprit in der Geschichte, in der Willy Witzmann die Kleingartenanlage, die einer Nudelfabrik weichen soll, erhält, weil er durch Tonscherben Archäologen auf den Plan bringt. So wird er zum Kleingartenkönig.

Den Esprit vermissten auch viele der Zuschauer, die blieben. Aber sie nahmen "noch ein Gedicht" und zahlreiche verdrehte Sprichworte mit nach Hause.

(got)
 
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Kamp-Lintfort: Noch ein Gedicht: Theaterstück erinnert an Heinz Erhardt


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.