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Kamp-Lintfort
Rotarier bieten Flüchtlingen Ausbildung

Kamp-Lintfort: Rotarier bieten Flüchtlingen Ausbildung
Bettina Feldmann (3. v.l.) vom Internationalen Bund gibt Deutschunterricht in einer Flüchtlingsunterkunft in Kamp-Lintfort. Im Bild (v.l.): Falah Mirza Chicho, Osmane Diallo, Bettina Feldmann und Amandou Ly. FOTO: Markus Koopmann
Kamp-Lintfort. Seit Februar bereiten sich 20 Flüchtlinge in einem Projekt auf eine Ausbildung vor. Gefördert wird es durch die Rotariern. Bis auf einen hielten alle durch. Mehrere waren aktiver als gefordert und lernten in ihrer Freizeit Deutsch. Von Peter Gottschlich

Ousmane Diallo ist froh, beim Projekt "Perspektiven fördern" dabei gewesen zu sein. "Alles ist gut", sagt der 19-jährige Guineer. Um sich auf einen Ausbildungsplatz vorzubereiten, besuchte er vom Februar bis Mai Sprachunterricht. Im Juni erfuhr er, welche ungeschriebenen sowie geschriebenen Gesetze in der Bundesrepublik gelten und welche Geschichte Deutschland hat. Im Juli und August absolvierte er ein Praktikum bei den Kamp-Lintforter Stadtwerken. "Ich will einmal Bürokaufmann werden", sagt der Neu-Kamp-Lintforter, der seit Juli 2015 in der Hochschulstadt lebt. Am liebsten würde er im August 2017 eine entsprechende Ausbildung starten, wenn er einen Platz findet.

Wie er ziehen alle Flüchtlinge eine positive Bilanz des Projektes "Perspektiven fördern", das Anfang Februar begann und Ende August endete. "Von den 20 Projektteilnehmern hat nur einer vorzeitig abgebrochen", berichtet Bettina Feldmann vom Internationalen Bund, die im Projekt Deutsch als Fremdsprache unterrichtet und die jungen Erwachsenen bei den Praktika begleitet. Die geringe Abbruchsquote hat mehrere Ursachen. Zum einen wählte IB-Mitarbeiterin Kerstin Reinhardt Flüchtlinge aus, die lernfähig und motiviert sind. Außerdem waren alle zwischen 18 und 27 Jahren alt und kamen aus Ländern, in die sie voraussichtlich nicht mehr zurückzukehren werden, wie Eritrea, Irak oder Syrien.

"Da diese Gruppe überwiegend männlich ist, nahmen 19 junge Männer und nur eine junge Frau teil", erläutert Bettina Feldmann. Es war Geld vorhanden, das nicht von Bund oder Land kommt, solange die Flüchtlinge noch keine anerkannten Asylbewerber sind, was oft eineinhalb bis zwei Jahre dauert. Die Rotarier vom Club Kamp-Lintfort / Grafschaft Moers spendeten 12.500 Euro. "Schlüssel zur gesellschaftlichen Integration ist und bleibt die Sprache", begründet August Kraus, der bis zum Juli 2016 Präsident des Rotaryclubs war, warum sich die Rotarier großzügig zeigten. Sie stifteten nicht nur Geld, sondern setzten auch ihre beruflichen Kontakte ein, um Praktikumsstellen zu akquirieren. Dabei arbeiteten sie mit dem Internationalen Bund, dem Sozialamtsmitarbeiter für Flüchtlinge Bernd Kopitzki und dem Forum Integration zusammen. "In Kamp-Lintfort sind die Dienstwege kurz", unterstreicht Bettina Feldmann. Während des Projektes bauten die Flüchtlinge untereinander Freundschaften auf. "Durch die Flucht habe ich Freunde und Bekannte verloren", erzählt Amadou Ly, der im Juni 2015 nach Kamp-Lintfort kam. "Heute gehen wir schon mal in die Bücherei. Dort lesen wir Zeitungen oder leihen Bücher aus. Wir lesen sie in der Freizeit." Der 23-jährige Guinee, der sein Praktikum unter anderem in der Haustechnik und an der Pforte des St.-Bernhard-Hospitals verbrachte, hatte in seinem Heimatland Sprachwissenschaft und Human Resources studiert. Gerne würde er eine Ausbildung in der Informationstechnologie beginnen. "Ich habe eine Bewerbung abgegeben", erzählt er. Außerdem konnte er, wie viele andere Flüchtlinge auch, kürzlich einen Asylantrag stellen. "Mit einer Anerkennung ist es natürlich leichter."

Quelle: RP
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