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Kamp-Lintfort
Schirrhof, der Neustart

Kamp-Lintfort: Schirrhof, der Neustart
Erster Beigeordneter Christoph Müllmann (links) und Peter Wylenzek, ehemaliger Bergmann, studieren die Pläne für das Zentrum. FOTO: K. Dieker
Kamp-Lintfort. Die Fördermittel sind genehmigt: Die Pläne für das Zentrum für Bergbautradition auf dem Zechengelände können konkretisiert werden. Von Anja Katzke

Die alte Werkstatt ist leergeräumt. An einer Wand hängen noch drei Feuerlöscher, in einer Ecke ist Holz gestapelt. Kaum etwas erinnert noch daran, dass hier viele Jahrzehnte lang junge Menschen in bergmännischen Berufen ausgebildet wurden. In Zukunft ist die im Schirrhof untergebrachte Ausbildungswerkstatt des Bergwerks West Teil des Zentrums für Bergbautradition in Lintfort. Seit Mitte Juli steht die Finanzierung: Das Landesministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung genehmigte den Umbau des Schirrhofs zu einem Zentrum für Familien, Kultur und Bildung - und stellt eine Förderung von 4,3 Millionen Euro für die Realisierung zur Verfügung.

"Unser Antrag ist zu 100 Prozent bewilligt worden", freut sich Christoph Müllmann, Erster Beigeordneter in Kamp-Lintfort. Insbesondere, weil das Projekt mit zahlreichen anderen um die Mittel des "Investitionspaktes soziale Integration im Quartier" konkurrierte. Christoph Müllmann und sein ämter-übergreifendes Team aus Ingenieuren, Stadtplanern und Kulturbeauftragten können sich jetzt daran machen, die bereits vorhandenen Entwürfe für das Zentrum für Bergbautradition zu konkretisieren. Die Gesamtkosten belaufen sich auf ein Budget von 6,6 Millionen Euro.

Solche Bergbaugeräte und -maschinen sollen künftig im offenen Museum den Besuchern präsentiert werden. FOTO: Anja Katzke

Eine weitere Förderung in Höhe von 1,9 Millionen Euro erhält die Stadt, um im linken Gebäudeflügel eine neue Kindertagesstätte mit fünf Gruppen und 90 Plätzen einzurichten. Der Eigenanteil der Stadt wird sich auf rund 500.000 Euro belaufen. Die neue Kita teilt sich das hufeisenförmige Gebäude zukünftig mit der Fördergemeinschaft für Bergmannstradition am linken Niederrhein. Während die Kindertagesstätte auf zwei Ebenen entstehen wird, soll der Traditionsverein, der bereits den Lehrstollen auf dem Gelände betreut und aktuell die Strecke verlängert, in die obere Etage des rechten Gebäudeteils einziehen. Die Fördergemeinschaft hat zurzeit ihren Sitz im Knappenheim. Ursprünglich hatten die Mitglieder zwar geplant, sich im benachbarten Pumpenhaus einzurichten. Das passte aber nicht in die neuen Planungen: Das denkmalgeschützte Gebäude soll ab spätestens 2020 die zentrale Informationsstelle für Besucher des Zentrums für Bergmannstradition werden. "Dort können sich Interessierte sowohl einen Überblick über die Stadt- als auch über die Technik- und Siedlungsgeschichte verschaffen", erläutert Müllmann die Idee.

Die Mitglieder der Fördergemeinschaft hätten sich sehr gut mit dem Vorschlag angefreundet, in die obere Etage des Schirrhofs einzuziehen, sagt Müllmann. Die nötige Infrastruktur mit Sanitäranlagen ist bereits vorhanden. "Es ist abgemacht, dass die Mitglieder diesen Bereich in Eigenleistung herrichten." Miete muss die Gemeinschaft nicht zahlen, lediglich die Betriebskosten. Das hängt damit zusammen, dass die Förderbedingungen keine wirtschaftliche Nutzung der Räumlichkeiten zulassen. Da im oberen Geschoss noch weitere Räume frei sind, überlegt die Stadtverwaltung derzeit, hiesigen Künstlern anzubieten, dort Ateliers einzurichten. "Wir sind bereits in Gesprächen."

Die Natur hat sich den Raum zurückerobert: Dieses Foto zeigt den Haupteingang in die ehemalige Ausbildung des Bergwerks West. FOTO: Dieker Klaus

Überlegt wird außerdem, ob der Verein Niederrhein, der zurzeit sein Domizil im Diesterwegforum hat, Räume im zukünftigen Zentrum nutzen möchte. Auch das Geologische Museum, das seit einigen Jahren keine Präsentationsfläche für Ausstellungen mehr hat, könnte in das historische Zechengebäude einziehen.

Platz wäre genug: Der Schirrhof mit der nostalgischen Turmuhr hat eine Nutzfläche von 3000 Quadratmetern. Dazu gehören auch die Feuerwehr-Garagen an der linken Gebäudeseite. Im Erdgeschoss des rechten Gebäudes bestünde für die Fördergemeinschaft die Möglichkeit, ein Magazin aufzubauen. Und auch ein Gemeinschaftsraum für alle Vereine, die sich dort ansiedeln, soll entstehen. Träger des Zentrums wird die Fördergemeinschaft für Bergmannstradition sein. Mit dem Umbau des Schirrhofs möchte die Stadt Kamp-Lintfort zugleich den historischen Zustand des Gebäudes wieder herrichten. So ist geplant, die alten Torbögen wieder zu öffnen. Im Schirrhof waren in den Bergbau-Anfängen die Arbeitspferde untergebracht. Im Gebäudeteil vis à vis zum Pumpenhaus soll so ein offenes Bergbau-Museum entstehen. "Dort könnten die Maschinen, die auf dem Bergwerk genutzt wurden, den Besuchern präsentiert werden", erläutert der Erste Beigeordnete die Idee der Stadt, die mit Unterstützung eines Mitarbeiters des Deutschen Bergbaumuseums Bochum bereits ein grobes Konzept erstellt hatte. Das endgültige Museumskonzept muss noch erarbeitet werden. "Es wird ein Wettbewerb ausgelobt", berichtet der Erste Beigeordnete.

Bis das Zentrum für Bergmannstradition seine Pforten öffnet, werden noch einige Jahre ins Land ziehen. Die Stadt wird zunächst die Vergabe der Umbauarbeiten vorbereiten. Sie müssen europaweit ausgeschrieben werden. Christoph Müllmann geht davon aus, dass im September die politischen Gremien über die Planungen entscheiden. Der Umbau soll 2019 beginnen.

Quelle: RP
 
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