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Kamp-Lintfort
Rechte Hetzparolen an der Landstraße

Kamp-Lintfort: Rechte Hetzparolen an der Landstraße
An Verkehrsschildern und Laternenpfahle haben Unbekannte die Aufkleber im Stadtteil Kamperbrück angebracht. FOTO: Dieker, Klaus
Kamp-Lintfort. Aufkleber mit rechten Parolen haben Unbekannte anscheinend in der Nacht auf Donnerstag an der Rheinberger Straße zwischen Kamp und Hoerstgen angebracht. Der Staatsschutz wird die Ermittlungen übernehmen. Von Anja Katzke und Josef Pogorzalek

Zwischen Kamp und Kamperbrück haben die Täter kein Straßenschild, keine Laterne, keine Barke und Poller ausgelassen. Selbst auf den Ortseingangsschildern prangen gelbe sowie schwarz-weiß-rote Schilder. Auf den Aufklebern befinden sich unter anderem fremdenfeindliche Aussagen. Sie zeigen darüber hinaus eine verfremdete Nazi-Symbolik wie zum Beispiel "I love H*tl*r", "Deutschland, Deutschland über alles", "Flüchtlinge nicht willkommen", "Bitte flüchten Sie weiter. Hier gibt nichts zu wohnen" und ähnliche Sprüche."Es handelt sich um mindestens hundert Aufkleber, richtig professionell gemacht und offensichtlich mit System aufgeklebt", berichtete Stefan Maser, Pfarrer der evangelischen Gemeinde Hoerstgen. Er zeigte sich entsetzt. "Als Bürger finde ich das unerträglich." Die Aktion scheint eine bewusste Provokation und organisiert worden zu sein.

Maser meldete den Vorfall bei der Polizei in Kamp-Lintfort. Die Kreispolizei in Wesel bestätigte Donnerstag, dass Anzeige wegen der Plakatierung in Kamp-Lintfort erstattet wurde. Diese sei postwendend zum Staatsschutz in Duisburg weiter geleitet worden. Ramon van der Maat, Sprecher der Polizei in Duisburg, erklärte auf RP-Anfrage, dass der Staatsschutz in solchen Fällen die Ermittlungen übernimmt. Es werde wegen der Verwendung von Kennzeichen verfassungsfeindlicher Organisationen oder der Verbreitung solcher Propagandamittel.

Pfarrer Stefan Maser berichtete Donnerstag, dass er in der Vergangenheit mit ähnliche Vorfällen in Kamperbrück und Hoerstgen zu tun gehabt. Dort seien solche Aufkleber öfter zu sehen. Auf einem Privatgrundstück, auf dem immer wieder die Reichskriegsflagge gehisst werde, gebe es regelmäßig "Treffen". "Es wurden auch schon Nachbarn bedroht", sagte Maser. "Bei einem Nachbarn wurde auch schon ein Fenster mit einem Stein eingeworfen." Das berichtete Donnerstag auch ein weiterer Anwohner aus Kamperbrück und Hoerstgen. Bereits mehrfach habe man im vergangenen Jahr Polizei, Staatsschutz und die Stadt Kamp-Lintfort über die Lage in ihrem Stadtteil informiert . "Es ist eine sehr schwierige Situation hier, viele Nachbarn haben Angst", sagt er. Der Duisburger Polizeisprecher bestätigte, dass aus Kamperbrück und Hoerstgen seit Jahren Anzeigen erstattet würden wegen Partys und grölender Gäste. Man habe aber im Sinne des Staatsschutzes keine strafrechtlich relevanten Taten feststellen können.