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Waffen und verbotene Gegenstände sichergestellt
Polizei-Großaufgebot bei Rocker-Party

Polizei stellt bei Rocker-Party Rauschmittel und Waffen sicher
Polizei stellt bei Rocker-Party Rauschmittel und Waffen sicher FOTO: Dieker, Klaus
Kamp-Lintfort. Hunderte Polizisten sind am Samstagabend rund um den Club Carthago in Kamp-Lintfort im Einsatz: Dort feiern Rocker des MC Gremium die Eröffnung ihres Clubhauses. Auseinandersetzungen mit verfeindeten Clubs bleiben aus. Von Peter Gottschlich

Noch nie in seiner Geschichte hat Kamp-Lintfort einen so großen Polizeieinsatz erlebt wie an diesem Samstag, nicht einmal als Bundeskanzler Willy Brandt 1972 und Kanzler Gerhard Schröder 2005 die Bergbaustadt besuchten. Geschätzte 250 Polizisten sind mit etwa 40 Fahrzeugen am Samstagabend im Einsatz, um den Club Carthago großräumig abzusperren, der an der Kreuzung von B 510 und Saalhoffer Straße liegt. Dorthin kommen an diesem Tag nicht die Regierungschefs, sondern die Rocker des Motorcycle Club Gremium Rhein-Area und ihre Supporter (Unterstützer) aus ganz Deutschland, um die Eröffnung ihres Clubhauses mit einer großen Party zu feiern.

Rocker: So haben sich die Mitgliederzahlen entwickelt FOTO: RP

Ab 18 Uhr beginnt die Polizei mit den Absperrungen rund um die Feier der Kuttenträger. "Wir haben keine konkreten Hinweise auf Störungen", sagt Franz-Josef Kuhmann, Pressesprecher der Kreispolizei Wesel. "Aber es besteht die Gefahr, dass rivalisierende andere Clubs anreisen und stören." Roland Wolff, der als Kriminaldirektor die Großoffensive leitet, ergänzt: "Wir haben ein wachsames Auge auf die Entwicklungen im Kreis Wesel, um zu verhindern, dass sich kriminelle Rockerclubs hier frei etablieren und entfalten können. Wir dulden keine rechtsfreien Räume."

So kontrolliert die Polizei an vier Punkten Autofahrer, Radfahrer und Fußgänger: an der Prinzenstraße schräg gegenüber des Kolpinghauses und an der B 510 beim Abzweig zum Gewerbegebiet Nord-Kamperbruch, an der Saalhoffer Straße bei der Einmündung zur Kruppsiedlung und an der B 510 nahe Holland Mühle. "An diesen Kontrollstellen selektieren wir", sagt Franz-Josef Kuhmann. "Wir nehmen die Personalien auf und schauen, ob jemand zur Clubhauseröffnung gehen will." Dazu lassen sich die Polizisten, die zum Teil von der Polizei des Kreises Wesel, der Einsatzbereitschaft und des Landeskriminalamtes kommen, auch Taschen und Kofferräume zeigen.

Hintergrund: Das bedeuten die Symbole auf den Kutten FOTO: dpa

Insgesamt überprüfen die Beamten 268 Personen und 86 Fahrzeuge. Dabei stellen sie neben Potenz- und und Rauschmitteln auch Waffen sicher. Zwei Autofahrer haben Betäubungsmittel eingenommen und müssen zur Blutprobe. Einer von ihnen hat auch Drogen dabei und wird sofort festgenommen.

Während auf den Straßen rund um den Club viel los ist, geht es im Club Carthago ruhig zu. "Es sind nur 60 Rocker da", erzählt jedenfalls um 20 Uhr Frank Trapp, Mitglied des neuen Chapters Rhein-Area Kamp-Lintfort. "Aber es kommen noch welche." Schließlich hat der neue Club, dessen Mitglieder sich im Oktober 2015 von ihrem alten Club Gremium MC Krefeld getrennt hatten, bundesweit eingeladen. Vor der Tür stehen nur drei schwarze Motorräder. Im Laufe der Nacht stoßen aber immer wieder Rocker zu der Party, so dass die Polizei in ihrer Bilanz von mehreren hundert Rockern spricht. Diese Zahl bestätigt Gremium MC Rhein-Area nicht. Der Rockerclub will auch nichts davon hören, kriminell zu sein. "Ich bin 52 Jahre alt und habe früher auf dem Bergwerk gearbeitet", sagte "Präsident" Siegfried Pfeffer mit Blick auf den Förderturm der Zeche Rossenray, die unweit des Clubs liegt. "Ich habe mir nie etwas zu Schulden kommen lassen. Die Gremiummitglieder akzeptieren und respektieren die deutschen Gesetze."

Ab dem 3. April treffen sich die Rocker sonntags ab 10 Uhr zum offenen Bikerfrühstück im Club Carthago, der seit vier Jahren von Khatuna und Hassin Krifa geführt wird.

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