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Kamp-Lintfort
Sieben zeigen die Kunst des Flickwerks

Kamp-Lintfort: Sieben zeigen die Kunst des Flickwerks
Cornelia Merkamp, Rita Kathage, Lisa Möcking, Maria Krings, Dagmar Diepers, Irmgard Marten und Maria Mott präsentieren ihre schönen Quilts im Museum Kloster Kamp. Die sieben Frauen treffen sich regelmäßig, um gemeinsam zu quilten. FOTO: Klaus Dieker
Kamp-Lintfort. Sie nennen sich die Apfelgarten-Quilterinnen: Sieben Frauen aus der Region haben sich einem traditionsreichen und kunstvollen Handwerk verschrieben. Im Museum Kloster Kamp präsentieren sie Biblisches aus Stoffresten. Von Anja Katzke

Quilten - Ja, das ist vieles: Ruhe und Entspannung, gut für die Seele, vor allem aber ein traditionsreiches Kunsthandwerk. Eines, das die sieben Frauen, die sich regelmäßig auf dem Omselhof bei Maria Krings treffen, mit viel Liebe zum Detail und Augenmaß beherrschen. Die Arbeiten, die sie in vielen Stunden Nadelarbeit geschaffen haben, präsentieren Dagmar Diepers, Rita Kathage, Irmgard Marten, Maria Krings, Cornelia Merkamp, Lisa Möcking und Maria Mott ab morgen im Museum Kloster Kamp in einer Ausstellung. Sie trägt den Titel "Fadenpfade" und zeigt Quilts als Spiegel zeitgenössischer Spiritualität. Für das Projekt haben sich die Künstlerinnen von biblischen Texten, Liedern, Lehrsätzen und einigen Geistesblitzen inspirieren lassen. Diese besondere Sonderausstellung wird am Samstag, 12. September, um 15.30 Uhr eröffnet.

Die Quilts zeigen biblische Motive, so wie es schon die ersten Quilterinnen vor Jahrhunderten pflegten: den Baum des Lebens, die Himmelsleiter, Palmen, die Dornenkrone und den Stern von Bethlehem. Die Vorbilder gehen den Frauen dabei nicht aus: "Es gibt Blockmuster mit fast 190 Varianten und biblischen Motiven", berichtet Cornelia Merkamp. Das Quilten ist eine Textiltechnik, bei der zumeist in drei Lagen ein Oberstoff aus sogenannten Patchwork-Flicken, ein Füllstoff und eine Rückseite miteinander verbunden werden. Die Künstlerinnen lassen sich zwar von den althergebrachten Motiven leiten, gehen aber in der Arbeit gerne darüber hinaus und entwickeln auf der Basis Neues und Heutiges. Davon zeugt zum Beispiel die gequiltete Handtasche oder die Lilien neben der Blumenvase. Ein Herzensprojekt hat Lisa Möcking realisiert: Aus der Stola ihres Vaters, der Diakon war, schuf sie eine Hülle für das Stundenbuch. "Es ist mir nicht leicht gefallen, die Stola zu zerschneiden. Und ich habe erst meine Schwestern gefragt, ob sie damit einverstanden sind", erzählt die Quilterin. 35 Jahre lang hatte sie die für sie wertvolle Stola zuvor im Schrank aufbewahrt. Maria Mott ist nur durch Zufall zu diesem Hobby gekommen. "Hätte mich jemand vor 20 Jahren gefragt, ob ich Spaß am Quilten hätte, hätte ich geantwortet: Niemals", erzählt sie. Die Begeisterung hat sie aber längst gepackt. So geht es auch den anderen sechs Frauen, die sich regelmäßig treffen und sich die Apfelgarten-Quilterinnen nennen. "Wir treffen uns im Sommer im Apfelgarten des Omselhofs", erklären sie den ungewöhnlichen Namen des Kollektivs.

"Man kann nicht alle Bilder, die man malt, an die Wand hängen. Aber eine warme Decke kann man immer gebrauchen", erklärt Irmgard Marten, warum sie sich für dieses künstlerische Hobby entschieden hat. Für die Ausstellung im Kloster Kamp haben die Sieben auch einen gemeinsamen Quilt geschaffen, so wie es der Laie aus den amerikanischen Western kennt.

Jede Frau steuerte eine Lage mit ihren Lieblingsmotiven der gesamten Decke bei. In der Vitrine zeigen die Kunsthandwerkerinnen außerdem historische Utensilien wie Nähmaschinen und einen Nähtisch aus der Biedermeier-Zeit. Und auch ein altes Schulheft ist dort ausgestellt - mit technischen Anweisungen und diversen Stoffproben.

Quelle: RP
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