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Kamp-Lintfort
Romantische Eröffnung des Kammermusikfests

Kamp-Lintfort: Romantische Eröffnung des Kammermusikfests
Etwa 300 Musikfreunde nahmen am Mittwochabend die Einladung zu einem rundum klassischen Konzert an. FOTO: Reichwein
Kamp-Lintfort. Einen erstklassigen Kammermusikabend erlebten mehr als 300 Musikfans im Audimax der Hochschule Rhein-Waal in Kamp-Lintfort. Ein Höhepunkt: das "Dumky-Trio" von Antonín Dvorak. Von Petra Riederer-Sitte

Nach drei intensiven Probentagen wurde im Audimax der Hochschule Rhein-Waal das 14. Kammermusikfest Kloster Kamp eröffnet. Inzwischen hat sich das Festivalpublikum an die Hörsaal-Atmosphäre gewöhnt, die zwar keine kammermusikalische Intimität bieten kann, aber mit 300 Plätzen deutlich mehr Kapazität als etwa der Rokokosaal im Kloster.

Und die war auch nötig, denn neben vielen Stammbesuchern konnte Hochschulpräsidentin Dr. Heide Naderer auch in diesem Jahr wieder zahlreiche Gäste aus anliegenden Regionen zu der "erstklassigen Veranstaltung" in der Hochschule begrüßen. Ein Foto der berühmten Karlsbrücke in Prag sollte von den Diawänden aus auf das Programm des "tschechischen Abends" einstimmen, doch zur Erheiterung des Publikums schummelte sich vorher noch kurz das Foto eines kleinen Ferkels auf die Bildwand.

Das niedliche Glücksschweinchen sollte sich als gutes Omen für einen rundum geglückten Festivalauftakts erweisen. "Eigentlich hätte man den Abend auch Melancholie und pralle Lebenslust nennen können, denn das sind eigentlich die Markenzeichen der romantischen Musik in Tschechien", erklärte Katharina Apel, die gemeinsam mit Alexander Hülshoff für die künstlerische Leitung des Festivals verantwortlich ist, in ihrer Begrüßungsansprache. Musikalisch umgesetzt wurden die Markenzeichen sehr effektvoll gleich im ersten Programmteil: dem Dumky-Trio, Antonín Dvoráks wohl berühmtestem Kammermusikwerk.

Der Pianist Andrew Harley, der Geiger Timothy Braun und der Cellist Floris Mijnders spielten es in einer klanglich und dynamisch fein ausgearbeiteten Interpretation, in der es ihnen hervorragend gelang, die Kontrastwirkungen zwischen langsamen, elegischen und tänzerisch-schnellen Abschnitten markant herauszuarbeiten.

Auch die traurigen "Dumky" schienen weniger durch tiefe Trauer als durch Freude am Gesang geprägt. Ein grandioser Festivaleinstieg, der begeisterten Applaus erntete. Lust am Spiel bewiesen auch der Bratschist Alfredo Zamarra und die Geigerin Nitzan Bartana, die für den kurzfristig ausgefallenen Friedemann Eichhorn eingesprungen war.

In Bohuslav Martinus "Drei Madrigalen" erzielte das Duo in seiner beherzten und temperamentvollen Aufführung die Klangfülle eines Streichquartetts und bildete eine vollendete Einheit, die bei aller Virtuosität immer auch Martinus Sehnsucht nach der Heimat erkennen ließ.

Josef Suks Elegie op. 23, ein "musikalisches Bonbon", das der Pianist Oliver Triendl, der Geiger Giora Schmidt und die Cellistin Katharina Apel, liebevoll und elegant präsentierten, bildete den klangschönen Abschluss der bravourösen ersten Konzerthälfte.

Nach der Pause erwartete die Besucher eine Rarität: das Quintett op. 3 des böhmischen Komponisten Josef Labor, der als früh erblindeter Pianist, Komponist und Pädagoge zu Lebzeiten einen ausgezeichneten Ruf genoss.

Dass er zumindest am Niederrhein zu neuen Ehren gelangte, ist dem Festivalquintett mit Oliver Triendl (Klavier), Jan Talich (Violine), Aida-Carmen Soanea (Viola), Alexander Hülshoff (Violoncello) und Gunars Upatnieks (Kontrabass) zu verdanken, die in ihrem erfrischend unprätentiösen und stilsicheren Spiel Labors Musik zu neuem Leben erweckten. Minutenlanger Beifall - der Glücksbringer hatte gute Arbeit geleistet.

Die offenen Proben zu den Konzerten sind noch bis einschließlich Samstagvormittag zu erleben.

Quelle: RP
 
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