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Kamp-Lintfort
Schüler unterrichten Schüler

Kamp-Lintfort: Schüler unterrichten Schüler
Die Zehntklässlerinnen Theodora (links) und Selin erklären den Grundschülern an der "Duftbar", aus welchem Material Parfüms gefertigt werden. Die Besucher lernten Wissenswertes aus der Chemie. FOTO: Klaus Dieker
Kamp-Lintfort. Früh übt sich: Wer später Lehrer werden möchte, hat am Georg-Forster-Gymnasium die Chance, seine Fähigkeiten im Rahmen eines Projektes zu testen. Grundschüler lernen im Gegenzug den zukünftigen Unterrichtsstoff kennen. Von Julia Schüßler

Im Chemieraum des Georg-Forster-Gymnasiums (GFG) ist heute etwas anders: Es riecht nach Orangen, und auch die Lehrer sehen in ihren weißen Kitteln jünger aus als gewohnt. Grund dafür ist das Projekt "GuG - Gymnasiasten unterrichten Grundschüler", in dem Zehntklässler den vierten Grundschulklassen insbesondere die Naturwissenschaften näher bringen.

Während in der Grundschule das Lesen und das Einmaleins Vorrang haben, kommen Fächer wie Chemie und Physik erst auf den weiterführenden Schulen an die Reihe. Damit aber auch die kleinsten Schüler schon einmal einen Eindruck bekommen können, was sie erwartet, statten sie in dieser Woche den Großen einen Besuch ab. "Um die 280 Schüler aus allen Grundschulen in Kamp-Lintfort nehmen teil", sagt Renate Seidel, Lehrerin und Organisatorin des Projekts. In einem naturwissenschaftlichen und einem Sport-Modul, lernen sie an unterschiedlichen Stationen die gymnasiale Unterstufe kennen. Selin und Theodora stehen heute hinter dem Pult im Chemielabor. An der "Duftbar" zeigen sie ihren Schülern, was man mit den Ölen aus den Schalen der Zitrusfrüchte machen kann. Sobald man die nämlich in ein Teelicht spritzt, entsteht eine Stichflamme. "Ich mag es, mit Kindern zusammenzuarbeiten, weil sie immer so neugierig sind", sagt Selin. Sie selbst möchte gerne Lehrerin werden und sieht das Projekt als Bewährungsprobe. "Ich war mir nicht sicher, ob ich das hinbekomme, weil ich sehr schüchtern bin. Aber jetzt bin ich ruhiger als gedacht." Damit ist sie ihrem Berufswunsch schon ein wenig näher.

Denn auch wenn die neunjährige Elda lieber Kommissarin werden möchte, findet sie Gefallen an dem Unterricht mit Selin: "Ich finde es toll, dass wir die Früchte zertrampeln konnten." Allerdings weiß sie noch nicht sicher, in welchem Fach sie hier unterrichtet wird. "Ich glaube, das Fach heißt Duft." Aber da helfen ihr ihre Mitschüler schnell auf die Sprünge. Zur Vorbereitung der Unterrichtsstunden, hospitierten die acht Schüler des GFG in der vergangenen Woche bereits in den Grundschulen. "Früher waren die Schüler bei einem Betriebspraktikum immer die rechte Hand des Lehrers. Die Schüler sollen aber nicht mehr nur hinten drin sitzen, sondern aktiv mitgestalten", sagt Seidel. Deshalb gebe es seit mittlerweile fünf Jahren eine Kombination aus Hospitanz und selbstständigem Arbeiten. "Dafür haben sie sogar extra ein kleines Lehrerzimmer", sagt Seidel. Die Rollen werden dort jeden Tag neu verteilt, so dass ein umfassender Eindruck vom Beruf entstehen kann. Und das Konzept ist zielführend: "Viele, die das Schülerpraktikum gemacht haben, wollen später ein Lehramt-Studium aufnehmen." Dabei hätten in den vergangenen Jahren vor allem Jungen den Lehrberuf für sich entdeckt. "Sie wollen nicht mehr nur rumhängen, sondern was tun", sagt Seidel. Ob ein Schüler für den Beruf geeignet sei, entdecke man ziemlich schnell: "Sie brauchen eine Lehrerpersönlichkeit." Damit sind Präsenz und die Fähigkeit, mit Kindern zu sprechen, gemeint.

Die Zehntklässlerinnen Theodora (links) und Selin erklären den Grundschülern an der "Duftbar", aus welchem Material Parfüms gefertigt werden. Die Besucher lernten Wissenswertes aus der Chemie. FOTO: Klaus Dieker
Quelle: RP
 
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