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Kamp-Lintfort
Schüler dokumentieren Flüchtlingskrise

Kamp-Lintfort: Schüler dokumentieren Flüchtlingskrise
Die Schüler Max Schiller (links) und Yannik Bagusat mit Bildern, die Flüchtlingskinder gezeichnet haben. FOTO: Siwe
Kamp-Lintfort. Zwölftklässler der Unesco-Schule haben sich ein Schuljahr lang intensiv mit dem Thema Flucht auseinandergesetzt. Bis zum 1. Juli präsentieren sie Plakate, Audioaufnahmen und Bilder in der Stadtbücherei. Von Jana Marquardt

"Migration" - ein Thema, das aufgrund des aktuellen Zustroms von Flüchtlingen nicht an Bedeutung verliert. Doch warum fliehen die Menschen überhaupt aus ihrer Heimat? Was erleben sie auf ihrem Weg? Und wie wird mit ihnen in anderen Ländern umgegangen? Mit diesen und vielen weiteren Fragen beschäftigten sich 17 Schüler der Unesco-Schule im Rahmen eines Projektkurses. Sie besuchten ein Flüchtlingsheim in Rheinberg, bekamen Besuch von Flüchtlingen aus einer Neukirchen-Vluyner Unterkunft und sammelten Fakten zu Fluchtwegen und der Rechtslage. Die Ergebnisse der monatelangen Arbeit werden nun in der Ausstellung "Flucht - Wenn Heimat zur Hölle wird" in der Stadtbücherei präsentiert.

Die Zwölftklässler haben eigens einen umfangreichen Flüchtlingsbericht zum Jahr 2015 erstellt, der gegen fünf Euro käuflich zu erwerben ist. Für beinahe jeden Tag des vergangenen Jahres haben sie die wichtigsten politischen Ereignisse zusammengefasst. Doch das ist nicht alles. "Wir haben Flucht-routen recherchiert, Steckbriefe zu den Ländern Syrien, Serbien, Eritrea und Afghanistan erstellt und uns über die rechtliche Situation informiert. Das alles soll dem Leser einen Überblick über die Situation geben", berichtet Jonas Schwaak (18), der seit der intensiven Auseinandersetzung mit Flüchtlingen überlegt, sich politisch gegen Rechtspopulismus einzusetzen.

In der Ausstellung sind neben den Plakaten, die die Ergebnisse des Berichts in Kurzform präsentieren, auch Bilder zu sehen, die Flüchtlingskinder im Alter von acht bis 16 Jahren gemalt haben, die Deutschunterricht an der Niersenbruch-Schule bekommen. Sie zeigen zum Beispiel einen grauen Lkw, der an einem tristen, dunklen Haus vorbeifährt. Aber auch farbenfrohe Bilder von Seen, Wiesen und bunten Häusern sind zu sehen. Im Gespräch mit den Kindern ist den Schülern aufgefallen, dass sie wenig über ihre Vergangenheit reden wollten. Stattdessen hätten sie von den vielen schönen Aktivitäten gesprochen, die sie in Kamp-Lintfort unternehmen könnten.

Ein weiteres Kernstück der Ausstellung sind zwei Audioaufnahmen mit Interviews. "Eine fünfköpfige Familie aus dem Kosovo und ein 19-jähriger aus Syrien haben mit uns über ihre Fluchterlebnisse gesprochen. Diese Interviews haben wir noch einmal mit unseren eigenen Stimmen nachgesprochen", sagt Max Schiller (18).

Das Ziel des Projekts haben die Schüler selbst formuliert: Sie wollen Vorurteile abbauen. "In Rheinberg gibt es auch eine Unterkunft. Dort grüßen die Leute immer freundlich", erzählt Yannick Bagusat (18) der keine negativen Erfahrungen gemacht hat. "Durch unsere Arbeit haben wir eine ganz andere Sichtweise auf unser eigenes Leben bekommen", sagt Marius Engelmann (18). "Uns geht es hier schon ziemlich gut." Jonas Schwaak ergänzt: "Wir haben viele Einzelschicksale im Flüchtlingsheim kennengelernt. Und dort, wo die Menschen leben, die die Flucht bereits hinter sich haben, ist alles sehr beengt und längst nicht ideal." Deshalb wollen sie den Erlös ihres Jahresberichts an lokale Flüchtlingsprojekte spenden.

Quelle: RP
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