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Kamp-Lintfort
So schützt man sich vor Plagiaten

Kamp-Lintfort: So schützt man sich vor Plagiaten
Professor Dr. Ing. Christoph Haag von der Hochschule Rhein-Waal bei seinem Vortrag über Produktpiraterie. FOTO: Arnulf Stoffel
Kamp-Lintfort. Zwei Fachleute geben an der Hochschule Rhein Waal praktische Tipps. Wichtigster Rat: Patente anmelden. Von Ulrike Rauhut

Wie können sich Unternehmen gegen Produktpiraterie wehren - zu diesem Thema hatte die Niederrheinische IHK im Rahmen der Initiative "win2" - Wissenstransfer und Innovation am Niederrhein- zu einem Vortrag eingeladen. Nach einer Studie des Wirtschaftsverbandes VDMA aus dem Jahr 2014 sind 70 Prozent der deutschen Betriebe von diesem Problem betroffen. Nicht nur in China werden Plagiate und Fälschungen hergestellt, auch hierzulande werden die Imitatoren immer dreister. Deutschland belegt dabei bereits den zweiten Platz.

In kleiner Runde wurde den interessierten Zuhörern in einem Seminarraum der Hochschule Rhein-Waal von zwei Fachleuten ein Einblick in das Thema gewährt. Markus Petermann, Maschinenbauingenieur und Patentanwalt aus München, erläuterte in seinem Vortrag, dass firmeninternes Know-How über verschiedene Kanäle durchsickere: Eine Schwachstelle seien Dokumente und Dateien. Gerade bei weltweit operierenden Unternehmen, die mit vielen verschiedenen Stellen kommunizieren und ihr Wissen weitergeben, ergeben sich unerwünschte Nebeneffekte. Hier sei als Schutz besondere Sorgfalt bei der Datensicherung geboten. Sinnvoll sei es beispielsweise auch, bei Darstellung von Modellen nicht alle Infos über das Produkt darzustellen.

Der wichtigste Faktor bei der Weitergabe geheimer Daten seien aber die Mitarbeiter. Mal geschehe dies unabsichtlich, mal mit Absicht, um dem Unternehmen zu schaden. Um sich der Loyalität seiner eigenen Mitarbeiter sicher sein zu können, tun die Firmen gut daran, für ein gutes Betriebsklima und eine hohe Zufriedenheit zu sorgen. Ein Bewusstsein für sensible Informationen zu schaffen, sei ebenfalls wichtig.

Doch auch am Produkt selbst können findige Nachahmer Anhaltspunkte für den Nachbau finden - das nennt man "Reverse Engineering". Petermann riet dazu, Patente oder Gebrauchsmuster anzumelden, um das eigene Produkt oder Know-how zu schützen. Aus der Zuhörerschaft kam dazu der Hinweis, dass dies langwierig und mit hohen Kosten verbunden sei.

Moderator Stefan Finke von der IHK in Duisburg wies darauf hin, dass man sich in allen Fragen rund um das Thema "Patentrecht" kostenlos beraten lassen könne. An jedem zweiten Donnerstag im Monat werde eine "Erfinder- und Patentberatung" angeboten. Im zweiten Teil des Vortrags ging Christoph Haag, Produktions- und Innovationsforscher und Professor an der Hochschule Rhein-Waal, auf die Möglichkeiten ein, ein Produkt schon bei der Herstellung vor Nachahmern zu schützen. Es gebe zahlreiche Schutzmaßnahmen im technischen, marktbezogenen und organisatorischen Bereich. Beispielsweise gingen Firmen dazu über, ein letztes "Puzzleteil" für die Inbetriebnahme eines Geräts zurückzuhalten. Der Kunde kann dann nur mit einem speziellen Code oder "Schlüssel" das Produkt aktivieren.

Ein wichtiges Thema sei auch die Authentifizierung. Dem Produkt wird dabei ein unverwechselbarer Fingerabdruck verpasst, mit dem seine Echtheit bewiesen werden kann. Eine Fülle unterschiedlicher Maßnahmen sei hier möglich, die im Einzelfall erwogen werden müssen.

Quelle: RP
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