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Kamp-Lintfort
Rocknächtchen: Sechs Stunden live

Kamp-Lintfort: Rocknächtchen: Sechs Stunden live
Die Band "Holodeck" geht auf Tuchfühlung mit dem Publikum. FOTO: siwe
Kamp-Lintfort. Drei Bands vom Niederrhein stehen beim kleinen Festival "Pleger und Tümmermann" in der Werkstatt der Lackiererei auf der Bühne. Das Unternehmen wirbt damit auch für sich selbst. Von Peter Gottschlich

"Einmal im Jahr ist die Halle aufgeräumt." Julia Zupancic schmunzelt, wenn sie diesen Satz sagt. Schließlich wackelt diese Halle, wenn sie aufgeräumt ist. Es steigt das Rocknächtchen, das sie zusammen mit Jörg Gierling und Frank Tümmermann organisiert, wie an jedem ersten Samstag im September.

Dabei ist "Nächtchen" untertrieben. Drei Bands stehen auf der Bühne, die fast sechs Stunden live spielen. So auch bei der fünften Ausgabe des Rocknächtchens am Samstagabend. "In Kamp-Lintfort geht das ohne Probleme", meinte die Organisatorin aus Moers, die das musikalische Programm zusammengestellt hatte. Sie hatte drei Bands aus der Region ausgesucht, die in die Halle der Lackiererei von Pleger und Tümmermann kamen, die versteckt nahe der Einmündung der Oststraße in die Friedrichstraße liegt.

Den Start legte kurz nach 18 Uhr Holodeck hin. Die sechsköpfige Band aus Moers, die zum vierten Mal das Rocknächtchen eröffnete, coverte Songs aus den 90er- und den Nuller-Jahren, zum Beispiel "Welcome to the jungle" von Guns N'Roses. "Das ist Musik, mit der wir groß geworden sind", meinte Sänger Guido Brohl während er den Zuschauern einheizte.

Deren Anzahl stieg im Laufe des Auftrittes. Als die Gruppe "Was wenns regnet" im Rampenlicht stand, waren es 500, die sich elektrisieren ließen. "Ich fühle mich hier richtig wohl", meinte Sänger Kiki, der in Moers groß geworden ist und seit zwei Jahren in Kamp-Lintfort lebt. "In Kamp-Lintfort geht die Post ab." Dafür sorgten er und seine Bandmitglieder mit eigenen melodiösen Popsongs, etwa "Stimmen im Kopf", "Was geht denn" oder "Abschiedskuss". Dazu machte er Werbung für die neue Scheibe von "Was wenns regnet". "Sie heißt Sprachmemomusik", gab der 37-Jährige Neu-Kamp-Lintforter bekannt. "Am 1. Oktober stellen wir sie bei einem Konzert im Moerser Bollwerk vor."

Dann beamte Sickspack die Zuhörer zurück in die 70er- und 80er-Jahre. Die sechsköpfige Band aus Krefeld spielte gut zwei Stunden Rock- und Popklassiker, zum Beispiel "I come for you" von Manfred Mann, "Radar Love" von Golden Earring, "Highway to Hell" von AC/DC, "Music" von John Miles oder "Sweet Dreams" von Eurythmics. "Das ist richtig gute Musik", erfreute sich Jörg Gierling an Gesang und Saitenklang.

Tolle Autos konnten die Zuschauer sehen, als sie auf den Hof der Lackiererei Pleger und Tümmermann gingen, etwa einen schwarzen Mercedes 600 aus dem Jahr 1966. "Von 1963 bis 1981 wurden 2650 Exemplare gebaut", erzählte Besitzer Max Geise. "Es waren alles Einzelanfertigungen. Auf jeder verchromten Zierleiste ist die Fahrzeugnummer markiert. Der Mercedes 600 war sündhaft teuer. 1973 hat er 110 000 Mark gekostet, so viel wie ein Vierfamilienhaus." Der Inhaber des gleichnamigen Duisburger Kraftfahrzeugmeisterbetriebes restaurierte die Karosse mit 6,3-Liter-Einspritzmotor und 250 Pferdestärken, um sie dann bei Pleger und Tümmermann neu lackieren zu lassen, die mit dem kleinen Festival nicht nur ihr große Halle aufräumt, sondern auch Werbung für sich selbst macht.

Quelle: RP
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