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Kamp-Lintfort
Schützen und Kloster sind eng verbunden

Kamp-Lintfort. Die St.-Josef-Bruderschaft Kloster Kamp ist, hat wie schon ihr Name belegt, einen deutlichen Bezug zu der berühmten Zisterzienserabtei. Die Tradition der Kamper Schützen reicht zurück bis ins 15. Jahrhundert. Von Hedi Meinecke

Die Geschichte der Sankt-Josef-Schützen-Bruderschaft Kloster Kamp ist eng verknüpft mit der Abteikirche. Eine Statue ihres Schutzpatrons erfährt noch heute hier in der Abtei eine besondere Verehrung. Einst schmückte sie einen Altar, den die Zisterzienser dem Heiligen widmeten. Im Jahre 1449 gegründet, gehört St. Josef zu den Historischen Deutschen Bruderschaften, die in diesem Jahr als Unesco-Kulturerbe anerkannt wurden. "Es gibt allerdings keine Dokumente mehr, die dieses Datum stützen", sagt Ulrich Lehmkuhl, Sprecher der Gesellschaft. Die Gründungsurkunde, die im Kloster aufbewahrt wurde, sei durch Kriegseinwirkung verloren gegangen. Andere Schriften seien bei einem Brand Opfer der Flammen geworden.

Die nahezu 600-jährige Vergangenheit aber ist bewegt und abwechslungsreich, Hochs und Tiefs prägten das Geschehen. So zum Beispiel erzählen die Annalen, dass die Statuten aus den Gründungsjahren bei jedem Vogelschießen und auch beim Patronatsfest immer wieder in Erinnerung gebracht wurden - bis irgendwann nur noch ein Schützenbruder in der Lage war, diese vorzulesen, da sie in niederrheinischer Mundwart geschrieben waren. Die Chronik berichtet aber auch von heftigen Kontroversen und Konflikten zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Es gab Austritte und einen Gerichtsbeschluss, der die Abweichler aufforderte, die entwendete geweihte Fahnen und das wertvolle Königssilber der Bruderschaft zurückzugeben. "Die lange Tradition aber zeugt vom authentischen Geist der Bruderschaft, der die Gemeinschaft formte und ihr den Stempel aufdrückte", sagt Brudermeister Ludwig Kathage. Und für ihn sind Bruderschaften seit jeher Mittelpunkt des geselligen und kulturellen Lebens - "sie bieten die Gewähr, dass das heimatliche Brauchtum bewahrt und weiter gegeben wird." Dieser Kult käme beim alljährlichen Vogelschießen und den Schützenfesten immer wieder zum Tragen.

Einen weiteren Schwerpunkt legt die Gesellschaft auf soziale und caritative Aufgaben. Ihr besonderes Augenmerk richtet sich dabei auf den jährlichen Adventsmarkt im Schatten der Abteikirche, der weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt und beliebt ist. Der Reinerlös im rund fünfstelligen Bereich wird für soziale Zwecke gespendet.

Die Jugendarbeit stellt die Bruderschaft ebenso in den Mittelpunkt ihrer Arbeit. Die Verantwortlichen aber bedauern die fehlende Begeisterung junger Menschen für die Ideale der Bruderschaft. "Nur noch das Fahnenschwenken findet Interesse", so Sprecher Lehmkuhl. Hier aber engagiere sich eine aktive Gruppe mit großem Erfolg - "und sie begeistern die Besucher und bei Wettbewerben mit ihrer Kunst."

Die enge Verbundenheit zur Kirchengemeinde gehört seit jeher zu den Grundpfeilern von St. Josef. Deutlich wird das beim Patronatsfest, bei der Begleitung der Fronleichnamsprozession, der tatkräftigen Hilfe beim Kamper Pfarrfest - und nicht zuletzt durch die Instandhaltung und der Pflege der Josefskapelle an der Mittelstraße, die im Jahr 1999 von der Bruderschaft wieder aufgebaut wurde, nachdem sie im Jahr 1963 abgerissen, dem Straßenbau zum Opfer fiel.

St. Josef hat heute 170 Mitglieder, davon sind allein 60 weiblich. "Es war in den 80er Jahren, als die Frauen die Männer-Domäne durchbrachen", so Ulrich Lehmkuhl. Sie wurden in den Vorstand gewählt - und 2014 und 2016 holten Frauen den Vogel von der Stange und wurden Schützen-Königinnen.

Quelle: RP
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